Stadt räumt ein: Winterdienst war „Käse”

Von: Patrick Nowicki
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Kein Bild aus der Antarktis, sondern vom Drieschplatz: Dort türmt sich der Schnee, der von Feuerwehr, THW, Landwirten und privaten Unternehmen aus der ganzen Stadt angekarrt wurde. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Die Telefone im Rathaus haben in den vergangenen Tagen nicht mehr still gestanden: Immer wieder entluden Bürger ihren Frust über die katastrophalen Straßenverhältnisse in Eschweiler, die auch am Dienstag noch nicht endgültig beseitigt waren. Bürgermeister Rudi Bertram redet nicht um den heißen Brei.

„Da sind klare Management-Fehler gemacht worden, das war Käse.” Einerseits wurde zu wenig Salz geordert, andererseits waren die Personalpläne der für den Winderdienst zuständigen Wirtschaftsbetriebe Eschweiler (WBE) nicht geeignet, der Schneemassen Herr zu werden.

Die Mitarbeiter der WBE, die mit den Räumfahrzeugen ausrückten, nimmt der Verwaltungschef allerdings ausdrücklich in Schutz: „Sie haben getan, was sie konnten.” Erst als auch Feuerwehr, THW sowie externe Unternehmen und Landwirte an der Schneeräumung beteiligt wurden, entspannte sich die Lage etwas. Am Dienstag wurden auch Nebenstraße von der Schneeschicht befreit, die eigentlich nicht von den WBE geräumt werden müssten. „Dies ist eine Ausnahmesituation”, so Bertram.

Bürger bleiben auf Müll sitzen

Die Bürger mag dies kaum besänftigen. Auch am Dienstag wurde so manche Mülltonne nicht geleert, weil die Müllfahrzeuge nicht in sämtliche Straßen fahren wollten und konnten. Wie in Hücheln, wo Haushalte am Dienstag schon zum zweiten Mal auf ihrem Bioabfall sitzen blieben. „Dabei war das bei der Gelben Tonne kein Problem”, wettert Renate Thimiester. Die Stadt hatte dabei ausdrücklich angewiesen, sämtliche Müllbezirke zu befahren und auch neben den Tonnen abgestellte Säcke mitzunehmen.

Der zweite Geschäftsführer der WBE, Manfred Knollmann, will in Zukunft ein solches Szenario vermeiden. Bisher lagerten 150 Tonnen Salz in den Silos der WBE, weiteres Streugut konnte bei Bedarf geordert werden. Dieses Procedere gestaltete sich jedoch schwierig: Nicht nur Eschweiler hatte einen hohen Bedarf, sondern auch andere Kommunen, wodurch sich Lieferungen verzögerten oder erst gar nicht möglich waren.

Knollmann will nun den Vorrat auf 500 Tonnen erhöhen und mit anderen Städten kooperieren, um den Salzpreis zu drücken. Schließlich beträgt die Streustrecke in Eschweiler 150 Kilometer. Das NRW-Landesministerium rechnete jetzt vor, dass pro Kilometer etwa 3,5 Tonnen Salz nötig seien, um durch den Winter zu kommen.

Das Konzept, externe Unternehmen und Landwirte einzubinden, soll fortgesetzt werden. Knollmann schweben Rahmenverträge vor. Denn mit dem WBE-Personal alleine könne eine solche Situation nicht gestemmt werden, so der WBE-Geschäftsführer. Dennoch sollen auch die vorhandenen WBE-Mitarbeiter besser eingesetzt werden. „Dafür müssen allerdings erst Schulungen stattfinden”, so Knollmann.

Die Arbeiten gingen am Dienstag weiter, schließlich sollen alle Wege zu den Schulen frei sein, wenn die Ferien am Montag enden. Ende des Jahres dürften die Bürger wieder schimpfen. Dann steht fest, was der Winter gekostet hat. Fest steht: „Zum Nulltarif ist das alles nicht zu bekommen”, so Knollmann.

Am Wochenende droht Hochwasser

Das nächste Ungemach droht, wenn zum Wochenende die Temperaturen wieder steigen und die Schneemassen auch in der Eifel schmelzen.

Die Feuerwehr ist darauf vorbereitet, dass die Inde ihr Flußbett verlässt. Hunderte Sandsäcke stehen für Hochwasser bereit.

Am Dienstag gingen Ordnungsamtsmitarbeiter den Flußlauf ab, um Hindernisse wie umgestürzte Bäume rechtzeitig beseitigen zu lassen. Auch der Wasserverband Eifel-Rur wurde von der Stadt über den Stand informiert.

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