Eschweiler - St. Jöris: Per Funk aus der Internet-Diaspora

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St. Jöris: Per Funk aus der Internet-Diaspora

Von: Laura Beemelmanns
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Schnell surfen in St. Jöris?
Schnell surfen in St. Jöris? Fouad Saysay (links) zeigt, wie es funktionieren kann. Foto: Laura Beemelmanns

Eschweiler. Wir sind online, eine digitale Gesellschaft sozusagen, die in einem ganz besonderen Zeitalter lebt - dem Informationszeitalter. Täglich strömen Unmengen verschiedenster Infos auf uns ein, die wir als Rezipienten versuchen aufzunehmen und zu selektieren, folglich das Beste für uns heraus zu suchen.

Das Internet gehört inzwischen größtenteils ebenso zu uns wie das tägliche Putzen der Zähne.

Laut Studien waren im Jahr 2011 73,3 Prozent der Bürger in Deutschland ab 14 Jahren zumindest gelegentlich online. 22 Prozent von ihnen besitzen sogar ein Smartphone, sind also ständig und überall mobil und erreichbar, die meisten von ihnen mit unschlagbarer Geschwindigkeit. Innerhalb weniger Klicks sind große Datenmengen auf dem Computer, dem Handy oder Tablet-PC. Bilder, Spiele oder Musik landen in Sekundenschnelle problemlos auf der Festplatte. Man ist angekommen, im Jahr 2012.

So zumindest die Theorie. Es gibt Orte in Deutschland, die tatsächlich immer noch nicht in den Genuss dieser für viele Menschen alltäglichen Situation kommen. St. Jöris geht in diesem Fall als trauriges Beispiel voran. Aus diesem Grund veranstaltete der CDU-Ortsverband Kinzweiler um den 1. Vorsitzenden Willi Bündgens einen Info-Abend in der Gaststätte „Zur alten Schmiede” in St. Jöris. Gemeinsam mit Fouad Saysay, Ansprechpartner eines großen Mobilfunkanbieters für die Region rund um St. Jöris, der tapfer Rede und Antwort stand, sollte eine Lösung her. Denn die Einwohner sind sauer, zu Recht.

Willi Bündgens brachte es auf den Punkt: „Wir haben die Schnauze voll.” Schließlich kann die Dorfgemeinschaft nicht mal eben so ein Spiel oder einen Film herunterladen. Warum nicht? Weil sie auch im Jahr 2012 keine vernünftige Internetverbindung haben. Aktuell zum Teil sogar nur 128 kb/s (Kilobit pro Sekunde). Teilweise stehen vergleichsweise neue sogenannte 16.000er Leitungen zur Verfügung mit 16 Mb/s. Es geht dabei um die Datenübertragungsrate. Sie bezeichnet die digitale Datenmenge, die innerhalb einer bestimmten Zeiteinheit über einen Übertragungskanal übertragen wird. In St. Jöris gibt es keine nennenswerte Rate. „Ich habe so ein schnelles Internet, da bin ich schneller mit dem Rad bis zur Sparkasse gefahren”, schallte es aus den Reihen.

Das Problem: Es ist wahrscheinlich kein Breitband-Netz möglich. Der Lösungsvorschlag von Fouad Saysay: LTE - Long Term Evolution. LTE ist der Nachfolger von UMTS-Leitungen (3G) und die vierte Generation (4G) der Internet-Technologie. Mit bis zu 300 Megabit pro Sekunde kann eine deutlich höhere Downloadrate erreichen werden. Doch auch dies klingt in der Theorie besser als es für die St. Jöriser wohl sein wird. „Ich habe hier 21,6 MB/s gemessen”, so Saysay. „Das ist das, was ich Ihnen aktuell anbieten kann”.

Saysay schlug vor, von Haus zu Haus eine Messung vorzunehmen und das Problem Internet ganz individuell anzugehen. Er will das Möglichste aus dem Unmöglichen herausholen und weiß, dass in wenigen Jahren schon eine Verbesserung stattfinden werde. Die Preise sollen günstiger werden, die Geschwindigkeit höher. Genug Maste seien vorhanden, ausgelastet seien sie zudem noch lange nicht und Bezirke wie St. Jöris werden zudem bevorzugt.

Doch LTE befindet sich noch in der Testphase. Es ist ein Lösungsvorschlag, kein Rezept für die perfekte Lösung. LTE ist eine Alternative und soll den Umgang mit dem Internet „erträglicher machen”. Kaum zu glauben, dass es Orte gibt, die immer noch nicht im Jahr 2012 angekommen sind.
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