Eschweiler - Sofortprogramm soll das nächste Winterchaos verhüten

Sofortprogramm soll das nächste Winterchaos verhüten

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Was andernorts selbstverständlich ist, darf in Eschweiler nicht zur Ausnahme werden: ein funktionierender Winterdienst im Interesse der Sicherheit der Bürger. Foto: ddp

Eschweiler. Der erste heftige Wintereinbruch ist vorbei, der Schnee ist wieder fort, und auch einer der beiden Geschäftsführer der Wirtschaftsbetriebe Eschweiler (WBE) ist fort. Der Aufsichtsrat beteuert, das eine habe mit dem anderen nichts zu tun.

Zugleich sorgte der Aufsichtsrat aber dafür, dass die Wirtschaftsbetriebe, die zu 51 Prozent der Stadt Eschweiler, zu 49 Prozent der Firma Schönmakers gehören, drastische Konsequenzen aus dem Versagen des Winterdienstes ziehen.

Es ist ja nicht so, als habe der Aufsichtsrat nicht schon im Herbst nachgefragt, ob das Unternehmen gut für den Winter gerüstet sei. „Die Antwort hieß: Wir sind allerbestens vorbereitet!” berichtet SPD-Ratsherr Kämmerling bitter. Dann kamen die ersten weißen Flocken, und der Winterdienst brach zusammen. Die Räumfahrzeuge kamen zu spät, die Einsatzpläne waren starr und unflexibel, das Personal nicht ausreichend geschult, und nach wenigen Tagen war das Streusalz alle. Erst, nachdem Bürgermeister Bertram die Notbremse zog und private Firmen, Landwirte und Technisches Hilfswerk einsetzte, entspannte sich die Lage.

In einer außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrates, beantragt von den drei SPD-Stadtverordneten Leo Gehlen, Stefan Kämmerling und Ottmar Krauthausen, wurden am Donnerstag voriger Woche Konsequenzen gefordert und Aufklärung verlangt.

Über einzelne Beschlüsse dürfen die drei Mitglieder des Aufsichtsrats nicht reden, aber über das Ergebnis ihrer Fragen und Forderungen schon: Die Wirtschaftsbetriebe Eschweiler sind zu einem radikalen Kurswechsel aufgefordert. Und der, so versicherten die drei Politiker in einem Pressegespräch unter dem Titel „Winterchaos Dezember 2010”, werde auch kommen. Und zwar nicht erst im nächsten Winter, sondern: „Alle Verbesserungen sofort! Es muss schon im Februar klappen”, falls dann nämlich der Winter wieder mit Eis und Schnee zurück kommt, so Stefan Kämmerling.

Auf fünf Handlungsfeldern soll es Verbesserungen geben. Fraktionsvorsitzender Leo Gehlen zählte sie auf, und aus dieser Aufzählung wird auch klar, wo die Fehler der WBE gesehen werden.

Ausreichend Streusalz: An einem harten Wintertag werden nach Angaben der drei Kommunalpolitiker 22 bis 23 Tonnen Salz gebraucht, um die Hauptverkehrsstraßen der Stadt zu streuen. Der Vorrat der Wirtschaftsbetriebe betrug aber lediglich 190 Tonnen - das sei viel zu knapp kalkuliert gewesen. Auch habe es keine Nachlieferverträge für Notsituationen gegeben. Nach ein paar Tagen waren die Eschweiler Salzlager leer. Jetzt soll ein Vorrat von 400 bis 500 Tonnen angepeilt werden.

Es soll dafür Sorge getragen werden, dass Nachlieferverträge mit dem Streusalzhandel abgeschlossen werden. Hier wird über eine Zusammenarbeit mit Nachbarstädten nachgedacht. Man kann ja auch mit Aachen und Stolberg gemeinsam Salzt einkaufen und das dann nach Dringlichkeit verteilen. Dazu gehört dann auch Lagerraum. Der Bau eines weiteren Silos oder einer Lagerhalle ist zumindest im Gespräch.

Personal aufstocken und schulen. Die WBE arbeiten nach Darstellung der SPD-Stadtverordneten mit Leiharbeitern. Das sei zwar billiger, aber nicht unbedingt besser. Gefordert wurde, das Stammpersonal aufzustocken. Außerdem soll das Personal im Umgang mit dem technischen Gerät besser geschult werden: Feineinstellung von Streugeräten und exakter Umgang mit dem Räumschild wurden als Beispiele genannt.

Einsatzpläne überarbeiten: Die Mitarbeiter der WBE hatten einen starren Einsatzplan, der exakte Fahrtrouten für die Räum- und Streufahrzeuge zwingend vorschrieb. Mal flexibel zu reagieren, wenn in einer Straße der Verkehr gut läuft, während zwei Straßen weiter alles rutscht und schliddert, das war nicht drin. Und diese Pläne waren auch nicht aktuell. Beispiel Jägerspfad: Seitdem der Floriansweg samt Feuerwehr dort angeschlossen ist, hat der Jägerspfad eine viel größere Bedeutung. Auch ein frühzeitiges Reagieren auf kritische Wetterlagen ist vonnöten. Zum Überarbeiten dieser Pläne gehört auch, dass man auf erfahrene ältere Mitarbeiter hört, die sich vor Ort auskennen - früher klappte der Winterdienst nämlich gut.

Zusammenarbeit mit Helfern in der Not: Zu einem Winterdienst-Sicherheitsplan soll künftig auch gehören, dass andere Organisationen in die Planung einbezogen werden. Etwa das Technische Hilfswerk, die Feuerwehr, auch private Dienstleister und die Landwirte. Damit dann, wenn die WBE der Schneemassen mit eigenen Kräften nicht mehr Herr werden, eine schnelle und koordinierte Hilfe anlaufen kann.

Bessere Ausrüstung: Die Ausstattung der WBE mit Gerät für den Winterdienst soll verbessert werden. Leo Gehlen: „Wir haben vier Streufahrzeuge, wenn da eins ausfällt, muss es möglich sein, andere Fahrzeuge schnell umzurüsten.”

Die Ursache für das Winterchaos sehen die drei SPD-Politiker in einer Fehleinschätzung der Lage durch die Wirtschaftsbetriebe - aber nicht nur das. Sie kritisieren auch die grundsätzliche Firmeneinstellung. Stefan Kämmerling: „Es kann nicht sein, dass betriebswirtschaftliche Entscheidungen der Geschäftsführung dazu führen, dass die Stadt im Winterchaos versinkt!”

Natürlich, Salz kostet Geld, sagt Leo Gehlen, und Stammpersonal kostet auch Geld. Aber das Wohl der Bürger müsse Vorrang haben vor wirtschaftlichem Profit. Dass ältere Leute in den Außenorten zwei Wochen lang nicht einmal zum Einkaufen kommen - so etwas dürfe es nicht mehr geben.

Schon in seiner Neujahrsansprache hatte Bürgermeister Bertram vom Winterdienst als kommunaler Aufgabe gesprochen. Die Privatisierung kommunaler Aufgaben, die vor einigen Jahren intensiv betrieben wurde, bezeichnete Bertram als Irrweg - die Stadt ist nun bemüht, die Wirtschaftsbetriebe zurück in die alleinige Verantwortung der Stadt zu holen.

Lob und ein dickes Dankeschön gab es in dem Gespräch unserer Zeitung mit den drei Aufsichtsratsmitgliedern der WBE auch. Alle drei lobten nachdrücklich die vielen Mitarbeiter der Wirtschaftsbetriebe, die in den Schneewochen hart und lange gearbeitet haben. Und den Bürgermeister - dafür, dass er externe Hilfe organisiert hat. Leo Gehlen: „Rudi Bertram hat die Notbremse gezogen und ein noch größeres Chaos verhindert!”
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