Eschweiler - So gut wie hilflos gegen Wassermassen

So gut wie hilflos gegen Wassermassen

Von: Rudolf Müller
Letzte Aktualisierung:
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Was fast wie eine Urlaubsidylle anmutet, ist kein See im Allgäu, sondern eine überflutete Wiese an der ebenso überfluteten Straße Auf dem Felde in Hehlrath. Zu dritten Mal in diesem Jahr meldeten Anwohner hier ihre Keller unter Wasser. Foto: Susanne Färber

Eschweiler. Lange gedauert hat er nicht. Aber das genügte, um den halben Norden der Indestadt unter Wasser zu setzen. Der Platzregen, der am späten Samstagnachmittag über den Stadtteilen St. Jöris, Kinzweiler und Hehlrath niederging, sorgte für Dutzende überflutete Keller und unpassierbare Straßen.

Und für ungezählte Bürger, die auf alle Ämter, die mit Wasser zu tun haben, alles andere als gut zu sprechen sind. Nikolaus Müller, der uns ein halbes Dutzend „Katastrophenfotos“ unter anderem aus der Velauer Straße, der Elsass- und Nierhausener Straße schickte, sieht die Schuldigen bei der Unteren Wasserbehörde der Städteregion: „Zum wiederholten Mal ,Land unter‘ in Hehlrath. Dank der Unteren Wasserbehörde, die es einfach nicht auf die Reihe bekommt, für einen geregelten Regenwasserablauf zu sorgen!“

Holger Benend, Pressesprecher der Städteregion, weist solche Vorwürfe zurück: Die Untere Wasserbehörde beim Umweltamt der Städteregion sei allein für fließende Gewässer zuständig. In den genannten Eschweiler Stadtteilen sei dies der Merzbach, der vor den Ortslagen St. Jöris und Kinzweiler mit Regenrückhaltebecken ausgestattet worden sei. „Die haben funktioniert. Vom Merzbach ist keinerlei Überschwemmung ausgegangen“, betont Benend. Davon hätten sich Mitarbeiter des Wasserverbands Eifel-Rur (WVER) am Samstag vor Ort überzeugt.

Gertrud Hunscheidt aus der Hehlrather Klapperstraße hält von derartigen Beteuerungen wenig. „Die Gräben entlang der Straße Auf dem Felde werden so gut wie nie gemäht und gereinigt. Die Straße ist eine der ersten, die jedesmal von Überschwemmungen betroffen sind.“

Das sei allein in diesem Jahr bereits dreimal der Fall gewesen. Jedesmal seien Keller etlicher Anwohner überflutet worden – und jedesmal seien die Pumpen im WVER-Pumpenhaus an der Klapperstraße nicht in Betrieb gewesen. „Auch wenn der WVER etwas anderes behauptet: Die Pumpen waren abgeschaltet. Auch diesmal wieder. Das kann auch der Einsatzleiter der Feuerwehr bestätigen“, betont Gerda Hunscheidt.

Erst jetzt, nach den Überschwemmungen vom Samstag, sei der WVER aktiv geworden, habe die Gräben gesäubert und die Pumpen angeworfen. „Das ärgert nicht nur mich, meine Tochter und deren Mieter, die wir alle mit gefluteten Kellern zu kämpfen haben, das regt auch alle übrigen Nachbarn maßlos auf“, betont die Hehlratherin.

Wer ist denn nun der Schuldige an den Überschwemmungen? Der liebe Gott, wie man im Rathaus als Auskunft bekommt? Oder doch die unterdimensionierten Abwasserkanäle in den betroffenen Ortschaften – und damit die Stadt? Für den Regen hätten die Kanäle durchaus gereicht, sagt Eschweilers Technischer Beigeordneter Hermann Gödde. Aber die Schlammmassen, die der Regen von einem frisch bearbeiteten Feld spülte und die nun mit rasender Geschwindigkeit durch die Kirchstraße schossen, setzten in kürzester Zeit alle Gullys zu. Da konnte nichts mehr abfließen.

„Auch wenn wir noch nicht genau wissen, wie viel Liter pro Quadratmeter in dieser halben Stunde Platzregen tatsächlich heruntergekommen sind – gegen solche Regenereignisse ist fast nichts zu machen“, betont Gödde. Er bestätigt, dass die Regenrückhaltebecken des Merzbachs, der jahrzehntelang für Ärger gesorgt habe, einwandfrei funktionierten.

Gemeinsam mit dem WVER sei man nun in Überlegungen, wie man sich dennoch gegen derartige „höhere Gewalt“ wappnen könne. Das gehe von Überlegungen, gefährdete Felder künftig quer zu furchen, um rasante Schlamm-Abflüsse wie diesmal vorzubeugen, bis hin zu aufwendigen Baumaßnahmen im Straßenraum.

Den Menschen, die bei jeder Wolke bangen Auges zum Himmel blicken, weil sie mit der nächsten Überflutung – der vierten in diesem Jahr – rechnen, helfen die Hinweise, dass da kaum etwas zu machen sei, wenig. Und auch der völlig richtige Hinweis, dass auch diesmal wieder Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, Ordnungsamt und andere Institutionen schnell und gut zusammengearbeitet haben, ist da nur ein kleiner Trost.

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