Eschweiler - Sieben Millionen Euro für Eschweiler-West?

Sieben Millionen Euro für Eschweiler-West?

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Entwicklung von Eschweiler-Wes
Entwicklung von Eschweiler-West. Das Projekt soll so schnell es geht, vorangetrieben werden. Das Indestadion und die Gutenbergstraße sind dabei Eckpunkte.

Eschweiler. Das „Sanierungsgebiet Innenstadt Nord” für die Jahre 2013 bis 2023 ist noch gar nicht endgültig beschlossen, schon folgt das nächste Großprojekt: Eschweiler-West.

Der Planungsausschuss des Stadtrats diskutierte am Donnerstag ein „Integriertes Handlungs- und Wohnraumversorgungskonzept” für das Stadtviertel zwischen Arbeitsamt, Gutenbergstraße, Hauptbahnhof und St. Marien. Dort sollen sieben Millionen Euro investiert werden, davon sollen 80 Prozent aus Mitteln der Städtebauförderung kommen. Mit einigen kleinen Vorarbeiten könnte schon in diesem Jahr begonnen werden, richtig losgehen soll das Projekt 2016.

„Bedenkliche Situation”

Die Anregung für das städtebauliche Großprojekt kam 2010 von der SPD-Ratsfraktion. Aber schon Jahre vorher hatten Kommunalpolitiker wiederholt auf die „bedenkliche Situation” (Ratsherr Stephan Löhmann) etwa im Viertel Gutenbergstraße hingewiesen. Jetzt besteht die Chance, in das Förderprogramm „Stadtumbau West” zu kommen, vielleicht sogar schon in diesem Jahr.

In Gesprächen mit dem Wirtschaftsministerium des Landes im April dieses Jahres wurde zwar deutlich gesagt, dass „die Stadt Eschweiler in 2013 mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mit zwei neuen Maßnahmen in das Städteerneuerungsprogramm aufgenommen werden kann”. Und die Sanierung der nördlichen Innenstadt hat für Eschweiler höchste Priorität. Dennoch gab das Ministerium der Stadt den guten Rat, für Eschweiler-West einen Förderantrag schon für das Programm 2013 zu stellen. Es kann sein, dass andere Städte ihre Chance nicht nutzen, dann springt Eschweiler ein.

Der Architekt und Stadtplaner Dr.-Ing. Frank Pflüger vom Aachener Planungsbüro Heinz Jahnen Pflüger stellte am Donnerstag in einer Sitzung des Eschweiler Planungsausschusses das „integrierte Handlungskonzept” und das Konzept zur Wohnraumversorgung für den Stadtbereich Eschweiler-West vor. Er zeigte die Chancen, die in diesem „tollen Standort” liegen. Zwar sei Eschweiler-West kein klar abgegrenzter Stadtteil, sondern ein Gebiet, das sich aus unterschiedlich strukturierten, kleinräumigen Siedlungsbereichen zusammensetzt.

Das Image von West sei im Wesentlichen geprägt von negativen Einflüssen aus einzelnen Siedlungsbereichen - tatsächlich habe der Bereich aber eine Fülle von Standortqualitäten: Randlage zur Innenstadt, gute Verkehrsanbindung mit Deutscher Bahn, Euregiobahn und dem nahen Autobahnanschluss, weiterhin die Lage an der Inde, was gute Naherholung möglich macht, und schließlich eine hervorragende Infrastruktur. Das sieht auch die Stadtverwaltung so: das seien „alles Gründe, eine städtebauliche Entwicklung und Erneuerung in Eschweiler-West offensiv voranzutreiben, um das Gebiet zu einem zukunftsfähigen Quartier zu entwickeln” heißt es in der schriftlichen Beratungsvorlage für die Kommunalpolitiker.

Eschweiler-West habe erheblichen Nachholbedarf, versicherte Dr. Pflüger. Da gibt es einen Sanierungs- und Modernisierungsstau. Besonders die energetische Sanierung, also Einsparung von Energiekosten, sei vordringlich. Die Wohnraumversorgung stellte der Stadtplaner in den Vordergrund. Ziel der Planung sei es, Leerstände zu beseitigen, die Wohnqualität zu erhöhen, preiswerten Wohnraum zu sichern und neue Bevölkerungsschichten von Jung bis Alt für diesen Stadtbereich zu gewinnen. Dazu müssen attraktive familiengerechte Wohnformen geschaffen werden, ebenso Wohneinheiten für Ein-Personen-Haushalte. Studentisches Wohnen soll gefördert, Wohnungsangebote für Menschen über 60 geschaffen werden. Geprüft werden soll auch, ob es Möglichkeiten des öffentlich geförderten Wohnungsbaus für altengerechten und barrierefreien Wohnraum gibt.

24 Handlungsschwerpunkte führt das Planungsbüro in seinem Handlungskonzept auf. Das beginnt mit einem Ideenwettbewerb für die Bebauung des brach liegenden Indestadions und geht bis zur Sozialen Stadtteilarbeit. Besonders ausführlich gehen die Planer auf ein Immobilienmanagement ein. Wer in diesem Quartier wohnt und seine Wohnung oder sein Haus zum Beispiel energetisch sanieren möchte, soll kompetente Ansprechpartner finden. „Allen Hauseigentümern sollte eine Beratung zu Sanierungsmaßnahmen und zur Förderfähigkeit von Umbaumaßnahmen angeboten werden” - und zwar kostenlos.

Einstimmiger Beschluss

Dass die Stadt erst ab 2016 richtig einsteigen kann in eine Umgestaltung von Eschweiler-West, liegt daran, dass sich die Stadt im Haushaltssicherungskonzept befindet. Die Vorbereitung könnte aber schon in diesem Jahr anlaufen. Der Ideenwettbewerb für die Bebauung des Geländes Indestadion soll auf jeden Fall bald kommen. Baudezernent Hermann Gödde machte den Zusammenhang deutlich: „Die Förderlandschaft hat sich verändert. Bei Projekten wird nach dem Kontext gefragt.” Da lag für ein Mitglied des Ausschusses der Verdacht nahe, „dass das Ganze nur ein Mäntelchen ist für die Umgestaltung des Indestadions.” Alle Fraktionen versicherten jedoch, sie würden das Projekt positiv begleiten. Konzept und der Antrag auf Fördermittel wurden im Ausschuss einstimmig beschlossen. Wenn der Stadtrat, wie zu erwarten, am 4. Juli zustimmt, kann das Sieben-Millionen-Euro-Projekt starten.

Attraktives Wohnumfeld, Renaturierung und ein Leuchtturmprojekt

Stadtplaner Dr. Frank Pflüger stellte mögliche Verbesserungen vor. Hier einige Vorschläge.

Kirche St. Marien: Die Mittelstraße und der Platz um die Kirche St. Marien sollen umgestaltet werden. Das soll das Wohnumfeld attraktiver machen und den Charakter des Kirchengebäudes in der Straßenachse stärken.

Schwimmhalle Jahnstraße: Der Straßenraum dort wird, so das Programm, barrierefrei umgestaltet, es wird angestrebt, einen attraktiven Übergang von der August-Thyssen-Straße zum Indeufer auszubilden.

Indeufer: Der Wasserverband Eifel-Rur plant weitere Renaturierungen. Das gibt die Chance, Fußwege und Radwege anzulegen und die Indeauen mit kleinen Pfaden besser erreichbar zu machen. „Denkbar ist zum Beispiel ein Fuß- und Radweg, der von der Siedlung Waldschule über Aue, Kupfermühlenkamp, Indeauen und die Uferstraße an den Radweg der Grünmetropole anschließt.”

Schulhoföffnung: Es mangelt an öffentlichen Grünflächen. Deshalb soll ausgelotet werden, ob etwa der Schulhof des Berufskollegs für die Bevölkerung geöffnet werden kann.

Schule Karlstraße: Nicht nur das Gebäude, auch der Schulhof muss modernisiert werden. Es sei zu überlegen, so die Planer, die an der Karl-straße gelegenen und bisher als Parkplätze genutzten Privatgrundstücke in die Schulhofgestaltung mit einzubeziehen.

Hauptbahnhof: Dringend erforderlich ist es nach Ansicht der Stadtplaner, den ruhenden Verkehr zu beseitigen. Am besten, indem die Stadt auf einem Grundstück in der Nähe einen Park&Ride-Platz baut.

Bildungslandschaft: Im Bereich West gibt es bereits viele Schulen, Kindergärten und Bildungseinrichtungen. Das lässt sich weiter entwickeln. Das Gelände der jetzt leer stehenden Eissporthalle böte sich an. Möglich ist auch, das Integrationszentrum der Städteregion, das bisher in Aachen ist, nach Eschweiler zu verlagern. Das könnte zu einem Leuchtturmprojekt für soziale und ethnische Integration werden.

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