Sichtlich gerührt von so viel Nächstenliebe

Von: jlm
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Zahlreiche Gäste waren am Sonntag zum siebten Wohltätigkeitskonzert in die St.-Antonius-Kirche in Röhe gekommen und lauschten den Vortragenden und Musizierenden. Foto: Julia Meuser

Eschweiler. Weihnachten sei eine Zeit, in der Ruhe einkehre und man über vieles nachdenke. Während wir jedoch über die Vorbereitungen auf das Fest, die richtigen Weihnachtskugeln und Ähnliches philosophierten, würden andere Menschen und Völker ums nackte Überleben kämpfen, so Professor Dr. Ludwig Steffens.

Zahlreiche Gäste waren am Sonntag zum siebten Wohltätigkeitskonzert in die St.-Antonius-Kirche in Röhe gekommen und lauschten den Vortragenden und Musizierenden. Der Erlös ging an die Aktion „Kinder in Notstandgebieten“ von Professor Dr. Joachim Steffens vom St.-Antonius-Hospital.

Der Mensch hetze durch sein Leben, sagte Professor Dr. Ludwig Steffens weiter, doch für Jeden komme irgendwann der Tag, an dem er sich die Frage stelle: „Was ist zu tun? Was muss ich tun?“ Zu guter Letzt erzählte er eine Geschichte von einer Frau, die schon lange keine Kirche mehr besucht hatte und die auch gar nicht mehr an Gott glaubte. Kurz vor Weihnachten musste er sie notoperieren und als sie sich bei ihm bedankte, entgegnete er, sie solle ihrem Herrgott und ihrem Schutzengel danken oder doch wenigstens in die Christmette gehen. Jedes Jahr bekomme er nun zu Weihnachten Blumen und eine Karte mit einem Dank für den „Messetipp“. „Ein großartige Geschichte, die zeige, dass man Menschen auch ein wenig zu Gott führen könne“, erzählte der Moderator des Abends, Simon Küpper, Ehrenvorsitzender des Eschweiler Geschichtsvereins.

Wie der Vater, so helfe auch der Sohn seit Jahren nicht nur den Menschen in Eschweiler, sondern Menschen auf der ganzen Welt. „Rettung der Welt“ und „Menschheit erneuern“ seien dabei Kernbotschaften der Weihnacht, so Steffens. Jeder sei aufgefordert, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen und sich nicht zurückzulehnen, während man in der Tagesschau das Elend sehe. Seine Mitarbeiter und er seien bereits seit 15 Jahren „Menschenretterchen“. Schließlich erzählte er eine Geschichte, die auch für ihn erschütternd gewesen sei. Ein Vater eines neunjährigen Mädchens aus Pakistan suchte eine Möglichkeit, seine Tochter operieren zu lassen. Bei einem Kampfgefecht seien ihre Nieren durch Granatsplitter schwer verletzt worden. Dabei werde man dort erst gar nicht operiert, solange man kein Geld habe. Um die Operation zu ermöglichen, bot der Vater die Niere seines gesunden Sohnes an, was Professor Dr. Joachim Steffens erschütterte und aufmerksam machte. Gemeinsam mit einem Friedensdorf aus Oberhausen habe man es vor zwei Wochen geschafft, dass das Mädchen im Januar nach Eschweiler ins St.-Antonius-Hospital kommen kann, um dort operiert zu werden.

Die Gäste, unter ihnen auch Bürgermeister Rudi Bertram, schien dies zum Nachdenken anzuregen. Sichtlich gerührt wich dieser von seiner Rede und dem Programm ab und bedankte sich stattdessen bei den Menschen seiner Stadt. Es sei unglaublich, was viele Menschen in dieser Stadt an Nächstenliebe ausüben würden. Überall würde gespendet und geholfen werden. Dabei würde er oft angerufen und gefragt werden: „Können Sie mir nicht irgendeine Familie nennen, die Hilfe braucht?“

Kantor Franz Surges, zuständig für Konzeption, Orgel und musikalische Gesamtleitung, hatte für diesen Abend ein besonderes Programm auf die Beine gestellt. Aaron Fehr, Sebastian Sterkel und Robert Skambraks begeisterten abwechselnd an der Trompete mit Werken wie „Allegro D-Dur“ von John Stanley, einem Choralspiel „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ von Johan Sebastian Bach, sowie dem zweiten Satz aus dem Concerto D-Dur von Guiseppe Tartini.

Der Frauenchor St. Antonius Röhe, der im nächsten Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiern wird, trug Arrangements wie „Conditor alme siderum (Gott heilger Schöpfer aller Stern)“ und „Hosanna“, einen Kanon von Franz Surges, vor. Außerdem spielte ein Bläserensemble, bestehend aus Aaron Fehr, Sebastian Sterkel und Robert Skambraks (Trompete), sowie Thomas Graaf (Horn) und Robert Sterkel (Posaune) Werke wie „Tochter Zion“ und „es ist ein Ros entsprungen“, sowie die Choralsätze „in dulci jubilo“ und „Kommt herbei“. Bei den Sätzen „Macht hoch die Tür“ und dem Tiroler Adventslied „Ach, wann kommen jene Stunden“, arrangiert von Franz Surges, wurden sie vom Frauenchor begleitet.

Die jüngste Musikerin war Zoé Freitag, neun Jahre jung, die in diesem Jahr bei dem Wettbewerb „Jugend musiziert“ den ersten Platz erreichte. Sie spielte auf ihrer Violine Johann Sebastian Bachs „Ave Maria“.

Jonas Krahl, Schüler der Bischöflichen Liebfrauenschule, begeisterte an seinem Saxophon mit einer Interpretation von Johann Sebastian Bachs „Air“.

Das letzte Solo dieses Abends spielte Barbara Lietz an der Querflöte, nämlich „Adagio und Allegro“ aus der Sonate h-Moll von G.F. Händel. Franz Surges, der alle Musiker an seiner Orgel begleitete, bewies außerdem sein Können in zwei Soli: dem „Praeludium et Fuga C-Dur“ von F.W. Zachow und einer Choralzergliederung des „Conditor alme siderum. „Sohn Gottes, wird neu geboren“, geschrieben 2011 von Franz Surges, wurde von dem Chor und allen Instrumenten gemeinsam vorgetragen, ebenso der Abschluss des Abends „In einer fernen Zeit“ und „Frohe Weihnacht überall“.

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