Sicher über Stock und Stein im Stadtwald

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Unterricht im Wald: Nicht nach
Unterricht im Wald: Nicht nach Baden und Angeln stand den 20 Mountainbike-Sportlern der Sinn, sondern nach Downhill-Technik und sicherem Kurvenfahren. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Auch wenn der Abhang nur wenige Meter tief ist: Wer zum ersten Mal mit dem Mountainbike auf die Kante eines Steilhangs zurollt, hat plötzlich reichlich Adrenalin im Blut.

Um die richtige Mischung aus Mut und Vorsicht ging es immer wieder beim ganztägigen Training mit Raoul Sous und Maarten Durzak vom Verein ESG Radsport Eschweiler. Vor allem aber ging es um die richtige Fahrtechnik und das richtige, nämlich rücksichtsvolle Verhalten im Wald. Auch geübte Amateure konnten am Ende sagen: Da habe ich etwas gelernt. Und das auch noch kostenlos.

11 Uhr, Parkplatz Jägerspfad: 20 Mountainbiker, zwischen 15 und 50 Jahre alt, stehen im Halbkreis um Raoul Sous und hören aufmerksam seinen Erläuterungen zu. Da geht es zuerst um das richtige Einstellen von Bremse und Sattel. Nicht immer passen die Einstellungen, die der Fahrradhändler für richtig hält, zur individuellen Fahrtechnik. Raoul Sous hat über 20 Jahre Erfahrung im Mountainbike-Sport, er fährt Downhill, also Bergab-Rennen, die sich mit einer Ski-Abfahrt vergleichen lassen, Freeride (mit akrobatischen Sprüngen) und Cross Country - diese Art Gelände-Rundstreckenrennen ist inzwischen auch Olympische Sportart. Im Stadtwald geht es nicht olympisch zu, dort stehen Basis-Techniken im Vordergrund.

Viel Körperbeherrschung

Wie viel Fahrtechnik und Körperbeherrschung notwendig ist, um sich auf dem Mountainbike flott durchs Gelände zu bewegen, erfahren die Teilnehmer des Kurses direkt an der ersten Station: „An- und Durchfahren schneller Kurven”. Raoul Sous kann sehr anschaulich erklären, worum es geht: „Hier ist eine Kurve, die erst aussieht, als ob sie nach rechts führt, aber sie macht dann nach links eng zu, dazu Schotter als Untergrund und ein Baum am Ende der Kurve. Ich habe mich in den vergangenen 20 Jahren zweimal verletzt, und jedes Mal genau bei sowas: Kurvenausgang, Baum, patsch. Zu schnell gewesen.”

Damit das den Kurs-Teilnehmern nicht passiert, macht Sous klar, dass man mit dem Fahrrad Kurven anders angehen muss, als man es vom Auto- oder Motorradfahren her gewohnt ist. Gasgeben im Scheitelpunkt der Kurve geht nicht - in Schräglage kann man nicht in die Pedale treten, da setzt das Pedal auf. Also muss man vernünftig anbremsen, sollte auch nie im Grenzbereich in eine unbekannte Kurve gehen. Und dann „bleiben wir in der Kurve meist etwas länger noch außen. Wir setzen den Scheitelpunkt nicht mittig, sondern etwas nach hinten rein. Bleibt also länger außen, zieht dann erst nach innen rein, weil sich das Rad dann früher aufrichtet und man dann früher Zeit hat zu treten.”

Eine Bremsspur auf dem geschotterten Weg zeigt, wie falsch ein unbekannter Radler diese Kurve angegangen ist: Zu schnell, musste dann bremsen, um nicht rausgetragen zu werden. Drastischer Kommentar des Kursleiters: „Fährt man zu schnell in eine Kurve rein, ist der Rest der Kurve - wir sagen immer - verkackt, man kann sich auf einer Downhillstrecke richtig die Zeit versauen. Also besser richtig anbremsen und brenzlige Enge am Kurvenausgang vermeiden.”

Das wird dann geübt. Jeder steuert die Kurve nach seinem Mut und seinem Können an. Zuerst macht Radsportler Maarten Durzak vor, was technisch in einer solchen Kurve möglich ist. Mit beängstigend hohem Tempo kippt er sein Rad weit in die Schräglage, und während der Kies noch spritzt, richtet er das Rad schon wieder auf und tritt weiter. Beifall. In einem solchen Tempo gehen die Radler vernünftigerweise nicht die Übungs-Kurve an, sondern probieren, genau die Ideallinie zu treffen.

Es sind Grundlagen für ein sicheres sportliches Fahren, die Mountainbike-Experte Sous und sein Freund Maarten Durzak vermitteln. Kurventechnik auf schmalen, nassen Wegen kommt als nächstes, dann geht es um die optimale Körperhaltung auf Steilstücken. Viele Teilnehmer des Tageskurses kennen das schon und wissen, wie man sein Körpergewicht nach hinten verlagert. Andere müssen das erst einmal ausprobieren, wie weit man das Gesäß hinter den Sattel bringen kann. Und dann muss man ja auch wieder nach vorn damit...

Um sehr steile Hänge hinunter zu fahren, sollte der Sattel tief genug sein. „Sonst hat man den Sattel am Kinn oder Kehlkopf oder vor dem Brustbein hängen, und das ist nicht angenehm”, erläutert es Sous trocken. Und auch die richtige Balance zwischen Vorder- und Hinterradbremse ist wichtig.

Glatte Baumwurzeln können einen Mountainbiker schneller ins Unterholz rutschen lassen, als er „Oha” sagen kann. „Solche Wurzeln nie in Längstrichtung überfahren”, wird den Teilnehmern klargemacht. Am besten rollt der Reifen in einem Winkel von 90 Grad über das Hindernis. Wichtig ist es, sich beim Fahren den Weg genau anzuschauen und sich sozusagen eine ideale Linie zu suchen.

Tempo durch Gewichtsverlagerung

Dies üben die Teilnehmer dann. Es geht über Stock und Stein, das ist in diesem Fall wörtlich zu nehmen. Wie man das Vorderrad über einen Stein hinweg hebt, wie man sich bei plötzlich auftauchenden Hindernissen wie etwa herabgefallenen Ästen verhält, alles das machen Sous und Durzak vor. Und auch der richtige Einsatz des Körpergewichts wird gezeigt. Bei Bodenwellen kann man als Mountainbiker ganz ohne zu treten Tempo machen, nur durch das Verlagern des Körpergewichts.

Bei der Mittagspause in der Waldgaststätte Killewittchen wird das gerade Geübte noch einmal beredet. Auch das rücksichtsvolle Fahren wird angesprochen: Der Mountainbiker ist im Wald nicht allein, und Wanderwege sind keine Rennstrecken. Zudem wächst dieser Sport, und es kommt immer häufiger vor, dass Mountainbiker Müll hinterlassen oder sich eigenmächtig Strecken schaffen. In der Vergangenheit hat das zu Ärger geführt. Über den neuen Verein „Geländefahrrad Aachen”, der mit der ESG Radsport in ständigem Austausch steht, haben die Eschweiler Aktiven den Kontakt zu Behörden und anderen Waldnutzern gesucht. Sous: „Es ist eine produktive Zusammenarbeit entstanden!”

Abschluss des Tageskurses ist dann am Nachmittag eine „gemütliche Abschlussrunde” von zehn Kilometern über idyllische, aber auch anspruchsvolle Wege durch die Waldgebiete Eschweilers. Da konnten die Teilnehmer in der Praxis anwenden, was sie gerade gelernt hatten. Was sie nicht zu lernen brauchten, war die Freude am Radfahren in der Natur. Die hatten sie alle schon mitgebracht.
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