Selbsttest: Einmal 30 Jahre in die Zukunft und zurück

Von: Tobias Röber
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Aller Ausstieg ist schwer: In
Aller Ausstieg ist schwer: In seinem „Alterssimulationsanzug” kommt Redakteur Tobias Röber nicht mehr wie ein junger Hüpfer aus dem Auto heraus. Foto: Stefan Schaum

Eschweiler. Die letzten Stufen fallen merklich schwer. Schweißperlen laufen mir die Stirn herunter, und ich höre mein eigenes Keuchen. Als 64-Jähriger schaffe ich die Treppe auf die erste Etage des Rathauses nicht mehr ganz so leicht. Von 34 auf 64 Jahre in wenigen Minuten - möglich macht das der Alterssimulationsanzug.

Beim Auftaktforum des Projekts Xenos-Zirqel vor kurzem im Eschweiler Rathaus kam der Anzug bereits zum Einsatz. Hauptziel: Mehr Verständnis für die ältere Generation bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Funktioniert das? Wir haben den Selbsttest gewagt.

Den Anzug hat uns das Ford-Forschungszentrum in Aachen zur Verfügung gestellt. Ungefähr 30 Jahre macht er den Träger älter. Nach einer kurzen Einweisung geht es los. Also nix wie rein ins Auto und zurück in die Indestadt. Aber da geht es schon los. Mal eben so ins Auto hüpfen - Fehlanzeige!

Die Knie kann ich nicht mehr wie gewünscht beugen, der Rücken macht auch nicht so ganz mit. Also Gesäß voran, die Beine hinterher. Künftig schmunzel ich sicher nicht mehr, wenn jemand so in seinen Wagen steigt. Das Aussteigen funktioniert später übrigens auch nicht besser.

Ich fahre los. Und was fehlt? Richtig, der Schulterblick. Den versuche ich auch und muss erkennen, dass das recht problematisch ist. Die üppige Nackenstütze bereitet mir Probleme. Und so geht mir das in 30 Jahren?

Zurück in Eschweiler führt der erste Weg zum Bahnhof an den Fahrkartenautomaten. Den Bahnsteig erreiche ich in Eschweiler problemlos. Zumindest den ersten. Die Tasten am Automaten sind ausreichend groß, nur ein wenig bücken muss ich mich. Und mit der Brille fällt das Sehen schwerer. Im Grunde macht es mich schon nach wenigen Minuten wahnsinnig, dass ich schlechter sehe. Also zurück in die Innenstadt. Vielleicht mit dem Bus? Die eine Stufe ist ok, außerdem kann der Fahrer den Bus ja auch leicht absenken.

Etwas mühselig

Nächster Halt: Supermarkt. Die meisten Geschäfte haben barrierefreien Zugang, ein paar Stufen kann ich (natürlich) auch gut nehmen. Probleme gibt es dann an so manchem Regal. Vor allem weit unten wird es schwierig. Bücken ist wie gesagt etwas mühselig. An der Kasse krame ich nach Kleingeld. Plastikhandschuhe gehören zum Alterssimulationsanzug. Sie simulieren den nachlassenden Tastsinn. Die anderen Handschuhe darüber schränken die Beweglichkeit etwas ein. Ein wenig Mühe bereitet das Geld sammeln schon. Ich verstehe jetzt, warum der eine oder andere Senior beim Bezahlen die Verkäuferin um Hilfe bittet.

Bis zum Rathaus ist es nicht mehr weit. Barrierefrei ist es dort, aber ich nehme dennoch die Stufen in Richtung der ersten Etage, auf der etwa der Bürgermeister sein Büro hat. Der Weg dorthin ist bereits bekannt.

Der Kollege redet indes mit mir. Als er das fünfte Mal ins Leere gequasselt hat, stupst er mich an und redet lauter. Ich lache und denke, dass ich solche Situationen kenne. Dann denke ich kurz an die Ohrstöpsel, die mich ein großes Stück von der Außenwelt abschneiden. Also ist es doch nicht so, dass so manche Großmutter nur das hört, was sie auch möchte.

Fazit: Der Alterssimulationsanzug eignet sich sehr gut, um zu erfahren, wie sich so mancher Ältere fühlt. Verallgemeinern und auf jeden übertragen lässt sich das Erlebte sicher nicht. Es gibt 30-Jährige, die sich um einiges älter fühlen, und genauso gibt es Menschen (weit) jenseits der 50, die fit und noch sehr beweglich sind. Um Verständnis bei so manchem Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu wecken, ist der Alterssimulationsanzug aber auf jeden Fall ein hilfreiches Mittel.
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