Eschweiler - Seelsorgedienst: Ein offenes Ohr in schweren Stunden

Seelsorgedienst: Ein offenes Ohr in schweren Stunden

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
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Jutta Schoenen am Bett einer Patientin: Die 48-Jährige arbeitet ehrenamtlich beim Seelsorgedienst im Krankenhaus. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Leid, Trauer, Schmerz und Krankheit gehören in der Seelsorge im Krankenhaus zum Alltag. Und dennoch gibt es Menschen, die sich auch in ihrer Freizeit damit auseinandersetzen, die Kranken und Trauernden ihr offenes Ohr schenken.

Jutta Schoenen ist eine davon. Seit Oktober gehört sie zum ehrenamtlichen Seelsorgedienst im St.-Antonius-Hospital und verrichtet dort mindestens einmal im Monat ihren Dienst. „Da sein, wenn die Nacht kommt“ lautet das Motto. Jutta Schoenen hat diesen Leitgedanken verinnerlicht. Als einer ihrere Angehörigen starb, spürte sie eine gewisse Hilflosigkeit. Dies hat sie bis heute nicht vergessen. Darum weiß sie auch, wie wichtig es ist, Menschen zu haben, die einem zuhören können. Als das Krankenhaus vor etwas mehr als einem Jahr Ehrenamtler suchte, war sie sofort interessiert und meldete sich für die Fortbildung an.

Persönliche Erfahrungen

In sieben Wochenendmodulen bereitet der Seelsorgedienst am Krankenhaus die Ehrenamtler vor. Eine persönliche Trauererfahrung reicht natürlich nicht, als Seelsorger zu arbeiten. Viele Dinge werden in der Gruppe besprochen. Aber die Praxis ist auch dort nicht zu ersetzen. Deswegen legt der Leiter des Seelsorge-Teams, Pfarrer Christoph Graaf, Wert darauf, früh mit den Ehrenamtlern an die Krankenbetten zu gelangen. So sollen die Interessierten langsam an ihre Aufgabe herangeführt werden. Allerdings schränkt der Geistliche ein: „Die Situationen in den Krankenzimmern sind so vielschichtig wie das Leben. Da kann man nicht auf jede Situation vorbereiten.“ Kommt es zu einer außergewöhnlichen Begegnung, dann gilt der Grundsatz: „Die ehrenamtlichen Seelsorger müssen auch ihre eigenen Grenzen kennen.“

Die Gespräche mit den Betroffenen hinterlassen Spuren. Nicht immer enden die Gedanken daran in dem Moment, wenn das Krankenhausgelände verlassen wird. Jutta Schoenen zieht sich dann in die Kapelle des Hospitals zurück. Manchmal spricht sie auch Zuhause darüber, mit ihrem Mann und ihren Kindern. „Sie unterstützen mich dabei und finden es gut, dass ich mich für andere Menschen einsetze“, sagt sie. Alle sechs Wochen treffen sich alle Mitglieder des Seelsorge-Teams zur Reflexion. Dann wird über die Erlebnisse und Erfahrungen gesprochen. Auch das entlastet. Sollte etwas zu schwer auf dem Herzen liegen, dann stehen Christoph Graaf oder Thomas Kolligs, der ebenfalls hauptamtlich in der Seelsorge am Krankenhaus mitarbeitet, am Telefon bereit.

Die Seelsorge ist ein freiwilliges Angebot für die Patienten oder deren Angehörige und richtet sich grundsätzlich an alle, obwohl sie natürlich christlich motiviert ist. Selbst Menschen anderer Glaubensrichtungen können das Angebot nutzen, allerdings nur begrenzt. Warum? „Ich kann zum Beispiel mit einem Muslimen keine Sure beten“, erläutert Kolligs.

Ein Gebet am Krankenbett oder für einen Verstorbenen ist nicht zwangsläufig. Den Ehrenamtlern stehen zahlreiche Texte zur Verfügung, die sie alleine oder mit den Menschen lesen können. Ein zwangloses Gespräch in einem Wartezimmer kann ebenfalls Druck bei Betroffenen lösen. Oft reicht es, einfach nur bei jemandem zu sitzen, bis er eingeschlafen ist. Auch das haben die Seelsorger im Krankenhaus schon erlebt. Nicht immer werden die Ehrenamtler dazugerufen, manche Begegnungen ergeben sich.

In der Regel beginnt der Dienst am frühen Abend und endet um 8 Uhr morgens. Die ersten Stunden verbringen die Ehrenamtler im Krankenhaus. Nach der Übergabe im Seelsorge-Büro folgt der Rundgang durch die Stationen. „Dadurch lernen auch die Mitarbeiter auf den einzelnen Stationen die Ehrenamtler besser kennen“, sagt Christoph Graaf. Am späteren Abend geht es nach Hause – das Telefon bleibt allerdings in Hörweite. Auch in der Nacht kann es zu einem Notfall kommen, bei der die Seelsorge benötigt wird. Maximal zwei Mal im Monat ist Jutta Schoenen an der Reihe. Warum sie das macht? „Es ist schön, jemandem zu helfen, ohne auf die Uhr gucken zu müssen“, sagt sie.

Am morgigen Mittwoch findet die zweite Beauftragungsfeier in der Hospital-Kapelle statt. Danach ist die Zahl der Ehrenamtler auf 20 angewachsen. Weitere Helfer werden gesucht. Wer ebenfalls Interesse hat und mehr Informationen benötigt, kann sich an Christoph Graaf unter Telefon 761180 wenden.

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