Eschweiler - Seelsorge: Manchmal hilft es, einfach nur da zu sein

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Seelsorge: Manchmal hilft es, einfach nur da zu sein

Von: Tobias Röber
Letzte Aktualisierung:
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Gebete, Gespräche oder einfach nur warten, bis der Patient eingeschlafen ist: Die ehrenamtlichen Seelsorger helfen jede Nacht im St.-Antonius-Hospital. Foto: stock/epd

Eschweiler. „Kein Sterbender oder Angehöriger darf alleine sein“, sagt Jutta Schoenen. Sie fügt jedoch hinzu: „Außer er möchte es!“ Die Indestädterin ist ehrenamtliche Seelsorgerin am St.-Antonius-Hospital, eine von 20, die derzeit Bereitschaftsdienst in der Nacht leisten. Weitere Freiwillige sind willkommen. Nach den Sommerferien beginnt die nächste Ausbildung.

Im Jahr 2011 war absehbar, dass es nicht mehr genügend Priester gibt, die diesen Dienst übernehmen. Das Eschweiler Krankenhaus war somit auf Ehrenamtler angewiesen, und dem ersten Aufruf folgten gleich einige. Zwei Ausbildungsreihen gab es bislang, 16 Frauen und vier Männer leisten die Nachtbereitschaft. Das Ziel der Seelsorge ist jedoch, für jede Nacht eines Monats jemanden zu finden. Sprich: Mindestens 31 Seelsorger sollen nach Möglichkeit her. Derzeit gibt es Ehrenamtler, die zweimal im Monat Nachtbereitschaft haben.

Das „Eschweiler Modell“, wie Pfarrer Christoph Graaff, Leiter des Seelsorgeteams, es nennt, ist ökumenisch angelegt. „Das ist uns sehr wichtig“, betont auch die evangelische Pfarrerin Ulrike Sommer. Es ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Eine, die längst nicht jeder bewältigen kann.

„Unsere Freiwilligen treffen auf Menschen in besonderen Situationen“, sagt Thomas Kolligs, der hauptamtlich in der Seelsorge des St.-Antonius-Hospitals tätig ist. „Wir nehmen daher auch nicht jeden“, ergänzt er. Zunächst gibt es einen Kennenlerntag, besteht dann noch von beiden Seiten Interesse, kann mit der Ausbildung gestartet werden.

„Ein Geben und Nehmen“

Alle, die diese komplett absolviert haben, sind jetzt noch aktiv. „Es ist ein Geben und Nehmen“, sagt Christoph Graaff. Den Patienten werde geholfen, und auch für den persönlichen Werdegang der Ehrenamtler sei es eine große Bereicherung. Das hätten alle 20 Freiwilligen bisher stets bestätigt. Mehr noch: „Es haben sich einige Freundschaften entwickelt“, sagt Thomas Kolligs. Ulrike Sommer ergänzt zur Ausbildung: „Sie ist sehr praxisorientiert. Es geschieht alles miteinander in der Gruppe.“

„Nach der Ausbildung werden die Ehrenamtler natürlich weiter begleitet“, erklärt Christoph Graaff. So steht es jedem frei, sich nach einem Nachtdienst bei der Seelsorge zu melden. Zudem gibt es auch immer wieder Neues, das so in der Ausbildung noch nicht thematisiert wurde, weil es eben nicht absehbar war. Grenzen und Aufgaben müssen daher klar beschrieben sein.

Was genau machen die Ehrenamtler? Meistens bittet die Nachtschwester die Freiwilligen, bei einem Patienten vorbeizuschauen. Manchmal reicht es einfach, nur dort zu sitzen und zuzuhören oder zu warten, bis der jeweilige eingeschlafen ist. Einen Gottesbezug sollte jeder haben, der Nachtschichten übernimmt, schließlich muss mitunter auch der Sterbesegen gespendet werden.

Jutta Schoenen fühlt sich von der Seelsorge des Krankenhauses gut begleitet. Sie könne mit den Situationen professionell umgehen. Dennoch bleibe es nicht aus, dass man die Erlebnisse mit nach Hause nehme. So erinnert sich Jutta Schoenen an einen noch sehr jungen Mann, der gestorben sei. Das hinterlasse Spuren.

Der Dienst beginnt um 20 Uhr im Krankenhaus und dauert bis 8 Uhr am nächsten Morgen. Ob die Ehrenamtler die gesamte Nacht im Hospital verbringen, ist ihnen überlassen. Sie müssen in jedem Fall die ganze Zeit erreichbar sein.

Neben dem ESBN (Ehrenamtlicher Seelsorge-Bereitschaftsdienst in der Nacht) werden weitere Freiwillige für die ehrenamtliche Patientenhilfe in der Onkologie gesucht. Zwei Frauen sind derzeit im Dienst. Für diese ebenfalls sehr verantwortungsvolle Aufgabe dürfen sich auch gerne Menschen etwa muslimischen Glaubens melden.

Da sich die Anforderungen verändern, wurde auch an der Ausbildung geschraubt. Es gibt sieben Module (jeweils Freitagnachmittag bis Samstagnachmittag). Die ersten fünf absolvieren die beiden oben genannten Gruppen gemeinsam, für die ESBN-Leute gibt es zwei weitere Module.

Wer sich für die Arbeit als ehrenamtlicher Seelsorger interessiert, kann sich im Krankenhaus unter Telefon 761180 melden. Am Samstag, 14. Juni, 10 Uhr, gibt es den nächsten Kennenlern- und Auswahltag, für den man sich auch anmelden muss. Die kostenfreie Ausbildung beginnt dann nach den Sommerferien.

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