Eschweiler - Schwarzer Peter treibt Hospitäler in Schieflage

Schwarzer Peter treibt Hospitäler in Schieflage

Von: Von Friedhelm-Bückendorf
Letzte Aktualisierung:

Eschweiler. Der politische Streit um die Finanzierung des Gesundheitssystems werde auf dem Rücken der Krankenhaus-Mitarbeiter ausgetragen. Notwendig sei stattdessen eine bessere Finanzierung der Krankenhäuser.

Diese beiden Thesen standen im Mittelpunkt der Ansprache, die Elmar Wagenbach, der Geschäftsführende Vorstand des St.-Antonius-Hospitals, am Mittwoch beim Neujahrsempfang des Krankenhauses an die Gäste richtete.

Als Wagenbach ausholte: „Ich möchte die Gelegenheit nutzen, im Wahljahr 2013...“ gab es amüsiertes Lächeln bei den Landtags- und Bundestagsabgeordneten in den vorderen Reihen des Saales. Der Krankenhaus-Chef konterte sofort: „Ja, Herr Wirtz, hören Sie gut zu!“ Was der angesprochene Abgeordnete des NRW-Landtags zu hören bekam, war der Appell an die Politiker, sich für einen „fairen, respektvollen Umgang mit uns und unseren Mitarbeitern“ einzusetzen“.

Und dazu gehöre auch „eine ausreichende Finanzierung unserer Leistungen und damit der Gehälter unserer Mitarbeiter.“ Es müsse, so Wagenbach, Schluss sein mit dem „ständigen Schwarze-Peter-Spiel zwischen Landesregierung und Bundesregierung“ bei der Frage, wer denn nun tatsächlich zu wenig Geld ins Gesundheitssystem stecke. „Ich appelliere an die Damen und Herren der Politik und an die Vertreter der Kostenträger: sorgen Sie für eine ausreichende Finanzierung, um die sehr gute Versorgung in deutschen Krankenhäusern nicht dauerhaft zu gefährden!“

Den Hintergrund dieses Appells hatte Wagenbach zuvor mit Zahlen dokumentiert. Seit 2000 sei die Obergrenze für die Krankenhausbudgets um rund elf Prozent angehoben worden, doch die Kosten seien im gleichen Zeitraum um 24 Prozent gestiegen – die jüngsten Tariferhöhungen noch gar nicht eingerechnet. Dadurch habe sich die wirtschaftliche Lage der deutschen Krankenhäuser verschlechtert – 15 Prozent der Häuser, so zitierte Wagenbach den Krankenhaus-Ratingreport 2012, seien von Insolvenz bedroht, besonders die kleinen Häuser mit unter 250 Betten.

Durch diese „systemische Schieflage“ seien die Krankenhäuser gezwungen, entweder jedes Jahr die Fallzahlen um zwei Prozent zu erhöhen, oder zwei Prozent des Personals abzubauen. Wagenbach: „Dass wir nicht zu den Krankenhäusern gehören, die sich in einer wirtschaftlichen Schieflage befinden, haben wir ausschließlich unseren engagierten Mitarbeitern zu verdanken.“

Es sei „mehr als grotesk“, dass die Krankenhäuser noch 2012 einen Sonderfinanzierungsbeitrag zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung leisten mussten, während diese Krankenversicherung plus Gesundheitsfond bereits eine Finanzreserve von 25 Milliarden Euro habe. Anstatt die Patienten-Zuzahlung von 10 Euro pro Quartal zu streichen, hätte man dieses Geld – rund zwei Milliarden Euro im Jahr – besser „sachgerecht umgeleitet“. Den „pauschalen Vorwurf“, in deutschen Krankenhäusern würde zu oft und zu viel operiert, wertete Wagenbach als „bewusstes Ablenkungsmanöver“.

Zur Lage des Eschweiler Krankenhauses selber fasste sich der geschäftsführende Vorstand deutlich kürzer, allerdings hatte er hier auch nichts Dramatisches, sondern fast nur Erfreuliches zu berichten: „Wir haben weiter in das Hospital investiert und werden dies auch in Zukunft tun.“ Das Haus sei in verschiedenen Bereichen zertifiziert worden – Wagenbach nannte als Beispiele das Brustzentrum, das Prostata-Karzinon-Zentrum, das Gefäßzentrum und das Traumanetzwerk – und man habe im Landesvergleich jeweils vordere Plätze belegt. Von fast allen Krankenkassen, die Qualitätsauswertungen durchführen, wurde das Eschweiler Krankenhaus für „hervorragende medizinische Qualität“ ausgezeichnet. Und auch die Patienten, deren Zahl im vorigen Jahr weiter angestiegen ist, beurteilten das Hospital hervorragend, „obwohl die objektive Belastung unserer Mitarbeiter kontinuierlich gestiegen ist und daher immer weniger Zeit bleibt, sich individuell mit dem Patienten zu besch äftigen.“

Der Dank an die Mitarbeiter und die Würdigung ihres Einsatzes war auch der Kern der Ansprache, die Pfarrer Dr. Andreas Frick als Vorsitzender des Kuratoriums des St.-Antonius-Hospitals hielt: „Unser Haus ist leistungsstark und nah am Menschen. Und das trotz des ungeheuren Drucks, den wir als Trägervertreter und viele der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erleben.“ Sein Fazit: „Wir haben viel geschafft, weil sehr viele mit hohem Engagement ihren Beitrag dazu leisten.“

Dr. Frick kündigte personelle Änderungen im Kuratorium an, das sich alle drei Jahre neu konstituiert: „Wir werden Professor Dr. Jürgen Pick und Herrn Manfred Esser zeitgleich mit der absehbaren Chefarzt-Veränderung in der Traumatologie und Unfallchirurgie am 10. April in einem feierlichen Rahmen verabschieden.“ Das neue Kuratorium und zwei neue Chefärzte werde man dann öffentlich vorstellen.

Mit Witz zum Erfolg

Der Narr sagt die Wahrheit – die alte Volksweisheit könnte Motto des „Ermutigers und Überlebensberaters“ Johannes Warth sein. Sein anderthalbstündiger Motivationsvortrag „Sieben Schritte zum Erfolg“, der im Zentrum des Neujahresempfangs stand, hatte Kabarett-Qualität. Die Besucher des Empfangs hielt es vor Lachen kaum auf den Stühlen. Und dabei vermittelte Warth nicht nur Tipps für Firmenmitarbeiter zum „Überleben im 21. Jahrhundert“, sondern zwischendurch auch Lebenseinsichten und -ansichten von fast philosophischer Tiefe.

Etwa, wenn er gleich am Anfang klar machte, dass „Erfolg“ nicht mit finanziellem Erfolg gleich gesetzt werden dürfe: „Jesus war nicht erfolgreich, aus monetärer Sicht. Das Wort Profit stand nicht auf seiner Liste.“ Warth machte vor allem deutlich, wie wichtig für den Erfolg eine gelingende Kommunikation ist, im Privatleben, im Beruf, aber auch für ganze Unternehmen und Branchen. Immer wieder machte er sensibel für die Nu ancen der Sprache. Es reiche nicht, jemanden zuzuhören: „Was glauben Sie, wie oft ich schon erlebt habe, dass Menschen zu-hören. Das heißt doch: Ich bin zu und höre trotzdem! Nein! Ein ganz wichtiger Faktor für den Erfolg ist das Hin-Hören und Hin-Wenden!“ Und ein positiver Blick auf die Welt.

Wenn man schon morgens aufstehe mit dem Gefühl „o weh, das wird ein schwieriger Tag...“ Hingegen der Oberschwabe (Johannes Warth lässt keinen Zweifel daran, dass er zu diesem Volksstamm gehört) – der Oberschwabe gehe morgens aus dem Haus mit einem frohen Blick nach oben und dem jubelnden Ausruf: „Mensch! Es regnet kaum!“

Auf diese unterhaltsame und einprägsame Art vermittelte Warth seine Botschaften, wie „Seien Sie authentisch, denn nur das Echte hat Bestand“ oder „Seien Sie frohlockend, denn wer gut drauf ist, kann gut lachen!“ Da schreckte er auch vor Drastik nicht zurück: „Wenn Sie morgens früh aus dem Badezimmer treten – treten! nicht schlappen! – dann bitte in Zukunft mit dem Satz auf der Lippe: Das Beste, was den Menschen heute begegnen kann, bin ich!“ Kleine Pause, bis das Gelächter abgeebbt war, dann: „Wenn es nicht so ist – bitte bleiben Sie im Badezimmer!“

Für den anschaulichen und witzigen Vortrag bedankte sich einer, der als gebürtiger Schwabe den Vortrag des Oberschwaben doppelt genossen hatte: der stellvertretende Ärztliche Direktor Dr. Eberhardt Schneider. Dr. Schneider bedankte sich auch bei Hans-Peter Schüller und dessen Tochter Franziska, die den Neujahrsempfang musikalisch umrahmt und mitgestaltet hatten.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert