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Schutz vor Trickbetrügern: Seniorin warnt Senioren

Von: Christina Handschuhmacher
Letzte Aktualisierung:
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Gesundes Misstrauen schützt: Denn hinter freundlichen Angeboten – „Lassen Sie mich doch ihre schwere Einkaufstasche tragen!“ – verbergen sich oft Betrugsmaschen. Symbolbild: dpa.
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Setzt sich als ehrenamtliche Seniorenberaterin ein: Christel Weser. Foto: Handschuhmacher

Eschweiler. Ein Geburtstagsgratulant, denkt Irma Wiegand (Name von der Redaktion geändert), als ihr Telefon klingelt. Heute ist ihr 85. Geburtstag. Irma Wiegand hebt ab. Am Telefon ist ihr Neffe Jörg. Aber an ihren Geburtstag denkt er gar nicht.

 „Ich will mir ein neues Auto kaufen und habe eben ein Sonderangebot für 12.000 Euro gesehen“, sagt er. „Ich brauche unbedingt das Geld, nur heute gilt dieses Angebot.“ Eindringlich redet der Mann am Telefon auf Irma Wiegand ein. Seine Stimme klingt fremd, doch Irma Wiegand schöpft keinen Verdacht.

Die alte Frau zieht ihre Jacke an und macht sich auf den Weg zur Bank. Sie will helfen. Wenn Jörg doch das Geld dringend braucht, denkt sie. Er wird es mir schon zurückzahlen. „Wofür brauchen Sie denn soviel Bargeld?“, fragt der Bankangestellte. „Mein Neffe hat mich eben angerufen; ich muss ihm dringend Geld leihen“, sagt die 85-Jährige. Der Bankangestellte schaut verwundert; das Geld gibt er Irma Wiegand trotzdem kommentarlos mit.

Ein paar Stunden später klingelt es an der Wohnungstür. Eine fremde Frau steht draußen. Sie stellt sich als Besitzerin des Autohauses vor und will das Geld für den Wagen mitnehmen. Noch immer schöpft Irma Wiegand keinen Verdacht. In einem großen Umschlag gibt sie der Fremden die 12 000 Euro mit. Kurze Zeit später meldet sich ihr Neffe. Von einem Autokauf weiß er nichts. Wiegands Familie informiert die Polizei. Doch das Geld ist weg – und mit dem Geld auch Irma Wiegands Vertrauen in das Gute im Menschen.

Fälle wie der von Irma Wiegand passieren nahezu täglich in Deutschland. In der Städteregion Aachen registrierte die Polizei für das vergangenen Jahr 431 Fälle, in denen Senioren Opfer verschiedener Betrügereien wurden, im Jahr zuvor waren es lediglich 200 Delikte, im Jahr 2010 nur 100. Damit immer weniger Senioren auf den sogenannten Enkeltrick und andere Betrügereien hereinfallen, engagiert sich Christel Weser. Die Weisweilerin ist als ehrenamtliche Seniorenberaterin für das Kriminalkommissariat 44 Kriminalprävention/Opferschutz der Polizei Aachen tätig. Die ehrenamtlichen Seniorenberater treffen sich vier Mal pro Jahr mit den Verantwortlichen des Polizeipräsidiums. Sie werden vorab geschult und erhalten immer wieder Fortbildungen.

Persönliche Erfahrungen haben sie dazu bewegt, dieses Ehrenamt anzutreten: Irma Wiegand war die Tante von Christel Weser. „Das, was meiner Tante im Jahr 2004 passiert ist, soll anderen Menschen möglichst erspart bleiben“, sagt Christel Weser.

Deshalb spricht die 60-Jährige regelmäßig vor Seniorengruppen über das Thema Sicherheit – wie etwa am Donnerstag bei der Frauenhilfe Weisweiler. Dabei geht es nicht nur um den Enkeltrick, sondern auch um Trickdiebstahl, Kaffeefahrten und Handtaschenraub. Ein Kurzfilm zeigt den Mitgliedern der Frauenhilfe, wie schnell es gehen kann: Im Gedränge auf der Rolltreppe wird das Portemonnaie aus der Tasche gezogen. Im Gartencenter kauft eine Frau Blumen und hat ihre Handtasche neben sich abgestellt – schon hat der Dieb zugeschlagen.

Die Tipps, die Weser für die Seniorinnen bereit hält, reichen von allgemeinen Empfehlungen – „Tragen Sie das Portemonnaie in einer Innentasche Ihrer Jacke“, „Legen Sie die Handtasche nicht in den Einkaufswagen“ – bis hin zu Tipps, wie Diebe und Trickbetrüger vorgehen. „Wenn Sie jemand anrempelt, Ihre schwere Einkaufstasche nach Hause tragen will oder ihnen einen Stadtplan vorhält – seien sie misstrauisch!“

Der neueste Trend, weiß Weser, sind sogenannte Schockanrufe. Oft werden insbesondere aus Osteuropa stammende Menschen damit konfrontiert. In ihrer Landessprache wird ihnen dann zum Beispiel erzählt, dass ihr Sohn ein Kind angefahren habe und nun dringend Geld für eine notwendige OP benötigt werde, um das Leben dieses Kindes zu retten.

 

Laut der bundesweiten Kriminalitätsstatistik fallen Senioren verhältnismäßig selten Verbrechen zum Opfer. Aber wenn älteren Menschen etwas passiert, dann nimmt sie das besonders schwer mit, weiß Christel Weser.

„Meine Tante hat sich damals furchtbar geschämt, dass sie auf diese Masche reingefallen ist“, erinnert sich die Weisweilerin. „Und sie hat sich nie mehr so richtig von diesem Erlebnis erholt.“ Christel Weser hofft nun, dass sie mit ihrer Arbeit, andere Menschen aufklären kann.

 

„Bei uns melden sich vermehrt Leute, die einen Enkeltrick-Anruf erhalten haben, aber nicht darauf reingefallen sind und das nun melden wollen“, sagt Sandra Schmitz, Pressesprecherin der Polizei Aachen.

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