Eschweiler - Schulzeit ohne Klassenfahrten? Undenkbar!

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Schulzeit ohne Klassenfahrten? Undenkbar!

Von: Doris Kinkel-Schlachter
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Klassenfahrt! Davon reden Teilnehmer oft noch nach Jahrzehnten. Jetzt herrscht aus finanziellen Gründen vielerorts Unsicherheit, ob Klassenfahrten künftig überhaupt noch stattfinden können. Foto: imago/Strussfoto

Eschweiler. Schulzeit: eine Zeit mit Höhen und Tiefen. Viele machen drei Kreuze, dass sie nicht mehr die Schulbank drücken müssen, andere sehnen vielleicht die doch ein Stück weit sorgenfreie Zeit zurück. Was aber sicherlich jedem mindestens ein Lächeln aufs Gesicht zaubert, ist die Erinnerung an die Klassenfahrten.

Sei es die erste große Fahrt ohne Eltern in der sechsten Klasse oder die Abschlussfahrt mit abenteuerlichen Erlebnissen. Und genau diese Erfahrungen sollen den heutigen Schülern genommen werden? Zumindest ist die Abwicklung von Klassenfahrten, so wie wir sie bislang kennen, in Gefahr.

Nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts müssen Schulen nämlich künftig die Kosten der Lehrer bei einer Klassenfahrt tragen. Die Richter sind zu dem Schluss gekommen, dass es sich schließlich um eine Dienstfahrt handele. Doch dafür haben die Schulen kein Geld. Vielen Klassenfahrten droht nun das Aus, da die Finanzierung nicht mehr gesichert ist.

In der Vergangenheit war es so, dass Lehrer, die die Jugendlichen auf Klassenfahrten begleiteten, einen Großteil der Reisekosten aus der eigenen Tasche gezahlt haben und dafür sogar im Vorfeld eine Verzichtserklärung auf Erstattung der Reisekosten unterschrieben hatten. Dass das nicht mehr sein darf, dafür haben Eschweilers Schulleiter Verständnis, „die Kollegen bekommen die Kosten erstattet, da haben sie auch lange genug drum gerungen“, erklärt zum Beispiel Joachim Herzog von der Gesamtschule Waldschule.

Auf der anderen Seite hat die Landesregierung jedoch den Etat für die Schulen bislang nicht erhöht. Das wäre aber nötig, um die Kosten für das begleitende Lehrpersonal zu erstatten. Nun befürchten auch viele Indestädter Lehrer, Schüler und Eltern, dass ein Großteil der Fahrten an Haupt- und Realschule, Gesamtschule und Gymnasien ausfallen muss.

„Es kann nicht angehen, dass Schulen jetzt ihre sorgfältig pädagogisch ausgewogenen Fahrtenprogramme zusammenstreichen und auch beispielsweise wegen des Zeitpunkts der Genehmigung einer Klassenfahrt die eine Klasse fahren darf, die Parallelklasse jedoch nicht“, betont Michaela Silbernagel. Es gehört auch zum Vertrauensschutz gegenüber den Schülerinnen und Schülern, die sich jahrelang auf eine Abschlussfahrt freuen, diese jetzt nicht in der Ungewissheit zu lassen, sagt die Leiterin der Realschule Patternhof. In diesen Wochen würden unter anderem auch die Vorbereitungen für 2014 vorgenommen. Zudem könnten auch Sprach- und Austauschprogramme an Schulen gefährdet sein.

Die Unsicherheit ist groß, und doch möchte die Schule ihre Schüler nicht im Regen stehen lassen, „Klassenfahrten gehören zum Leben eines Schülers dazu“, so Silbernagel. Ihrer Meinung nach, und damit steht sie nicht allein, gehört es zum pädagogischen Alltag, dass man Klassenfahrten unternimmt und auch, „dass man die Schule öffnet, zum Beispiel im Rahmen von ganztägigen Schulveranstaltungen“. Wenn nun gerichtlich festgestellt worden sei, dass die Kollegen dabei Anspruch auf Erstattung der Reisekosten haben, „dann ist das Land in der Verpflichtung, dem nachzukommen“, ist Michaela Silbernagel der Überzeugung, dass das Land nun nachzuarbeiten hat, damit die Schule weiter ihrem pädagogischen Auftrag nachkommen kann.

„Diese Regelung ist zunächst ein Moratorium, dass der Haushalt nicht überstrapaziert wird“, sagt Joachim Herzog. An „seiner“ Waldschule sei natürlich ebenfalls intensiv diskutiert worden über das Thema Klassenfahrten, „und jetzt sind wir in Wartestellung“, verweist der Schulleiter auf die Richtlinien, die das Ministerium der Schule noch vorzulegen habe. Zuletzt erhielt die Gesamtschule einen Zuschuss in Höhe von etwa 2400 Euro pro Jahr für Klassenfahrten. Alle Fahrten, die aktuell geplant sind an der Waldschule, seien auch genehmigt. In der sechsten Klasse stehen Fahrten an, ebenso fürs kommende Schuljahr in der Oberstufe, „und die machen wir auch“, so Herzog. Fahrten, die die Schule „sicherlich ungern abgesagt hätte, aber die Sorge haben wir jetzt nicht“. Was die Zukunft betrifft, hält sich die Unruhe in Grenzen, denn Joachim Herzog ist sicher, dass das Ministerium eine längerfristige Regelung ausarbeitet: „Es ist an einer Neukonzeption der Wanderrichtlinien dran.“

Schweigen am Gymnasium

Aus der Diskussion heraushalten möchte sich Dr. Friedhelm Mersch. Der Leiter des Städtischen Gymnasiums sieht keine großen Probleme auf seine Schule zukommen, möchte darüber hinaus aber keine Stellungnahme zu dem Thema abgeben.

Ob an der Bischöflichen Liebfrauenschule künftig Klassenfahrten abgesagt werden müssen, beantwortet deren Leiter Dr. Manfred Meier so: „Wenn der Etat nicht erhöht wird, dann stellt sich diese Frage ganz konkret!“ Dann müsse darüber nachgedacht werden, ob Fahrten an Anzahl und Dauer reduziert werden müssen. „Ich weiß aber noch nichts Konkretes und muss noch abwarten, was vom Land beziehungsweise vom Schulträger – das ist in unserem Fall ja das Bistum Aachen – noch kommt“, sagt Meier. Das Angebot am Gymnasium ist groß, es ist vierzügig, und pro Stufe wird jeweils eine Fahrt unternommen. „Und dann kommt bei uns ja noch einiges dazu, zum Beispiel Besinnungsfahrten“, erläutert der Schulleiter. Auf seiner Hausaufgabenliste stehe nun an oberster Stelle mit dem Schulträger zu sprechen.

Wenn Volker Siemons über Klassenfahrten nachdenkt, treibt es dem Konrektor der Gemeinschaftshauptschule Dürwiß die Sorgenfalten auf die Stirn. Hätte er die anstehende Abschlussfahrt – zwei Lehrer wollen mit den Schülern nach Ostern nach Rimini – bereits im Dezember 2012 oder davor gebucht, stände dem „dolce far niente“ in Bella Italia nichts im Wege.

Hat er aber nicht, und jetzt weiß Siemons nicht, ob die Fahrt genehmigt wird. „Ich kann das ja nicht selbst genehmigen, im schlimmsten Fall würde ich dann ja mit meinem privaten Vermögen haften, wenn das Geld nicht ausreicht.“ Und davon muss er ausgehen, sind für die Schule, die zum 31. Juli ausläuft, letztes Jahr gerade mal knapp 200 Euro erstattet worden. Kein Wunder bei nur noch 54 Schülern. Aber auch die haben ein Recht auf das „Highlight eines Schullebens, auf Zusammengehörigkeit und Gruppengefühl“, so Siemons. An der Schule sei man dennoch guter Dinge, dass die Fahrt unternommen werden kann, „aber wenn das Schulamt ‚Nein‘ sagt, muss ich stornieren, was bleibt mir anderes übrig“.

Budget hat stets gereicht

Etwas anders sieht Birgit Schultes-Zartmann das Ganze. „Die Lehrer waren zu lange zu friedlich. Mich wundert es, dass das so lange gedauert hat“, sagt die Schulleiterin der Gemeinschaftshauptschule Stadtmitte mit Hinblick auf das in ihren Augen längst überfällige Urteil. Es sei normal, Dienstfahrten erstattet zu bekommen, und eine Klassenfahrt sei letztlich nichts anderes. Streichungen an ihrer Schule? „Wir sind eine relativ kleine Schule, bisher hat das Geld gereicht, und ich glaube auch nicht, dass es künftig Probleme geben wird“, sagt die Schulleiterin. Die Achtklässler seien zurzeit in der Nähe von Bonn, die Zehner fahren in der Regel nach Berlin oder an die Nordsee, die „Kleinen“ in die Eifel, „bei uns gibt es keine großen Fahrten ins Ausland, und deswegen hat das Budget – letztes Jahr waren es um die 900 Euro – eigentlich immer gereicht“, sagt sie.

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