Eschweiler - Schulschwänzer: Nach 90 Fehlstunden kommt die Polizei

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Schulschwänzer: Nach 90 Fehlstunden kommt die Polizei

Von: Andreas Gabbert und Patrick Nowicki
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Keine Lust auf Schule: 2,88 Pr
Keine Lust auf Schule: 2,88 Prozent der Eschweiler Schüler fehlen unentschuldigt über 25 Stunden und gelten damit als „Schulverweigerer”. Foto: Imago/Emil Umdorf

Eschweiler. Die Sonne scheint, die Temperaturen steigen - wer kann da nicht verstehen, dass der Weg ins Freibad naheliegender ist als die Fahrt zur Schule? Doch, was vor Jahren noch als „Streich” abgetan wurde, ruft heute die Behörden immer häufiger auf den Plan: Schulabsentismus oder, wie man eigentlich sagt, Schuleschwänzen.

In Eschweiler beträgt die Quote der Schüler, die ständig keine Lust auf Schule haben, insgesamt 2,88 Prozent. Diese Jugendlichen weisen über 25 unentschuldigte Fehlstunden pro Halbjahr auf. Blickt man nur auf die weiterführenden Schulen, so wächst diese Zahl auf 3,78 Prozent.

Das Jugendamt startete in den vergangenen Wochen eine Umfrage bei den Eschweiler Schulen, nachdem die UWG einen Antrag gestellt hatte. Von 13 Schulen liegen die Zahlen inzwischen vor. Zwar schritt die Behörde immer wieder ein, wenn ein Schüler zu lange dem Unterricht fernblieb, aber eine belastbare Statistik gibt es nicht. Auch eine klare Vorgabe, wie mit den Schulschwänzern zu verfahren ist, besteht nicht. Das hat in den Augen des Jugendamtes auch gute Gründe: „Jeder Fall hat andere Hintergründe, das Thema ist so vielfältig, dass wir nicht in Schubladen denken können”, betont Stefan Pietsch, Abteilungsleiter Soziale Dienste beim Jugendamt Eschweiler. Die Behörde wird dann eingeschaltet, wenn die Schule über einen Schulschwänzer informiert.

Wann dies geschieht, regelt jede Schule selbst. In der Dürwisser Hauptschule wenden die Lehrer ein mehrstufiges System an: Wer 18 Stunden unentschuldigt gefehlt hat, erhält die erste Mahnung. „Dann werden die Erziehungsberechtigten informiert und zu einem Gespräch gebeten”, erläutert der stellvertretende Schulleiter Volker Siemons.
Parallel erfolgt ein Schreiben an das Jugendamt.

Sollte dies nicht fruchten und sich jeweils weitere 36 Fehlstunden anschließen, folgen die zweite und dritte Mahnung an die Erziehungsberechtigten mit Kopie ans Rathaus. Führt dies alles nicht zu einer Besserung, dann schreitet das Schulamt ein. „Ich bin seit vier Jahren an der Schule, und in zwei, drei Fällen kam es in dieser Zeit dazu, dass die Schüler mit dem Ordnungsamt und der Polizei abgeholt werden mussten”, berichtet er.

Dass Schüler keine Lust auf Unterricht verspüren, hat für Siemons auch etwas mit der gesellschaftlichen Entwicklung zu tun: „Wir sind für die meisten Schüler doch schon ein Mama- und Papa-Ersatz.” Es sei schon vorgekommen, dass Eltern Schreiben der Schule nicht gegenzeichnen konnten, weil die Kinder ihren Vater und ihre Mutter den ganzen Tag über nicht zu Gesicht bekommen hätten. Zur Unlust der Schüler komme dann auch oft Unverständnis der Eltern: „Viele Eltern gehen davon aus, dass die Schule auch deren Erziehungsauftrag übernehmen soll - das können wir aber gar nicht leisten”, kritisiert Volker Siemons. Die Situation in einer Hauptschule stelle sich natürlich anders dar als im Gymnasium.

Das bestätigt indirekt auch Stefan Pietsch vom Jugendamt: „Es gibt Problem-Familien, wo das Schulschwänzen sogar von Erziehungsberechtigten unterstützt wird.” Dann geht der Weg am Ende nur über das Portmonnee, es folgt also ein Bußgeld (siehe unten). Zudem greift in diesen Fällen ein Netzwerk von Hilfsangeboten, das oft schon bei den Schulsozialarbeitern beginnt.

Was nämlich zur Schulverweigerung führte, kann unterschiedlich sein. Pietsch nennt einige Beispiele: „Falsche Bekannte, die Eltern sind überfordert, eine berufstätige alleinerziehende Mutter kann es nicht kontrollieren und noch vieles mehr.” Dass die Schule unbedingt besucht werden muss, daran gibt es allerdings nie etwas zu rütteln.
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