Schuldnerberatung steckt in der Klemme

Von: Andreas Röchter
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Nach wie vor klingeln zahlreiche Hilfesuchende an der Tür der Schuldnerberatung des SkF. Doch seit Jahresbeginn kann nicht mehr jedem geöffnet werden. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Seit rund zwei Jahrzehnten gehört die Schuldnerberatung zur Angebotspalette des Sozialdienstes katholischer Frauen Eschweiler (SkF). Eine Hilfsleistung, die dringend benötigt wird, wie Zahlen beweisen.

80 „Langzeitfälle” mit 539 betreuten Personen schlugen im vergangenen Jahr zu Buche. Die mit dem ehemaligen Kreis Aachen vereinbarte Pauschalfinanzierung machte die Beratung dieser Personenzahl möglich. Zum Jahresbeginn 2012 veränderte sich die Situation jedoch grundlegend.

Am 1. Januar trat nämlich ein neuer und unbefristeter Vertrag mit der Städteregion Aachen in Kraft, der die Einzelfallabrechnung vorsieht. Die Folge: „Bis Ende des vergangenen Jahres konnten wir alle Klienten betreuen, die nicht mehr Geld zur Verfügung hatten als den doppelten Regelsatz (728 Euro) plus realer Warmmiete.

Seit Januar ist nun vorgesehen, nur noch Personen zu beraten, die sich im ALG II- (Hartz IV) oder SGB XII-Bezug (Sozialhilfe) befinden”, erklärt Schuldnerberaterin Carmen Rosendahl-Küpper das Dilemma. „Wir müssen also hilfesuchende Menschen abweisen.”

Im Vorfeld der Vertragsunterzeichnung sei eine andere Vorgehensweise zwischen den Beteiligten vereinbart worden. „Verabredet war, dass die Beratung von Personen im ALG II-Bezug über die Job-Center abgerechnet wird und alles andere über die Sozialämter läuft, auch die Hilfestellungen für Menschen, die unter die Bestimmungen des doppelten Regelsatzes fallen”, berichtet die Diplom-Sozialarbeiterin. Dies sei dem SkF von Günter Schabram, Sozialdezernent der Städteregion, auch schriftlich mitgeteilt worden.

Eine Zusage, die nun im Vertrag nicht enthalten sei. „Ich habe vor der Unterzeichnung gewarnt, dass wir Probleme kriegen, wenn der Vertrag wörtlich ausgelegt wird. Daraufhin erhielten wir die Zusicherung, dass die Interpretation der Einzelfälle großzügig gehandhabt würde.

Doch die Sozialämter innerhalb der Städteregion legen den Vertrag sehr wohl wörtlich aus, was dazu führt, dass wir einen Großteil unserer Klienten nicht mehr betreuen können”, macht Carmen Rosendahl-Küpper deutlich.

„Ich möchte aber kein Schild vor unserer Tür anbringen, auf dem steht, dass bestimmte Personen nicht zu uns herein dürfen. Alle Eschweiler Bürger sollten das Recht auf eine kostenlose Schuldnerberatung haben.” Drei Anrufe pro Tag von Hilfesuchenden, die nicht mehr ins Konzept passten, seien keine Seltenheit: „Ohne einen Gutschein vom Fallmanager müssen wir neue Klienten ablehnen.”

Nach einer Anfrage im Januar habe im Februar ein Gespräch mit den Verantwortlichen der Städteregion stattgefunden, bei dem die Zusage erfolgt sei, sich der Sachlage anzunehmen. „Mitte März folgte dann die Nachricht, dass Städteregionsrat Helmut Etschenberg die Zuständigkeit übernommen habe.

Ein weiteres Gespräch ist für Anfang Mai in Aussicht gestellt”, so die SkF-Mitarbeiterin. „Wir haben also weiterhin keine Klarheit. Die Beratung der sogenannten Altfälle wird zwar fortgesetzt, doch wir wissen nicht, wie mit den Abrechnungen dieser Vorgänge, die nun abgeschickt werden, umgegangen wird”, kritisiert Carmen Rosendahl-Küpper, die sorgenvoll in die Zukunft ihrer Klienten blickt. „Wenn alle Stricke reißen, müssen wir zum Ende des Jahres die Schuldnerberatung beim SkF in Eschweiler einstellen”, redet sie Klartext.

Dabei sei Bedarf in Hülle und Fülle vorhanden. „Nimmt man den Ansturm von Klienten auf unsere Beratungsstelle des vergangenen Jahres als Beispiel, hätten wir durchaus eine weitere Schuldnerberaterin einstellen können.” Momentan teilt sich Carmen Rosendahl-Küpper (75 Prozent) die Stelle der Schuldnerberaterin beim SkF Eschweiler mit Brigitte Schall-Wagner (25 Prozent).

Die aktuelle Situation sei für alle Beteiligten äußerst unbefriedigend. „Unsere Klienten stehen auf Grund ihrer persönlichen Situation unter Druck, haben aber nun den Schritt gewagt, sich an uns zu wenden und damit an die Öffentlichkeit zu gehen, um dann vertröstet zu werden”, schüttelt die Sozialarbeiterin den Kopf. „Es kann schließlich nicht sein, dass wir den Hilfesuchenden raten müssen, in den Hartz IV- oder Sozialhilfebezug zu gelangen, damit wir sie betreuen können.” Schließlich habe die Schuldnerberatung nicht zuletzt eine vorbeugende Funktion und dürfe nicht erst einsetzen, wenn das Kind in den Brunnen gefallen sei.

Um auf die verfahrene Situation aufmerksam zu machen, möchten die Verantwortlichen des Sozialdienstes katholischer Frauen nun politisch aktiv werden. So waren Carmen Rosendahl-Küpper und Brigitte Schall-Wagner in der vergangenen Woche bereits im Sozial- und Seniorenausschuss zu Gast, um die Kommunalpolitiker zu sensibilisieren.

Darüber hinaus sollen auf Städteregionsebene Gespräche mit den sozialpolitischen Sprechern der Parteien gesucht werden. „Die Schuldnerberatung im Kreis Aachen war eigentlich immer ein Vorzeigemodell. Ich weiß nicht, warum ein funktionierendes System so verändert werden musste.” Schließlich sei Schuldnerberatung auch Sozialarbeit. Carmen Rosendahl-Küpper schließt eines kategorisch aus: „Den uns unterbreiteten Vorschlag, von unseren Klienten Geld für die Beratung zu verlangen, werden wir auf keinen Fall umsetzen.”
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