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Schöne Klänge erfüllen jeden Kirchenwinkel

Von: Volker Rüttgers
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„Klassik goes Lions”: Der Vorsitzende des Lions-Clubs Eschweiler-Stolberg, Dieter Genius (Mitte), freute sich sichtlich nach der mitreißenden Aufführung der beiden Ausnahmekünstler Natalia Krone und Gerhard Behrens in der evangelischen Dreieinigkeitskirche. Foto: Volker Rüttgers

Eschweiler. „In jedem Raum spricht Musik anders” - der Star sprach den Besuchern des Benefizkonzertes des Lions-Clubs Eschweiler-Stolberg direkt aus der Seele:

Mezzosopranistin Natalia Krone hatte gemeinsam mit Kantor Gerhard Behrens an der Orgel klassische Werkeaus drei Jahrhunderten „sprechen” lassen und präsentiert, wie abwechslungsreich klassische Musik klingen kann, von mitreißend dynamisch bis hin zu nachdenklich, fast schon melancholisch.

Die Eglise Saint Merri in Paris, Chiesa di Santo Stefano al Ponte Veccio in Florenz, Dresdner Frauenkirche, St. Matteus Kyrka in Stockholm, der Französische Dom in Berlin und jetzt die Dreieinigkeitskirche in Eschweiler, Natalia Krone mag neben den großen Aufführungen gerade auch die „kleinen” Konzerte, brauche es doch nicht mehr als eine gute Akustik und eine entsprechende instrumentale Begleitung, damit klassische Musik funktioniere. Dies tat sie auch am Samstag, als man in der Kirche in den Pausen zwischen den sechs Stücken eine Stecknadel hätte fallen hören können.

Den Auftakt des chronologisch angelegten Programms machte das 1726 von Johann Sebastian Bach komponierte Recitativ und die Arie aus der Kantate 35 „Geist und Seele wird verwirret”. Auf einem dichten Klangteppich basierend schienen die Vokalparts der Sopranistin geradezu zu entschweben und boten den Zuhörern mehr als nur einen Vorgeschmack auf das, was da noch kommen sollte.

Bevor die in Dresden lebende Sopranistin, die sechs Jahre während ihres Gesangstudiums an der HfM Köln in Aachen gewohnt hat, eine weitere Kostprobe ihres Könnens darbot, ließ Organist Gerhard Behrens den bombastischen Klang von Felix Mendelssohn-Bartholdys Orgelsonate Nr. 2 in jedem Winkel der Kirche erschallen.

Zeitlos schön

Hugo Wolfs „Gebet” in der Bearbeitung von Max Reger war als Vertreter der Spätromantik mit seiner typischen musikalischen Phrasierung des Leitmotivs das perfekte Forum für die unaufdringlich schöne und dennoch ausdrucksstarke Stimme Natalia Krones und die sprichwörtliche „Ruhe vor dem Sturm” im Gewand von Richard Wagners „Im Treibhaus” und „Träume”, zwei der 1858 in der Züricher Villa Wesendonck aufgeführten Werke.

César Frank als Vertreter der französischen Klassik des 19. Jahrhunderts stellte mit „Choral Nr. 1” das zweite Instrumentalstück des Konzertes, bei dem Gerhard Behrens erneut seine Virtuosität an der Orgel, deren Musik er in Lübeck studierte, zelebrierte und mit einem furiosen Finale den musikalischen roten Teppich für den Höhepunkt des Spätnachmittags in der Dreieinigkeitskirche ausbreitete, die „Missa in simplicate” von Jean Langlais. In Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus et Benedictus sowie Agnus Dei gegliedert, stand das 1952 komponierte Werk als Vertreter zeitgenössischer Klassik und schloß den drei Jahrhunderte umspannenden Kreis dieser zeitlosen Musikform.

Zeitlos fühlten sich auch die begeisterten Zuhörer am Samstag, die das mehr als einstündige Konzert genossen und den beiden Künstlern im Anschluss stehend applaudierten.

Hilfe für Fährmann-Schule

Lions-Club-Präsoident Dieter Genius freute sich besonders über die mehr als 1000 Euro, die als Spende für die benachbarte Willi-Fährmann-Schule, zu der er seit seiner Zeit im Presbyterium der evangelischen Gemeinde, während der er gemeinsam mit der Rosemarie Zentis den Förderverein der Schule gegründet hatte, eine enge Beziehung pflegt.

Fantastische Musik, hervorragende Künstler und ein guter Zweck, blieb nur noch eine Frage offen: Woher hat Johann Sebastian Bach gut dreihundert Jahre vorher gewusst, dass der Lions-Club Eschweiler-Stolberg sein Werk in einem Benefizkonzert aufführen lassen sollte, oder steht das „SDG” am Ende aller seiner Werke etwa doch für „Soli Deo Gloria” statt für „Servus Dieter Genius”, wie Pfarrer Dieter Sommer festgestellt hatte?
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