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Schlüssel zum Erfolg: Vom miesen Boss zum einfühlsamen Chef

Von: kaba
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Erfolg durch Wertschätzung: Marc Klejbor berichtete im Librodrom über seinen Werdegang. Foto: Katja Bach

Eschweiler. Seinen Namen kennt in Eschweiler wahrscheinlich jeder und auch sein Betrieb ist wohl den Meisten nicht unbekannt, denn Marc Klejbor führt eine erfolgreiche Diskothek. Aber dass der Unternehmer auch ein Buch geschrieben hat, das wissen die Wenigsten.

Marc Klejbor war bereits in jungen Jahren sehr erfolgreich. Nach einem begonnenen BWL-Studium eröffnete er ein Sonnenstudio, für das damals die Eltern bürgten. Damit war er so erfolgreich, dass er das Darlehen bereits nach drei statt nach fünf Jahren zurückzahlen konnte. Nach diesem Erfolg nahm er sich eines Mehrfamilienhauses an, das er renovierte, ausbaute und wieder verkaufte. Der Erlös war das Startkapital für das Klejbors.

So erzählte Marc Klejbor am vergangenen Dienstag von seinen Anfängen als Unternehmer. Grund dafür war die Lesung aus seinem Buch „Rituale der Wertschätzung“, die Klejbor in der Buchhandlung Librodrom hielt. In seinem Werk geht es um Unternehmensführung und um den Umgang mit Mitarbeitern. Damit haben Marc Klejbor und seine Ehefrau Sabine seit vielen Jahren Erfahrung und vor allem er kam in diesen Jahren zu vielen Erkenntnissen, die er mit anderen teilen wollte.

„Ich war ein unglaublicher Arschlochchef“, sagte er unumwunden. Doch dann sorgten gewisse Lebensumstände dafür, dass Marc Klejbor sein Verhalten änderte. „In einer Zeit der Sterbebegleitung in meiner Familie habe ich gemerkt, dass das Leben endlich ist. Hinzu kamen Probleme mit dem Finanzamt, zwei erlebte Burnouts und die Diagnose meines Arztes, dass ich, wenn ich so weiter mache, nicht an einem Herzinfarkt vorbei komme“, berichtete der Geschäftsmann. „Das wollte ich auf keinen Fall, und so musste ich lernen, loszulassen. Und obwohl bereits alles für eine Vergrößerung unserer Diskothek vorbereitet war, ich wollte der McDonalds der Diskotheken werden, haben wir schließlich nicht expandiert.“ Das war der Wendepunkt in seinem Leben, ließ Klejbor erkennen und kam schließlich auf sein Buch zu sprechen.

„Plötzlich war klar, dass sich etwas ändern muss. Auch im Umgang mit den Mitarbeitern und darüber berichte ich in meinem Buch.“ Damals habe er gedacht: Wir haben einen Vertrag, du gehörst für die vereinbarte Stundenzahl mir. Kranksein gebe es nicht. Heute wisse er, dass die Gründe für das Kranksein häufig im Außen liegen. „Jetzt interessiert mich, warum bist du krank? Was können wir am Außen ändern, damit es dir besser geht?“ Vom Arschlochchef zum einfühlsamen Vorgesetzten. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen, weiß der Unternehmer, aber er machte den Anwesenden deutlich, dass bereits kleine Veränderungen Großes bewirken können.

„Wir leben in einer Zivilisation. Wir haben von allem zu viel. Aber im Zwischenmenschlichen gibt es ein absolutes Vakuum.“ Diese Worte berührten seine Zuhörer und es folgte ein nachdenkliches, zustimmendes Schweigen. Doch das löste Klejbor schnell wieder, denn er hat eine Idee, wie es besser gehen kann: „Lassen sie ihre Mitarbeiter mitgestalten“, schlug er vor. In seinem Betrieb gäbe es seit einiger Zeit Ideenblätter, auf denen die Mitarbeiter festhalten können, was sie für Verbesserungsvorschläge haben. „Denn ganz ehrlich, auf Ideen zur Ablaufverbesserung an der Theke komme ich nicht, ich steh da ja nicht“, sagte Klejbor ganz klar und diese Erklärung ist für die Anwesenden plausibel.

Und auch in Sachen Mitarbeiter Feedback haben sich Sabine und Marc Klejbor etwas Neues ausgedacht. „Bei uns gibt es jetzt die Wowlies“, berichtete der Arbeitgeber. Das ist ein Smiliesystem, mit dem jedem Mitarbeiter signalisiert wird, wie er sich auf dem Weg zu seinem vorher vereinbarten Ziel macht. Und auch die Zusammenarbeit im Team wird darüber verbildlicht. Das Besondere am Klejbors sei, dass viel mit Aushilfskräften gearbeitet werde. „Trotzdem müssen alle Mitarbeiter wie ein Orchester funktionieren, damit es gut wird“, so Klejbor und deshalb muss immer wieder klar sein: „Wo wollen wir hin? Was wollen wir erreichen? Und wie können wir das?“

So ist es für Marc Klejbor und seine Ehefrau auch kein Problem gewesen, jemandem ohne Abschluss eine Ausbildung zu ermöglichen und zu sehen wie jemand, der in seinem Leben bisher kaum Chancen hatte, plötzlich einen guten Abschluss machte.

„Ich war überzeugt, Geld motiviert. Jetzt sage ich: wenn Sie wollen, dass ihre Mitarbeiter mehr Energie in Ihren Betrieb bringen, dann verlassen Sie die materielle Ebene“, riet Klejbor. Er macht es in seiner Diskothek in vielen kleinen Schritten. Einer davon ist, den Mitarbeitern Vorträge anzubieten. Ungefähr 60 Mal im Jahr lädt er Referenten zu verschiedenen Themen ein und die Mitarbeiter nehmen das Angebot in ihrer Freizeit dankend an, so der Unternehmer.

Aber nicht nur den Mitarbeitern gegenüber ist diese Wertschätzung, die auch im Titel seines Buches steckt, wichtig. Als Arbeitgeber und Chef müsse man auch auf sich selber achten. „Schaffen Sie sich Zonen der Ruhe und achten Sie auf ihre Selbstmotivation“, gab Marc Klejbor seinen Zuhörern als Ratschlag mit. „Ich möchte Sie ermutigen authentisch zu sein. Ich wollte oft perfekt sein und bin damit gescheitert. Heute weiß ich, dass wir alle Menschen sind und Menschen machen Fehler“, erinnerte sich der Geschäftsmann.

Im Anschluss an seinen Vortrag beantwortete Marc Klejbor die Fragen seiner Zuhörer. Unter diesen saßen viele Führungskräfte und weil Klejbor bereits im Vorfeld gefragt hatte, in welchen Bereichen die Anwesenden tätig seien, konnte er auch individuell auf jeden eingehen. „Das ist das Schöne an einer solch kleinen Gruppe“, freut er sich. Und auch die Gäste waren begeistert. „Er ist einfach authentisch und man glaubt ihm, was er erzählt, weil er viel darüber berichtet, was er erlebt hat“, fand Kirsten Kugel und auch die Geschäftsführerin des Librodroms Hannelore Wolters war zufrieden: „Er hat einen guten Vortrag gehalten, und ich glaube, dass es angekommen ist.“

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