Eschweiler - Schaustellerkind: Aufwachsen neben dem Riesenrad

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Schaustellerkind: Aufwachsen neben dem Riesenrad

Von: Nicola Gottfroh
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Hoffen auf viele Besucher bei
Hoffen auf viele Besucher bei der Indestadt-Kirmes: Alexander Jansen, Rolf Lentzen und Hans-Otto Grass. Fotos (2) : N. Gottfroh Foto: Gottfroh

Eschweiler. Es wummert und dröhnt und flimmert und glitzert auf dem Drieschplatz. In den Wagen der Karussells werden kreischende Jugendliche herumgewirbelt, und am Autoscooter versuchen die Jungs, die Mädels zu beeindrucken. Am Rande der Szenerie sitzt in einem Süßwarenwagen der fünfjährige Jacky.

Während die anderen Kinder in seinem Alter die Kirmes-Eindrücke aufzusaugen scheinen wie ein Schwamm, bleibt Jacky nahezu unbeeindruckt. Kein Wunder: Immerhin ist er den Rummel gewöhnt. Zwischen Zuckerwatte und Liebesperlen, Karussell und Autoscooter wächst er auf. Sein Zuhause sind die Kirmesplätze der Republik. Seine Kindheit verbringt er bei Öcher Bend und Annakirmes, auf Jahrmärkten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Und in dieser Woche ist halt eben die Indekirmes in Eschweiler seine Adresse.

Jacky Goeke ist ein Schaustellerkind. Seinen Eltern Ilona und Jacky Senior gehört der Süßigkeiten-Wagen, aus dem heraus er sich das Treiben auf der Kirmes anschaut. Und auch seine Großeltern und Urgroßeltern lebten schon ein Kirmesleben. Immer auf Achse - ein Leben im Wohnwagen. Nur in den Wintermonaten lebt die Familie - ganz wie die Kirmesbesucher - in einem Haus ohne Rollen in Düren.

Nicht nur Kirmesromantik

Ob Jacky diese Familientradition eines Tages aber weiterführen wird, das steht noch in den Sternen. Denn nicht hinter allem, was glitzert und blinkt, steckt wahre Kirmesromantik: Die Branche hat es derzeit schwer. „Es wird immer schwerer, das Kirmesleben aufrecht zu erhalten. Die Kosten steigen, der Konkurrenzdruck wird höher, aber die Menschen strömen nicht mehr in Scharen auf die Kirmes”, sagt Jacky Juniors Großvater Rolf Lentzen.

Als stellvertretender Vorsitzender des Aachener Schaustellerverbandes kennt er dieses Problem nicht nur aus eigener Erfahrung, sondern hört es auch immer wieder von den Kollegen: Die Standgebühren auf den Kirmesplätzen kosten viel Geld, und auch Personal- und Transport- und Anreisekosten müssen bezahlt werden. „Und auch wenn das immer teurer wird - die Kirmesbesucher werden nicht mehr”, sagt Lentzen. Und die Besucher, die kommen, die lassen in der Regel auch nicht mehr Geld als früher an den Fahrgeschäften und Imbissbuden. Das war mal anders. „Das was wir den Menschen hier bieten, das ist heutzutage purer Luxus - Geld, das die Besucher auf der Kirmes lassen, müssen sie an anderer Stelle wieder einsparen”, erklärt Lentzen weiter.

Und weil das Reisen teuer ist und sich manche Fahrt schon gar nicht mehr rechnet, sparen sich die Schausteller so manchen Jahrmarkt im Osten oder Süden der Republik. Nach Eschweiler kommen die Schausteller aber wirklich gerne. Nicht nur, weil die Eschweiler so nett sind, sondern weil die Stadt den Veranstaltern des Rummels, dem Schaustellerverband Aachen, den Platz kostenlos zur Verfügung stellt. „Ohne das Entgegenkommen der Stadt gäbe es die Indekirmes vermutlich schon gar nicht mehr”, sagt Lentzen. Die Schausteller müssen zwar trotzdem Standgebühren zahlen, erklärt Lentzen, allerdings an den Verband. Der rührt davon ordentlich die Werbetrommel, klebt Plakate, schaltet Anzeigen und versucht die Besucher auf den Drieschplatz zu locken.

Doch selbst wenn die Besucher im Massen strömen, ist klar: Wirklich reich wird man als Schausteller auf der Kirmes nicht. Aber für das Geld macht die Familie Lentzen den Job ohnehin nicht. „An manchen Tagen arbeitet man 17 oder 18 Stunden. Und wenn man sich dann den Stundenlohn ausrechnet...”, sagt Jacky Goeke Senior. „Ohne Leidenschaft geht es halt nicht”, sagt er. Von der besitzt er aber genug.

Das Schönste der Welt

Wie sein Sohn ist der 26-Jährige auf der Kirmes groß geworden, hat später das Geschäft des Vaters übernommen. Sogar seine Frau, die Tochter vom „Bierkarussell Lentzen”, hat er auf der Kirmes kennen- und lieben gelernt. „Kirmes und Rummel ist unser Leben. Für uns ist das Schaustellerdasein das schönste der Welt”, sagt er.

Wunderschöne Momente erlebe die Kirmesfamilie gemeinsam auf dem Platz hinter dem Rummel, sagt Goeke: In Eschweiler ist schon Tage, bevor der Kirmes-Startschuss fiel, eine kleine Wohnwagenstadt entstanden. Als der kleine Jacky am Donnerstag seinen Geburtstag gefeiert hat, da waren nicht nur Eltern und Großeltern zu Besuch. Da wurde eine echte Schaustellerparty gefeiert. Mit allen Kindern und Müttern. Und auch die Männer, die mit dem Aufbau der Fahrgeschäfte beschäftigt waren, kamen zum Gratulieren und für ein Stück Torte. Auch Alexander Jansen vom Break-Dancer und Hans-Otto Grass vom Autoscooter gratulierten dem Kleinen. „Wir sind wie eine große Familie. Irgendwie sind wir doch alle miteinander groß geworden”, sagt Jansen.

Öffnungszeiten der Indekirmes im Mai

Die Indekirmes ist am Samstag und am Montag, 7. Mai, jeweils von 14 bis 22 Uhr geöffnet. Am Sonntag geht es von 12 bis 22 Uhr rund. Es gibt 35 Geschäfte, darunter acht größere.

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