Eschweiler - Ruth Schiffer verzückt mit bissigem Humor statt plumper Kalauer

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Ruth Schiffer verzückt mit bissigem Humor statt plumper Kalauer

Von: sh
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„Geld ist nie weg, das ist immer nur woanders!”: Ruth Schiffer lässt sich nichts vormachen. Mit ihrem Programm „Außer mir” gastierte sie nun im Talbahnhof. Foto: Stefan Herrmann

Eschweiler. Diese Frau zu beschreiben, fällt nicht leicht. Wer ist Ruth Schiffer? Und was macht sie? Kabarett? Gesang? Theater? Von allem ein bisschen, und doch nichts so richtig. Ruth Schiffer ist vor allem eins: nicht leicht einzuordnen.

Und noch etwas ist sie: offen, ehrlich, gleichzeitig ironisch und ein Stück weit auch zynisch.

Ruth Schiffer ist politisch nicht immer ganz korrekt. Das ist sie gerne und mit erhobenem Haupt. Ruth Schiffer ist eine beeindruckende Künstlerin, was sie mit ihrem ersten Solo-Abend „Außer mir” im Kulturzentrum Talbahnhof beweist.

Dass sie mit ihrer direkten Art aneckt, ist ihr durchaus bewusst. „Ich beiße nicht und spucke nicht ins Publikum”, begrüßt sie daher die neugierigen Zuschauer im Saal.

Bissig dagegen ihr Humor: Von dem plötzlichen Geldregen, der es ihr als Steuerzahler sogar erlaubt, sich eine Bank zu leisten, über Gedanken zu den unbedachten Auswirkungen voreilig verabschiedeter Dogmen der katholischen Kirche - Ruth Schiffer, die zuvor zwölf Jahre lang Teil des Duos Schiffer-Beckmann war, packt jedes noch so heiße Eisen an.

Es sind die Ja-Sager und die Kopfnicker - wie sie herrlich betörend in einem ihrer Songs erzählt -, die ihr aufstoßen. Militante Bio-Tanten und debil vor sich hin lebende Bäckereifachverkäuferinnen, in diesem ganz normalen Alltagswahnsinn scheint Schiffer gefangen zu sein.

Doch Ruth Schiffer wäre nicht sie selbst, wenn sie keine lakonische Erkenntnis aus dem Gesehenen „Elend” um sie herum gewinnen würde: „Was nutzt die ganze Gesundheit, wenn man ein Idiot ist?”

Daher ist sie Raucherin, genüsslich und voller Überzeugung. „Nicht hier auf der Bühne. Obwohl ich es könnte, allein zum künstlerischen Zweck”, wie sie rebellisch sagt. Sie raucht, wenn sie es will. Und ebenso raucht sie nicht, wenn sie nicht will. Gesetze schreiben ihr das nicht vor.

Von den neuerdings gesichteten Exoten, die durchs moderne, urbane Nachtleben streifen, sagt sie: „Sie rauchen nicht, sie trinken nicht, und wenn sie dann stocknüchtern die Gaststätte verlassen, steigen sie aufs Fahrrad und ziehen ihren Helm an.”

Die Gesetzes- und Regelflut ist ihr ein Gräuel, das lässt Ruth Schiffer immer wieder durchblicken. Dabei gerät die Familienpolitik ebenso unter ihre scharfsinnig, humoristische Lupe wie die Frage, was Gott eigentlich für ein Konstrukt sei.

Der Witz mit Pointe ist nicht ihr Ding, Kalauer sucht man an diesem Abend vergebens. Und wenn, das gibt sie unumwunden zu, dann ist er geklaut und nicht auf ihren eigenen Mist gewachsen.

Viel lieber zieht sie ihr Ding durch, philosophiert über die Unterschiede von Haustieren und göttlichen Wesen, beschäftigt sich mit dem irrationalen Paarungsverhalten und lobt im gleichen Atemzug die Dienstleistungsgesellschaft mit ihren mannigfaltigen Möglichkeiten.

Und im himmlischen Telefonat mit Jesus und Cousin Mohammed betätigt sie sich als einfühlsame Streitschlichterin. Eine weitere Erkenntnis von Ruth Schiffer, die sie beim Auflegen des Hörers kundtut: „Religion ist als Krankheitsbild noch nicht anerkannt, aber ich bin da guter Hoffnung. Bei der Schizophrenie hat es schließlich auch eine ganze Weile gedauert.”

So was sagt man doch nicht, möchte man der selbstbewussten Frau auf der Bühne entgegnen. Das weiß sie auch, und macht trotzdem weiter in ihrer herrlich unkorrekten politischen Art.
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