Eschweiler - Rüdiger Bilden: Buch über bedeutenden Soziologen aus Eschweiler

Rüdiger Bilden: Buch über bedeutenden Soziologen aus Eschweiler

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
Letzte Aktualisierung:
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Im Stadtarchiv von Eschweiler suchte die in Cambridge lehrende Professorin Maria Pallares-Burke im Sommer 2011 nach Lebensspuren des fast vergessenen Wissenschaftlers Rüdiger Bilden. Unser Foto zeigt sie im Gespräch mit Armin Gille (links) und Simon Küpper vom Eschweiler Geschichtsverein. Foto: Ebbecke-Bückendorf
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„O Triunfo do Fracasso“ (Triumpf im Scheitern) ist der Titel des Buchs von Maria Pallares-Burke. Es beschreibt Leben und Wirken des Eschweiler Soziologen Rüdiger Bilden.

Eschweiler. Einen „vergessenen Helden“ nennt die Historikerin Maria Lúcia Garcia Pallares-Burke den aus Eschweiler stammenden Soziologen Rüdiger Bilden. Die brasilianische Forscherin hat jetzt ein Buch über den 1980 verstorbenen Soziologen geschrieben: „O Triunfo do Fracasso“ (Triumpf im Scheitern). Das Buch wurde auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober erstmals vorgestellt und ist jetzt im Handel. Allerdings: Es ist in Portugiesisch verfasst.

Auf 420 Seiten schildert die in Cambridge lehrende Professorin Pallares-Burke den 1914 in die USA emigrierten Eschweiler als einen engagierten Wissenschaftler, der Spuren in der Geschichte hinterließ, für die andere die Anerkennung ernteten. Rüdiger Bilden hatte in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen eine wichtige Rolle in der wissenschaftlichen Bewertung von Rassenbeziehungen. Seine Ideen wurden eifrig diskutiert und haben im Werk anderer Wissenschaftler Früchte getragen. Doch veröffentlicht hat er sehr wenig, und sein Wirken wurde vergessen. Auch in seiner Heimat Eschweiler, zu der jeder Kontakt abgerissen war, wurde er vergessen – so gründlich, dass seine Familie ihn in den 70-er Jahren für tot erklären ließ. Dabei ist der am 4. Juli 1993 an der Röthgener Straße geborene Rüdiger Bilden erst 1980 in den USA gestorben.

In ihrem Werk argumentiert die brasilianische Professorin, dass Bilden, obwohl er im akademischen Sinne ein scheinbarer Versager war, der nicht die großen Bücher schrieb, die man aufgrund seiner brillanten Studenten-Zeiten erwartete und keinen Dauer-Posten an einer Universität erhielt, eine entscheidende Rolle für die Geschichte der amerikanischen Rassenbeziehungen sowohl als Denker wie auch als Aktivist spielte.

Herrschende wissenschaftliche Meinung über Rassenbeziehungen war vor hundert Jahren, dass es wertvolle und minderwertige Rassen gebe, und dass Rassenvermischungen zur Degeneration führen. Wertvoll war das Nordische, minderwertig das Negroide – solche Ansichten haben nicht die Nazis erfunden, sie waren schon vorher in den USA gang und gäbe. Rüdiger Bilden wandte sich gegen diesen Rassismus, und Pallares-Burke ist sich sicher, dass seine Ideen den bedeutenden brasilianischen Soziologen und Historiker Gilberto Freyre in den 1920-er Jahren intensiv beeinflusst haben. Freyre studierte gemeinsam mit Bilden in New York.

Röthgener Gastwirtssohn

Rüdiger Bildens Vater war der Gastwirt und Mälzereibesitzer Franz Bilden. Er galt als honoriger Bürger, war Stadtverordneter und in der Kirchengemeinde St. Marien aktiv. In der Gaststätte Bilden an der Röthgener Straße 34 verkehrte ein „besseres Publikum“. Warum der älteste Sohn sich entschloss, als gerade einmal 20-Jähriger nach Amerika auszuwandern, ist nicht bekannt. 1914 kam Rüdiger Bilden in New York an. Er studierte ab 1917 an der Columbia University und galt schnell als einer der viel versprechendsten Köpfe dort.

Nicht nur in der akademischen Diskussion hatte Bilden großen Einfluss, sagt die Historikerin. Er setzte sich auch aktiv gegen Rassentrennung ein und hatte keine Scheu, sich Feinde zu machen.

Hilfe vom Geschichtsverein

Eine zentrale Idee von Rüdiger Bilden war, das Land Brasilien, in dem es eine starke Rassenvermischung gab, als Untersuchungsmodell zu nehmen. Sein Artikel „Brasilien als ein Laboratorium der Zivilisation“ sei bahnbrechend gewesen, versichert Pallares-Burke. In der Folge regten sowohl schwarze Führer als auch der berühmte deutsche Anthropologe Franz Boas eine Vortragsserie von Bilden in Brasilien an.

Bei der Vorbereitung des Buches erfuhr Maria Pallares-Burke Hilfe durch die Stadt Eschweiler und den Geschichtsverein. Besonders Armin Gille versorgte die Historikerin mit Informationen und historischen Fotos, von denen einige in dem Buch über Rüdiger Bilden abgedruckt sind. Gemeinsam mit der aus Eschweiler stammenden Psychologin und Soziologin Professorin Dr. Helga Bilden, die bis zu ihrer Pensionierung 2006 an der Universität in München lehrte, hatte Pallares-Burke im Juni 2011 bei ihrer Suche nach Spuren des vergessenen Soziologen Eschweiler besucht. Dr. Helga Bilden hatte dabei nicht nur ein wissenschaftliches, sondern auch ein persönliches Interesse an dem, was Maria Pallares-Burke für ihr Buch recherchiert: Rüdiger Bilden war ihr Onkel.

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