Eschweiler - Rotes Kreuz wirbt um Spender: Blut spenden ist nichts für Jedermann

Rotes Kreuz wirbt um Spender: Blut spenden ist nichts für Jedermann

Von: Sonja Essers
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Versorgen die Spender mit Getränken, belegten Brötchen und Kuchen: die ehrenamtlichen Helfer des DRK-Ortsvereins Dürwiß. Foto: Sonja Essers
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Mit einem Piekser ins Ohr fängt‘s an: Die Mini-Blutprobe dient zur Bestimmung des Hämaglobin-Werts des Spenderbluts. Foto: Sonja Essers

Eschweiler. Ängstliche Gesichter blicken nervös durch den Raum. Verkrampft liegen die Blutspender auf den Liegen, Schweißperlen sind auf ihrer Stirn zu sehen. Dann folgt der Einstich, die Nadel bohrt sich in die Haut und das Blut beginnt zu laufen. Herzlich willkommen bei der Blutspende!

Dass diese Horrorszenarien nicht der Realität entsprechen, wurde am Mittwoch deutlich. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) lud zur Blutspende in die Gaststätte „Kelche“ in Dürwiß und 83 Indestädter folgten dieser Einladung ohne zu zögern.

Zu ihnen zählte auch Patrick Oder. Der 25-Jährige ist seit drei Jahren Blutspender, seine letzte Spende liegt jedoch zwei Jahre zurück. Um dies zu ändern hat er sich am Mittwochnachmittag auf den Weg nach Dürwiß gemacht. Nervös ist der Auszubildende nicht, schließlich weiß er bereits wie eine Blutspende abläuft. Allerdings muss er sich erst einmal in den Räumen zurechtfinden.

„Hier habe ich noch nie Blut gespendet“, erzählt er und steuert auf Gaby Schlösser zu. Die Ehrenamtlerin, die bereits seit 26 Jahren beim DRK-Ortsverein Dürwiß aktiv ist, begrüßt ihn freundlich und überprüft seine persönlichen Daten. Dann überreicht sie dem 25-Jährigen das Spenderformular. Auf diesem stehen viele verschiedene Fragen rund um das Thema Gesundheit.

Doch auch persönliche Fragen zum Thema Sexualität muss der Spender beantworten. Schließlich wird nicht jeder Bürger automatisch zur Blutspende zugelassen. Bestimmte Personengruppen sind sogar dauerhaft davon ausgeschlossen. Dazu zählen Menschen mit häufig wechselnden Sexualpartnern, männliche und weibliche Prostituierte, Homosexuelle, Gefängnisinsassen sowie Alkohol-, Medikamenten- und Drogenabhängige. Auch Krankheiten wie Hepatitis, HIV oder Syphilis sind dauerhafte Ausschlusskriterien.

Vertraulicher Selbst-Ausschluss

Doch es gibt auch zeitweilige Ausschlusskriterien. So muss die letzte Tätowierung mindestens vier Monate, die letzte zahnärztliche Behandlung mindestens mehrere Tage zurückliegen. Außerdem muss der Spender mindestens 50 Kilogramm wiegen. Nachdem Patrick Oder den medizinischen Fragebogen in Ruhe ausgefüllt hat, findet die Blutfarbstoff- oder auch Hämaglobinbestimmung statt.

Diese ist wichtig um eine mögliche Blutarmut auszuschließen, da diese den Blutspender gefährden könnte. Den kleinen Pieks in sein Ohrläppchen merkt Oder kaum. Dann wird, ebenfalls im Ohr, die Körpertemperatur des Spenders gemessen. Diese darf nicht über 37,5 Grad liegen, da ansonsten eine Infektion nicht ausgeschlossen werden könnte. In der anschließenden ärztlichen Untersuchung geht der Arzt gemeinsam mit dem Blutspender den ausgefüllten medizinischen Fragebogen durch und klärt, ob der Spender zugelassen wird.

Als Oder aus der Kabine kommt, hebt er den Daumen. Er ist zugelassen. Doch vor der Blutentnahme gibt es noch eine Hürde, den so genannten vertraulichen Spender-Selbstausschluss. An dieser Stelle kann der Spender entscheiden, ob seine Spende verwertet werden soll oder nicht. „Er könnte zu einer Personengruppe gehören, die dauerhaft vom Blutspenden ausgeschlossen ist, und hat an dieser Stelle die Möglichkeit, die Verwendbarkeit seiner Spende auszuschließen“, erklärt Heinz Kapschak, stellvertretender Pressesprecher des DRK-Blutspendedienst West. Doch warum zieht diese Person dann überhaupt eine Blutspende in Erwägung? „Gerade in ländlicheren Gegenden herrscht oft eine Art Gruppenzwang. Dort geht man mit dem Verein oder Kegelclub zur Blutspende“, sagt Kapschak und fügt hinzu: „Auf diese Weise können wir den Menschen ermöglichen ihr Gesicht zu wahren. Sie müssen sich nicht vor anderen entblößen.“

Für Patrick Oder ist es nun soweit. Er hat es sich auf der Liege bereits gemütlich gemacht. „Haben Sie genug getrunken?“, fragt ihn die Krankenschwester. „Ungefähr zwei Liter Wasser“, antwortet Oder. Das ist genug. Dann geht es los. Vor der Nadel hat der 25-Jährige keine Angst, doch ein bisschen mulmig ist ihm schon. „Respekt habe ich vor der Nadel schon, schließlich sehe ich sie jedes Mal, wenn ich auf meinen Arm schaue.“ Also sieht er sich lieber im Raum um und entdeckt dabei das eine oder andere bekannte Gesicht.

Auch Gregor Wings ist an diesem Nachmittag zur Blutspende gekommen. Den Indestädtern ist der 45-Jährige als ehemaliger Zeremonienmeister bekannt, der mit seinem Bruder Alfred in der Session 2011/2012 durch die Säle zog. Durch den Karneval kam Wings auch zum Blutspenden. „Jedes Jahr findet am Freitag vor Heiligabend eine karnevalistische Aktion statt, bei der die Tollitäten im Krankenhaus Blut spenden“, erklärt er und fügt hinzu: „Seitdem spende auch ich regelmäßig Blut.“

Doch so entspannt war Wings nicht immer. „Ich hatte immer Angst davor, aber es tut wirklich nicht weh.“ Für ihn sei das Blutspenden wichtig, da man nicht nur etwas Gutes für Andere, sondern auch für sich selbst tue. „So kann man sich sicher sein, dass man gesund ist.“ Mittlerweile hat der 45-Jährige auf seinem Smartphone eine „Blutspende-App“ installiert. Diese zeigt ihm an, wann in seiner Nähe Blutspenden stattfinden.

Nur wenige Minuten

Nach wenigen Minuten hat Wings es geschafft. Zwar ist er nun um 500 Milliliter Blut erleichtert, fühlt sich jedoch gut. Auch Patrick Oder ist fast fertig. Er ruht sich noch einige Minuten im Ruhebereich aus, dann nimmt er einen kleinen Imbiss zu sich. Damit die Blutspender optimal versorgt sind, kümmern sich neben den acht hauptamtlichen Ärzten, Krankenschwestern und Rettungsassistenten, ungefähr zehn Ehrenamtliche um ihr Wohl. Darunter auch Heinz-Willi Esser, Blutspendebeauftragter des DRK-Ortsvereins Dürwiß.

Bei einem belegten Brötchen und einem Glas Wasser erholt Oder sich noch einige Minuten. Dann macht sich der 25-Jährige auf den Weg nach Hause. Sein Blut wird nun in das Zentrum nach Ratingen-Breitscheid geliefert und wartet dort auf seinen Einsatz.

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