Roman „Schwertbrüder“: Am Hohen Stein in Eschweiler kämpfen Eburonen

Von: Christina Handschuhmacher
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Am Schauplatz des Geschehens: In ihrem Roman Schwertbrüder haben Judith und Christian Vogt die eburonische Fliehburg Aduatuca am Hohenstein in Eschweiler verortet.

Eschweiler/Stolberg. Wenn Christian Vogt den Hohen Stein in Eschweiler besteigt, dann wird das Kino in seinem Kopf unaufhaltsam in Gang gesetzt. Dann sieht der promovierte Physiker und Buchautor die Zeltlager der Eburonen vor sich – dort, wo Außenstehende über 2000 Jahre später nur einen zugewachsenen Fußballplatz wahrnehmen.

Er blickt auf den verwilderten, aber immer noch gut sichtbaren Ringwall und vor seinem inneren Auge wird die ursprüngliche Abwehr- und Schutzfunktion dieser Konstruktion lebendig.

Christian Vogt sieht Angreifer mit Helmen und Schwertern, die den Wall hinauf eilen und von oben mit Wurfgeschossen abgewehrt werden. In diesen Momenten werden die Figuren des neuen Romans „Schwertbrüder“, den er mit Ehefrau Judith verfasst hat, lebendig. Dann rückt die tausende Jahre zurückliegende Geschichte in die Gegenwart – an genau diesem speziellen Ort.

Der Hohe Stein in Eschweiler ist einer der Handlungsorte im neuen Roman des Aachener Autorenpaars Judith und Christian Vogt. Und auch wenn das Kino im Kopf von Judith Vogt nicht so einfach in Gang kommt – „Ich hätte gerne eine Brille, mit der man einfach zwischen den Zeiten hin- und herschalten kann“ – begibt sie sich ebenso gerne an die Schauplätze des Geschehens. Denn das gehört für die beiden Schriftsteller zu einer gründlichen Recherche dazu.

„Schwertbrüder“ ist im Juli im Aachener Ammianus-Verlag erschienen und nach „Die zerbrochene Puppe“ der zweite gemeinsame Roman des Paares. Neu ist: Nach mehreren Romanen aus dem Fantasy-Genre greifen Judith und Christian Vogt mit „Schwertbrüder“ nun einen historisch brisanten Stoff auf.

Vorangestellt ist dem Roman ein Zitat von Gaius Iulius Caesar: „Den Verrat liebe ich, aber die Verräter lobe ich nicht.“ Und auch in „Schwertbrüder“ dreht sich alles um das Thema Verrat: Es ist das Jahr 54 vor Christus, als Caesar bereits große Teile des ehemals freien Galliens beherrscht und glaubt, dass er die Könige und Stammesfürsten auf seiner Seite hat.

Doch der Schein trügt. Ambiorix, der König des keltischen Stammes der Eburonen, und Indutiomaro vom Stamm der Treverer planen den Aufstand. Gleichzeitig werden Arist, der Sohn von Ambiorix, und dessen Ziehbruder Acco bei einem benachbarten Stamm als Geiseln gefangen gehalten. Als sie befreit werden, müssen die beiden „Schwertbrüder“ ihre Rolle im Plan von Ambiorix erfüllen.

Wer Caesars Kriegsbericht „De bello Gallico“ gelesen hat, wird Teile der Geschichte wiedererkennen. Denn die Aufzeichnungen Caesars dienten Judith und Christian Vogt zur Inspiration. Aber wie kommt man dazu, sich mit dieser Materie in Form eines Romans auseinanderzusetzen? Die Antwort ist einfach: „Wir hätten beide gerne einen Roman zu diesem Thema gelesen. Und weil es keinen gab, haben wir nun einen geschrieben“, sagen die beiden.

Doch die Aufzeichnungen Caesars allein sind ein bisschen spärlich und unzuverlässig, um daraus einen 340 Seiten starken Roman zu verfassen. Also sprachen die Autoren mit Historikern und Archäologen, die schon seit Jahrzehnten über die Eburonen forschen, holten Meinungen unter anderem beim Eschweiler Geschichtsverein ein und wälzten weitere historische Schriften.

„Wir legen großen Wert auf historische Korrektheit. Die Handlung unseres Romans ist fiktiv, aber das hätte so passieren können“, sagt die 32-Jährige. Fiktion und künstlerische Freiheit – ja, aber bitte so, dass man sich hinterher nicht vor Fachleuten auf diesem speziellen Gebiet schämen muss, lautete ihr Credo beim Entstehungsprozess.

Denn die beiden Aachener wagen sich mit ihrem Roman auf brisantes historisches Terrain. Sie legen Aduatuca – die legendäre eburonische Fliehburg, über deren exakte Lokalisierung Historiker und Archäologen seit Jahrzehnten intensiv diskutieren, auf den Hohe n Stein in Eschweiler. Aus historischen Aufzeichnungen ist bislang nur gesichert, dass diese Fliehburg zwischen Maas und Rhein liegt, auch wenn in der jüngeren Forschung Eschweiler als wahrscheinlicher Standort immer mehr in den Vordergrund gerückt ist.

„Wir möchten keiner dieser Theorien wissenschaftlich den Vorzug geben und in unserer Annahme, dass sich Aduatuca an der Inde befunden haben könnte, auch keine Theorie abwerten“, schreiben die Autoren deshalb im Vorwort zu ihrem Roman. Dennoch haben sie Caesars größte Niederlage im gallischen Krieg nach Eschweiler verlegt. Andere Schauplätze ihres Romans sind Stolberg-Atsch, die Region um das heutige Brüssel und auch die Gegend um Trier.

Und wie schafft man es, zu zweit einen Roman zu schreiben? Judith und Christian Vogt schmunzeln bei dieser Frage, doch die Rollen sind relativ klar verteilt: Christian ist verstärkt für die Recherche zuständig, während Judith Vogt hauptsächlich schreibt. „Die Geschichte“, so sagen beide, „haben wir uns gemeinsam überlegt – auch wenn wir nicht immer einer Meinung waren.“

Einige Passagen des Romans hat auch Christian verfasst; Probleme wegen eines unterschiedlichen Schreibstils gab es dabei keine. Welche Passagen wer geschrieben hat, wissen die beiden schon gar nicht mehr. „Nur wenn wir einen Fehler finden, dann heißt es immer: ‚Warst du das oder war ich das?‘“, erzählt Judith Vogt.

Fest steht: Die Geschichte um Arist und Acco wird weitergehen. Ein zweiter Teil ist geplant. Erscheinen soll das Buch mit dem Titel „Verbranntes Land“ voraussichtlich im Mai 2014. Recherchiert haben die beiden schon, nun befindet sich vor allem Judith Vogt im Schreibprozess. Und der Inhalt? Zu viel wollen die beiden Autoren natürlich noch nicht verraten. Nur so viel: Teile der Handlung werden auch wieder in Eschweiler am Hohen Stein spielen.

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