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Riesige Stahlgiganten grüßen aus der XXL-Welt

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
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Gruppenbild mit Bagger: Die Teilnehmer unserer Leser-Tour vor Nummer 286. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Unsere Leser müssen sich bei dieser „7 Mal Sommer”-Tour vorgekommen sein, als führen sie durchs Land der Riesen. Alles war größer, schwerer, teurer als es der Otto-Normalverbraucher kennt. Dabei muss man nicht weit fahren, um diese XXL-Welt zu betreten: Im Tagebau Inden und dem angrenzenden Kraftwerk Weisweiler sind diese Dimensionen an der Tagesordnung.

Josef Schmidt von der RWE Power AG nahm unsere Leser mit auf die Reise ins Land der Stahlgiganten und erläuterte nicht nur Eckpunkte der Enegiewirtschaft, sondern erklärte bei der Fahrt durch den Tagebau auch viele Details bei der Förderung von Braunkohle.

„Wundern Sie sich nicht, hier ist alles XXL”, meint er gleich beim Start und schmunzelt. Wie aus einem Technik-Allmanach sprudeln die Daten aus ihm heraus. Einen Zettel benötigt er nicht. „Zahlen konnte ich mir immer schon gut merken”, sagt er.

Diesmal sind es jedoch besonders viele - aus dem Tagebau Inden, aber auch aus dem Kraftwerk Neurath, aus den Tagebauen Hambach und Garzweiler. Wer jedoch schwer verdauliche Kost erwartet, sieht sich getäuscht, denn Schmidt garniert die Fakten immer wieder mit plastischen Beispielen.

So muss der Eiffelturm herhalten, um die Ausmaße eines Schaufelradbaggers zu beschreiben: Das Wahrzeichen von Paris wiegt nämlich lediglich 7000 Tonnen, der größte Stahlkoloss im Tagebau bringt es auf 13.500. Strommotoren mit insgesamt 20.000 PS setzen das riesige Gefährt in Bewegung. Schnell kommt es allerdings nicht voran, sodass ein Wechsel in einen anderen Tagebau meist Wochen in Anspruch nimmt und mehrere Millionen Euro kostet. „Es wäre allerdings wesentlich teurer, einen Bagger ab- und dann wieder aufzubauen”, betont Schmidt. Weil der Zusammenbau Jahre in Anspruch nimmt.

Die Teilnehmer unserer Leseraktion erfahren an diesem Nachmittag sehr viel über die Energiewirtschaft, natürlich aus der Sicht des Energiekonzerns RWE Power AG, der in Deutschland für 30 Prozent der Stromerzeugung zuständig ist. Ab und an wird es etwas politisch: „Jeder will Ökostrom haben, aber keiner ein Windrad in seiner Nachbarschaft”, spricht Josef Schmidt die aktuelle Energiediskussion an.

Erneuerbare Energien seien noch nicht ausreichend vorhanden, um auf fossile Brennstoffe zu verzichten, meint er. „Die Sonne scheint nicht immer, und auch der Wind bläst nicht immer”, lauten zwei seiner Argumente. Außerdem müsse man schnell reagieren können, wenn plötzlich viel Strom gebraucht werde. Ein aktuelles Beispiel hat Schmidt natürlich parat: „Fußball-WM, es ist Halbzeit, Millionen rennen zum Kühlschrank - sowas merken wir am Stromverbrauch.”

Dennoch sei viel in Bewegung, vor allem in Neurath. Dort arbeite man daran, das fürs Klima gefährliche Kohlendioxid durch Algen aus dem Rauchgas filtern zu lassen. Die Pflanzen könne man trocknen und als Biomasse verwenden. Es werde auch erprobt, ob Bakterien dem Rauchgas nicht das Kohlendioxid entziehen könnten. „Es bleibt hochspannend”, so Josef Schmidt.

Der Nachmittag beschränkt sich nicht nur auf Theorie im Informationszentrum am Kraftwerk, sondern dort startet die Fahrt durch den Westzipfel des Rheinischen Braunkohlereviers: Zunächst geht es nach Inden/Altdorf als Beispiel für ein Umsiedlungsgebiet. „Wir wollen die Menschen früh beteiligen, um den Wechsel in die neue Heimat zu erleichtern”, so Schmidt. Insgesamt 37.000 Menschen mussten einem RWE-Power-Tagebau weichen und wurden umgesiedelt.

Wenige hundert Meter von Inden/Altdorf entfernt bietet sich der Gruppe ein imposanter Blick über den über elf Quadratkilometer großen Tagebau Inden, wo Kohle in bis zu 230 Metern Tiefe noch bis zum Jahr 2030 gefördert wird. Was danach geschieht, schildert Schmidt auch: „Dann entsteht hier ein großer See.” Dass dies übrigens eine alte Methode ist, das durch den Tagebau entstandene Loch zu füllen, beweist ausgerechnet der Märchensee im Phantasialand. Auch dort wurde einst Kohle abgebaut.

Nach einer holprigen Fahrt ins Herz des Tagebaus Inden können die Teilnehmer schließlich die gigantischen Ausmaße eines Baggers bewundern. Nummer 286 frisst sich mit seinem Schaufelrad von zwölf Metern Durchmesser durch eine Schicht Erde. Mit seinen 8000 Tonnen Gewicht versinkt er nur wenige Zentimeter im weichen Boden. 110.000 Tonnen Material schaufelt er täglich auf die Gummi-Spezialbänder, die von bis zu 210 Stahlseilen durchzogen sind.

Vorbei am Bandsammelpunkt und den Kohlebunkern, die bis zu 220.000 Tonnen lagern können, geht es zur renaturierten Inde bei Lohn. Sie fließt dort in Schlangenlinien Richtung Kirchberg. Noch ein kleiner Abstecher zur Gedächtniskapelle Lohn - und schon endet die Reise durch das XXL-Land wieder am Informationszentrum. Für einige Teilnehmer war dies nicht genug: Sie wollen am Sonntag zum „Tag der offenen Tür” im Tagebau Garzweiler.
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