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Rennen um das Mandat eröffnet

Von: Jürgen Lange
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Genießt seit 13 Jahren als CDU-Abgeordneter den Blick auf den Düsseldorfer Landtag: Für Axel Wirtz ist die gestrige Entscheidung auch Einschnitt in seine Foto: J. Lange

Stolberg/Eschweiler. Für Axel Wirtz ist Mittwoch ein einschneidender Tag in seinem Leben als Abgeordneter aus dem Südkreis der Städteregion. Seit 13 Jahren sitzt der Gressenicher im Düsseldorfer Landtag. Den Sturz der rot-grünen Minderheitsregierung verbucht der Christdemokrat als politischen Erfolg auf der Haben-Seite.

Binnen 60 Tagen muss nun ein neuer Landtag gewählt werden. Aber ob der 54-jährige Kreisvorsitzende seine Partei auch in den Wahlkampf um das Direktmandat für den 16. Landtag seit 1945 führen wird, dahinter steht am Mittwoch noch ein großes Fragezeichen.

Innerhalb der CDU gibt es mehrere Interessenten, die das Landtagsmandat anstreben. Nach Informationen unserer Zeitung gilt Dr. Tim Grüttemeier als aussichtsreicher Gegenkandidat. Der Fraktionsvorsitzende im Stolberger Stadtrat möchte das wenige Minuten nach der Auflösung des Landtags um 17.22 Uhr zwar weder bestätigen noch dementieren.

Aber bereits am Dienstag „ist das ein Thema, das wir dann intern besprechen werden”, sagt der 31-jährige Rechtsanwalt. An dem Abend wird der Stadtverband der Stolberger CDU über Konsequenzen aus dem gestrigen Tag beraten und mit der Analyse des Ergebnisses vom 10. Mai 2010 im Rücken auf den nächsten Wahlgang am 6. oder 13. Mai blicken.

Vor fast zwei Jahren hat Axel Wirtz zum zweiten Mal das Direktmandat im Südkreis gezogen, nachdem der Beamte an der RWTH 1999 über die Liste in den Landtag nachgerückt war. Das war die Zeit, als sich mit Wirtz und Hildegard Nießen (SPD) zwei Stolberger in Düsseldorf engagierten. 2005 setzt sich der CDU-Mann mit gut zehn Prozentpunkten Vorsprung gegen die Eschweilerin Helen Weidenhaupt durch.

Vor zwei Jahren ist aber die Entscheidung knapper denn je. Keine 500 Stimmen Vorsprung hat Wirtz mehr vor Stefan Kämmerling im Wahlkreis. Und in seiner Stolberger Heimatstadt überholt der am Sonntag nächster Woche 36 Jahre alt werdende Sozialdemokrat aus Eschweiler den „Platzhirschen” um 115 Stimmen. Am Wahlabend sind es bei der Auszählung die Stimmen aus seinem Heimatort Gressenich, die Axel Wirtz die Rückkehr in den Landtag sichern.

„Unverhofft kommt oft”, zeigt sich der Abgeordnete kurz nach den historischen Ereignissen in Düsseldorf am Mittwoch noch ein wenig überrascht, die er aber „für den richtigen Weg” hält. Die Ereignisse haben Konsequenzen. Auch für ihn persönlich. Denn jetzt wird sich Wirtz nicht nur den Mitbewerbern aus anderen Parteien, sondern zunächst einem Gegenkandidaten aus den eigenen Reihen stellen müssen. „Ich hatte auf fünf Jahre geplant”, unterstreicht der Kreisparteichef, dass er seine „politische Arbeit in Düsseldorf gerne weiter fortsetzen möchte”.

Das möchten auch Willi Bündgens und Alexander Lenders. Die Vorsitzenden der CDU in Eschweiler und Monschau versichern gleich am Abend noch ihrem Landtagsabgeordneten die Unterstützung ihrer Stadtverbände bei einer erneuten Kandidatur. „Axel Wirtz war stets ein guter Anwalt in Düsseldorf für die Interessen unserer Städte”, erklären Bündgens und Lenders.

Nach den vergangenen zwei Jahren auf der Oppositionsbank sieht Wirtz nach der Landtagswahl wieder eine Möglichkeit, dass die CDU in Regierungsverantwortung im Land zumindest wieder mitgestalten kann. „Politik ist Gestaltungswillen”, sagt Wirtz. Und gestalten, das möchte der Gressenicher vor allem auch zugunsten des ländlichen Raumes.

„Die rot-grüne Landesregierung hat die Dörfer abgebrannt”, blickt der Stolberger auf die vergangenen zwei Jahre zurück. Die Finanz- und Verkehrspolitik sei rückwärts gerichtet gewesen, und letztlich habe Rot-Grün ihre Regierungsverantwortung verzockt, weil sie zuerst der Linken und dann der FDP nicht ausreichende Zugeständnisse machen wollten. „Es macht keinen Sinn gegen die Mehrheit regieren zu wollen”, wertet der Abgeordnete.

Das sieht freilich die SPD völlig anders. Mit einer Regierungsverantwortung über fünf Jahre kalkuliert hat Stefan Kämmerling, der sich vom plötzlichen Scheitern „völlig überrascht” zeigt und die Neuwahl kritisch sieht. Nicht nur deshalb, weil sie wieder Geld kostet. „Man kann doch nicht immer solange wählen, bis einem das Ergebnis passt”, sagt Kämmerling und unterstreicht, dass die Landesregierung einiges vorzuweisen habe. Etwa bei der Konsolidierung der kommunalen Finanzen und bei der Schulpolitik.

Jedenfalls ist die SPD im Unterbezirk bereits vorbereitet auf einen intensiven Wahlkampf, sagt Kämmerling. „Ich werde die Delegierten im Unterbezirk bitten, mich wieder aufzustellen”, kündigt der Banker seine Bewerbung um das Mandat an. Und er kann davon ausgehen, dass er keinen Gegenkandidaten bekommt. Die Sozialdemokraten zeigen sich nicht nur landesweit siegessicher.

Auch Werner Krickel aus Monschau signalisiert seine Bereitschaft sich erneut als Kandidat zur Verfügung zu stellen. Satte acht Prozent der Erst- und 9,3 Prozent der Zweitstimmen hat er vor zwei Jahren im Südkreis für die Grünen geholt - und damit das Ergebnis von 2005 verdoppelt. Der ordentliche Kreisparteitag der Grünen liegt gerade ein paar Tage zurück. Wann und wie die Kandidatenkür nun erfolgen soll, will die Partei am Donnerstag erst einmal in einer Telefonkonferenz klären.

Als hätten die Liberalen die Ereignisse vorhergesehen, steht der FDP der Bezirksparteitag rechtzeitig ins Haus. Am Samstag, 24. März, sollen bei den Vorstandswahlen im Lokal „Forster Linde” in Aachen gleich auch die Weichen für die Landtagskandidaturen gestellt werden, kündigt der stellvertretende Kreisvorsitzende Bernd Engelhardt an. Mit 4,6 Prozent fuhr Kurt Victor aus Monschau knapp zwei Prozent weniger für die FDP ein als 2005 Franz-Josef Zwingmann.

Wer für die Linken in 60 Tagen kurzfristig ins Rennen gehen wird, ist noch ungewiss, sagt ihr Fraktionschef im Städteregionstag, Uwe Löhr. Donnerstag wird darüber erst einmal konferiert. Albert Borchardt aus Eschweiler hat bei der Premiere seiner Partei auf Anhieb 5,6 Prozent erzielt.
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