Eschweiler - Reanimieren auf offener Straße: Jeder kann Lebensretter werden

Reanimieren auf offener Straße: Jeder kann Lebensretter werden

Von: Nina Lessenich
Letzte Aktualisierung:
567567567
Nicht lange zögern: Dr. Theresa Kaminski macht vor, was im Notfall Leben retten kann. Foto: Nina Lessenich

Eschweiler. Vorhersehen kann man ihn nicht und er kann jeden treffen: Mit schätzungsweise 80.000 bis 100.000 Fällen pro Jahr ist der plötzliche Herztod in Deutschland eine der häufigsten Todesursachen. Traurig aber wahr: Trotz der hohen Zahl befassen viele Deutsche sich nicht ausreichend mit dem Thema Wiederbelebung.

Auch in der Grabenstraße reagierten am gestrigen Vormittag einige Passanten abweisend auf das Angebot von Dr. Theresa Kaminski und ihrer Kollegin Dr. Anke Offermann: Im Rahmen der Woche der Wiederbelebung, die vom 22. bis zum 26. September deutschlandweit stattfindet, boten die beiden Notfallmedizinerinnen des St.-Antonius-Hospitals eine kostenlose Reanimationsschulung an.

„Um zu überleben, sind Betroffene auf schnelle Hilfe angewiesen“, wissen die beiden Ärztinnen. Die Bereitschaft der Deutschen, Betroffene im Notfall wiederzubeleben, sei jedoch sehr gering, besonders im internationalen Vergleich. „In Deutschland haben wir eine Laien-Reanimationsquote von lediglich 17 Prozent“, berichtet Dr. Theresa Kaminski. „In den skandinavischen Ländern zum Beispiel ist diese Rate viel höher: In Norwegen liegt sie derzeit bei gut 70 Prozent!“

Viele Laien hätten Angst davor, jemanden zu reanimieren. Der Grund hierfür sei vor allem die Sorge, etwas falsch zu machen.„Dabei kann man gar nichts falsch machen“, sagt Kaminski. „Der einzige Fehler, den man machen kann, ist der, nichts zu machen! Jeder kann zum Lebensretter werden.“ Mit einer höheren Wiederbelebungsrate durch Laienhelfer vor Ort könnten in Deutschland jährlich etwa 5000 Menschenleben mehr gerettet werden, sagt Kaminski.

Auch weitere Ängste können die beiden Ärztinnen potenziellen Ersthelfern nehmen: etwa die, Betroffene bei der Herzmassage zu verletzen. „Rippen brechen auch dann, wenn Profis reanimieren. Eine gebrochene Rippe verheilt aber wieder: Da kann man, im Gegensatz zu einem Herzstillstand, mit leben“, sagt Theresa Kaminski.

„Reanimation ist auch viel einfacher, als die meisten Leute denken“, meint Anke Offermann. In den vergangenen Jahren habe sich viel geändert: „Für den Führerschein haben viele gelernt, Betroffene in die stabile Seitenlage zu bringen, das gilt in diesem Fall allerdings nicht.“

Stabile Seitenlage überbewertet

Die stabile Seitenlage eigne sich nur dann, wenn ein Betroffener noch einen Puls habe und atme: Im Falle eines Herzstillstandes sei sie deshalb „vollkommen überbewertet“. Viel wichtiger sei es, die Pumpfunktion des Herzens zu übernehmen. „Nur so kann das Gehirn weiter mit Blut versorgt werden, und das ist der entscheidende Punkt“, erklärt Kaminski. Auch auf die Mund-zu-Mund-Beatmung könnten Laien verzichten. Der Körper verfüge über genügend Restsauerstoff, der ausreiche, bis ein Notfallteam eintreffe.

„Als Laie sollte man die Reanimationsmaßnahmen auf das Nötigste reduzieren“, summiert Anke Offermann. Dabei solle man sich an die folgenden Schritte halten: „Zunächst prüfen, ob der Betroffene noch reagiert und atmet. Dann sofort die 112 anrufen oder einen anderen Anwesenden damit beauftragen. Ist das erledigt, sollte man die Atemwege des Betroffenen freimachen, indem man den Kopf in den Nacken überstreckt“, erklärt die Ärztin.

Anschließend solle man den Brustkorb freilegen und in der Mitte des Brustkorbs drücken: und zwar mindestens 100 Mal in der Minute. „Als Taktgeber kann man den Song ‚Staying Alive‘ von den Bee Gees summen — der hat genau den richtigen Rhythmus“, rät Kaminski.

Viele Passanten, die an der kurzen Reanimationsschulung auf der Straße teilnahmen, waren überrascht: „Das ist ja wirklich kinderleicht und man kann es bei jedem machen! So eine Mund-zu-Mund-Beatmung schreckt ja schon ein wenig ab: besonders bei fremden Menschen. Aber einfach drücken: Das geht ja immer“, sagt Michael Schaffrath begeistert.

Theresa Kaminski freut sich über solche Reaktionen: „Jetzt stellen Sie sich mal vor, Sie könnten damit jemandem das Leben retten. Was wäre das erst für ein Gefühl!“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert