Radprüfung in der vierten Klasse: Besuch in einer Grundschule

Von: Christina Handschuhmacher
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Die Haifischzähne dienen der Orientierung: die Viertklässler der Dürwißer Grundschule trainieren mit Verkehrssicherheitsberater Udo Eibert für die Radfahrprüfung. Foto: Christina Handschuhmacher

Eschweiler-Dürwiß. „Wink den Autofahrer durch, Hanna“, ruft Lehrerin Christine Bücken-Schröder quer über die Straße. „Die sollen euch jetzt nicht anders behandeln als sonst, nur weil ihr diese gelben Jäckchen anhabt.“ Bücken-Schröder steht an der Straßenkreuzung Konrad-Adenauer-Straße/Römerstraße und dort ist an diesem Tag deutlich mehr los als gewöhnlich.

Der Grund: An der Grundschule Dürwiß stehen am Mittwoch zwei Schulstunden Radfahrtraining auf dem Stundenplan. Ein letztes Training für den Ernstfall sozusagen, die Generalprobe für die heute stattfindende Radfahrprüfung der Landesverkehrswacht NRW, die seit Jahrzehnten auf dem Lehrplan deutscher Grundschulen steht. Das Ziel: In einer möglichst realistischen Umgebung sollen die Kinder sicheres und selbstständiges Radfahren im Straßenverkehr lernen.

Alle sind da: Udo Eibert, Verkehrssicherheitsberater von der Aachener Polizei, Eltern, die einen Blick auf die Straße werfen oder hinter ihren Kindern herradeln und Grundschullehrerin Bücken-Schröder mit 22 Schülern und ihren Rädern. Nur die Autofahrer bereiten bei der Aktion ein bisschen Schwierigkeiten: mal lassen sie aus Nettigkeit einem radfahrenden Kind die Vorfahrt, obwohl das Kind nach den geltenden Verkehrsregeln hätte warten müssen; mal kommt es zu einem kleinen Stau auf der Kreuzung und die Autofahrer brausen ungeduldig durch, obwohl sie eigentlich hätten warten müssen.

Keine leichte Situation für die Grundschüler, doch die lassen sich davon kaum beirren. Selbst das Linksabbiegen klappt bei den meisten problemlos und das ist laut Eibert die „Königsdisziplin“. Denn: „Dabei müssen viele verschiedene Punke beachtet werden. Neben der Vorfahrtsregelung und dem Gegenverkehr müssen die Schüler auch auf Fußgänger achten“, sagt Eibert. Beim Abbiegen können sich die Kinder an den Haifischzähnen auf der Straße orientieren – also den weißen dreieckigen Markierungen, die sich an vielen Kreuzungen finden. „Beim Linksabbiegen solltet Ihr euch dort einordnen, wo das linke Dreieck ist“, rät Eibert den Schülern.

Als Verkehrssicherheitsberater ist der 53-Jährige zuständig für die Stadt Würselen und teilt sich das Eschweiler Stadtgebiet mit einem Kollegen. Eibert schätzt, dass er in 14 Dienstjahren als Verkehrssicherheitsberater rund 10.000 Kinder durch die Radfahrprüfung begleitet hat. In Eschweiler sind es allein in diesem Jahr laut amtlicher Schulstatistik 516 Viertklässler, die den Führerschein fürs Fahrrad machen.

Und tatsächlich erinnert das ganze Prüfungsprozedere – Eibert nennt es Lernzielkontrolle – ein bisschen an die Führerscheinprüfung. 20 Fragen müssen die Kinder im Theorie-Teil beantworten. „Wer trägt seinen Helm richtig?“, steht unter einem Foto, das drei Kinder mit Fahrradhelmen zeigt. „Du fährst mit dem Rad in eine Kurve. Auf der Fahrbahn vor dir liegt Sand. Wie verhälst du dich?“, will der Bogen an anderer Stelle wissen. Meist können die Kinder zwischen zwei vorgegebenen Antwort wählen; gepaukt wird vorher im Sachkundeunterricht.

Nach Besuchen in der Jugendverkehrsschule und sechs „Fahrstunden“ mit Mitarbeitern der Bezirksdienstpolizei und Udo Eibert steht der praktische Teil an: Auf dem Prüfungszettel stehen dabei etwa Anfahren, Vorbeifahren an einem Hindernis und Links- und Rechtsabbiegen. „An der Strecke sind Eltern positioniert, die bewerten, wie gut die Kinder die Verkehrsregeln einhalten“, erklärt Eibert. Für Verstöße gibt es Minuspunkte.

Und die Durchfallquote? Die sei gering, erklärt Eibert. Mal würden alle Schüler bestehen, mal würden zwei oder drei Schüler durchfallen. Auch in der Dürwißer Grundschule werden heute wohl die meisten der Kinder den Radfahrausweis und die begehrte Plakette für ihr Rad bekommen. Und die anderen? „Natürlich sind die Kinder enttäuscht, wenn es bei ihnen nicht klappt“, sagt Eibert. „In dem Fall gebe ich immer einen klaren Auftrag mit auf den Weg: ‚Übt mit euren Eltern.‘“

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