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Qualifizierung wird beim Behindertenwerk 2009 groß geschrieben

Von: Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:
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Zwei Tage lang lernten sie alles rund um die Erste Hilfe. Heute möchten Migel Otokunda (liegend) und Sven Gutmann die Prüfung bestehen.

Eschweiler. Es herrscht fleißige Betriebsamkeit im Caritas-Behindertenwerk an der Aachener Straße. In der Wäscherei rütteln die Trockner auf Hochtouren, die letzten Firmenbroschüren kommen in der Druckerei gerade aus der modernen Off-Set-Maschine, im vor wenigen Tagen neu eingerichteten Schulungsraum lernen 13 Teilnehmer unter fachmännischer Anleitung, wie Erstversorgung nach einem Unfall aussieht.

„Wir haben eine unglaubliche Vielfalt an Arbeitsangeboten”, sagt Fredi Gärtner beim Rundgang nicht ganz ohne Stolz.

Dem Leiter des Sozialen Dienstes und der Beruflichen Bildung in den sechs Caritas-Behindertenwerken im Kreis Aachen ist es ein Anliegen, dass behinderte Menschen einen Ausbildungsstandard erreichen, der sie möglicherweise sogar dazu qualifiziert, in den Allgemeinen Arbeitsmarkt einzusteigen.

„Daher wurde für das Jahr 2009 für alle Werke Qualifizierung zum Jahresthema erklärt”, hofft Geschäftsführer Michael Doersch auf erfolgreiche Monate.

„Wir haben natürlich Menschen mit eingeschränkten Fähigkeiten und müssen dann schauen, wo wir sie einsetzen können”, so Doersch weiter. Dass er den richtigen Blick dafür hat, wie ein Betrieb besser aufgestellt werden kann, hat er 18 Jahre lang in der Industrie bewiesen.

Seit anderthalb Jahren ist er nun Geschäftsführer der Caritas-Behindertenwerk GmbH. Eine neue, aber sehr interessante Erfahrung. Die aktuelle Herausforderung besteht vor allem darin, individuell angepasste Werkstattplätze mit entsprechenden Fördermöglichkeiten zu schaffen.

Denn es rücken immer mehr Entlassschüler von den Förderschulen nach. Wenn es gleichzeitig gelingt, behinderten Mitarbeitern einen Platz am Allgemeinen Arbeitsmarkt zu vermitteln, können alle Beteiligten von der Situation profitieren.

Wie vielfältig die Möglichkeiten zur Weiterqualifizierung innerhalb des Hauses mittlerweile sind, zeigt Fredi Gärtner beim Rundgang: „Wir sind zwar ein großer Arbeitgeber, aber es sind eigentlich viele Handwerksbetriebe, in denen jeder unserer Beschäftigten seine Nische findet.”

So herrscht im neuen Schulungsraum rege Betriebsamkeit. Walter Pontzen und Theo Wirtz vom Malteser Hilfsdienst bringen 13 Teilnehmern Erste-Hilfe-Maßnahmen bei. Wie setzt man einen Notruf ab? Was ist eine Rettungskette? Wie versorgt man Wunden und legt Verbände an?

Alles Fragen, die bei Unfällen im Arbeitsalltag wichtig sein können. „Es kann ja immer mal etwas passieren. Und wenn wir schon selber Erste Hilfe leisten können, müssen wir nicht immer die Betreuer rufen”, freut sich Elmar mit dem Rest der wissbegierigen Runde über die acht lehrreichen Doppelstunden.

Das Malteser-Angebot ist nur eines von zahlreichen Qualifizierungsmaßnahmen, die im Laufe des Jahres in den Caritas-Behindertenwerken stattfinden: Eine Schulung der Gartenbaugruppe fand bereits vor einigen Tagen statt, es folgen Kurse zum Umgang mit Messwerkzeugen, ein Telefontraining, eine EDV-Schulung, eine Stil- und Typberatung und viele weitere Angebote.

Eines davon rückt die Mobilität von behinderten Menschen in den Mittelpunkt. Hier arbeiten Fredi Gärtner und Michael Doersch eng mit der Aseag zusammen.

„Mit praktischen Übungen unter anderem direkt im Bus haben wir die Chance, Hemmungen bei den behinderten Menschen abzubauen”, erklärt Bernhard Breuer, Leiter der Aseag-Abteilung Verkehr und Betrieb, einen Aspekt des Mobilitätstrainings, das am 9. März auf dem Gelände des Würselener Caritas-Werks stattfindet.

30-jährige Werkstattgeschichte

„Die Caritas hat in ihrer über 30-jährigen Werkstattgeschichte immer schon Menschen mit Behinderung im Berufsbildungsbereich qualifiziert”, betont Doersch.

Dennoch möchte man 2009 den Fokus verstärkt auf das Thema lenken. Selbstbewusste Mitarbeiter der Behindertenwerke können so vielleicht schon bald im Allgemeinen Arbeitsmarkt Fuß fassen.

Und eine eigene Aufgabe, eine Arbeit, die gebraucht, wahrgenommen und gewürdigt wird, ist - sei es für einen Menschen mit oder ohne Behinderung - der größte Schritt zur Integration in das gesellschaftliche Leben.
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