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Prysmian-Mitarbeiter geben nicht kampflos auf

Von: Andreas Röchter
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Klare Sprache: Auch während der Delegiertenversammlung der IG Metall Eschweiler/Stolberg machten die Mitarbeiter des Prysmian-Kabelwerks Lynen ihrem Ärger Luft. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Die Schockstarre ist überwunden, der Kampfgeist geweckt: Die Belegschaft des Prysmian-Kabelwerks Lynen, das zum 31. Dezember geschlossen werden soll, nimmt die Entscheidung der Firmenleitung nicht widerspruchslos hin.

Und die 160 Mitarbeiter können auf die Solidarität zahlreicher Menschen in Eschweiler und Umgebung zählen!

Dies wurde auf der Delegiertenversammlung der IG Metall Stolberg/Eschweiler am frühen Montagabend im Talbahnhof mehr als deutlich. „Die Hütte ist voll!”, schaute Gewerkschaftssekretär Georg Moik mit Genugtuung in viele entschlossene, aber vor allem wütende Gesichter. Zahlreiche Prysmian-Mitarbeiter waren vor Ort und zeigten auch schriftlich, was sie von ihrem „Arbeitgeber” halten: „Wir Prysmian-Mitarbeiter lassen uns nicht plattmachen!”, hielten sie ein großes Banner hoch.

Der Beschluss, um die Arbeitsplätze zu kämpfen, sei die einzig richtige Reaktion, machte Georg Moik deutlich. „Wir wollen Druck ausüben. Die für diese Entwicklung Verantwortlichen sollen ihre Entscheidung zumindest teuer bezahlen, sie sollen bluten”, nahm der Gewerkschaftssekretär kein Blatt vor den Mund. „160 Familien sind betroffen, darüber hinaus Zulieferbetriebe. Dies ist auch in Sachen Kaufkraft für eine Stadt ein wichtiger Faktor”, wies er auf weitreichende Folgen einer Werkschließung hin.

Welle der Solidarität

Dass die Prysmian-Mitarbeiter bei ihrem Kampf auf die Unterstützung vieler Mitstreiter setzen, machte der Betriebsratsvorsitzende Peter Heidbüchel klar; „Wir sind zu euch gekommen, um eure Solidarität zu erbitten”, begann er seine Ausführungen. „Nach 126 Jahren Lynen-Werk sollen nun 160 Familien ihre Arbeitsheimat verlieren. Dies nehmen wir nicht kampflos hin. Die Firmenleitung hat auch eine Verpflichtung und wir werden nicht zulassen, dass sich Mailand (Hauptsitz) und Berlin (Deutschland-Zentrale) einfach aus der Verantwortung stehlen.”

Mit einer von möglichst vielen Menschen unterschriebenen Solidaritätsliste im Gepäck werde man sich auf den Weg nach Berlin machen, um Vorschläge vorzubringen und für den Standort Eschweiler zu werben. „Eine Schließung war auf Betriebsrätekonferenzen nie ein Thema. Dann kam es zur Kurzarbeit und wenig später steht ein Verantwortlicher aus Berlin vor uns und erklärt in acht Minuten, dass das Werk aufgegeben wird”, ist Peter Heidbüchel nach wie vor fassungslos. Inzwischen sei die Moral bei den Mitarbeitern aber wieder gut. „Doch ein langer Atem wird notwendig sein”, weiß der Betriebsratsvorsitzende.

Auch Bürgermeister Rudi Bertram denkt noch mit Schrecken an den 17. Oktober zurück: „In einem Gespräch von sechs Minuten wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass der Standort Eschweiler geschlossen wird. Und mein Gegenüber schloss seine Ausführungen mit den Worten, ich solle niemandem Hoffnung machen, dass es weitergehe. So etwas habe ich zuvor noch nie erlebt.” Doch Jammern nütze nichts. „Macht Menschen auf eure Probleme, die auch unsere sind, aufmerksam. Und geht vor allem mit hoch erhobenem Kopf durch Eschweiler. Ihr tragt an der Situation keine Schuld”, appellierte er.

Dabei ist das Prysmian-Werk bei weitem nicht die einzige Baustelle in Eschweiler und Stolberg. So sollen im Unternehmen KME Stolberger Metallwerk 102 von 231 Arbeitsplätzen bis März 2014 wegfallen. „Die Stimmung bei uns ist be...scheiden. Quasi jeder zweite Mitarbeiter bangt um seinen Arbeitsplatz”, beschrieb der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Daniel Dallendörfer die Situation. „Die Abläufe bei beiden Unternehmen sind ähnlich, denn auch KME hätte mit noch knapp 130 Mitarbeitern keine große Zukunft mehr”, wagte Helmut Wirtz, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Eschweiler/Stolberg, einen Blick nach vorne. „Nehmen wir die Konzepte der Arbeitgeber hin, gehen wir unter. In einer Zeit, in der so massenhaft Arbeitsplätze in Eschweiler und Stolberg vernichtet werden, müssen wir eine klare Sprache sprechen”, rief er den Versammelten zu. Dass die Bedeutung der Gewerkschaften wieder zunehme, sei ein Hoffnungsschimmer. „In den ersten neun Monaten dieses Jahres konnten wir mehr als 200 Neumitglieder verzeichnen. Das ist der größte Zuwachs seit mehr als zehn Jahren”, sagte er, bevor Manfred Menningen, Bezirkssekretär NRW, Eckpunkte der Tarifrunde 2012/2013 in der Metallindustrie nannte.
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