„Prostatakrebs-Thementag“: Den PSA-Wert immer im Auge

Von: ran
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Im Verbund stark im Kampf gegen das Prostatakarzinom: Die Veranstalter des Thementages mit den Referenten Dr. Jennifer Kranz (4.v.l.) und Professor Dr. Joachim Steffens (4.v.r.) sowie den Vertretern der Selbsthilfegruppe Bernhard Reimer (l.) und Robert Tillmann (2.v.r.). Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Die Diagnose kann „ihn“, aber auch seine ganze Familie und deren Umfeld aus dem Gleichgewicht bringen: Das „Prostatakarzinom“ ist die häufigste Krebsform beim Mann. Und in seinem frühen Stadium zeigt dieser Krebs oft keinerlei Symptome.

Aber: Wird er dennoch frühzeitig erkannt, ist der Prostatakrebs heilbar! Maßnahmen zur Früherkennung tun also Not. Spätestens ab dem 45. Lebensjahr sollte jeder Mann regelmäßig beim Urologen einen „Prostatacheck“ vornehmen lassen.

Freund und Feind zugleich

Um zu informieren und zu sensibilisieren, organisierten die Verantwortlichen der „Prostatakrebs Selbsthilfegruppe Eschweiler“ in Kooperation mit dem Prostatakarzinom-Zentrum des St.-Antonius-Hospitals Eschweiler den zweiten „Prostatakrebs-Thementag“. Unter der Überschrift „Prostata, des Mannes Freund, des Mannes Feind“ befassten sich Experten am Freitag in der Aula der Realschule Patternhof mit Fragen nach dem Sinn einer Vorsorgeuntersuchung, informierten, wer von der Früherkennung profitiert und beantworteten zahlreiche Fragen der Gäste.

Dr. Jennifer Kranz, Koordinatorin des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums der Urologie am St.-Antonius-Hospital, referierte zunächst über die „Anatomie- und Physiologie der Prostata“, die als pyramidenförmige Geschlechtsdrüse auf dem Beckenboden des Mannes ruht und im Normalfall zwischen 20 und 25 Gramm wiegt. „Das Gewicht ist aber auch auf Grund der möglichen gutartigen Erweiterung der Prostata nach oben offen“, so die Ärztin. 70 Prozent der Prostata bestünden aus der peripheren Außenzone, in der am häufigsten ein Karzinom entstehe. Werde dieses noch im Stadium, in dem es auf die Prostata begrenzt ist, diagnostiziert, sei die vollständige Heilung möglich.

Diagnosemöglichkeiten stellten das Abtasten der Prostata vom Enddarm aus, die Ultraschalluntersuchung sowie die Bestimmung des PSA(Prostata-Spezifisches-Antigen)-Wertes dar. Generell sei zu bedenken, dass die Bandbreite des Postatakarzinoms von einer wenig aggressiven, sehr langsam wachsenden Variante, „die dem Patienten wahrscheinlich kaum Probleme bereiten wird“, bis zu aggressiven, schnell wachsenden und damit sehr gefährlichen Arten reiche. Auch die möglichen Therapieformen seien breitgefächert und reichten von der Entfernung der Prostata (radikale Prostatektomie) durch Operation über eine Strahlentherapie bis hin zur medikamentösen antihormonellen Therapie.

Professor Dr. Joachim Steffens, Leiter des Prostatakarzinom-Zentrums, betonte, dass der Kampf gegen den Prostatakrebs nur im Team erfolgreich geführt werden könne: „Wir verfügen in Eschweiler und Umgebung über eine funktionierende Mannschaft, in deren Verbund das Karzinom-Zentrum, die Selbsthilfegruppe sowie die Urologen vor Ort, die als Anwälte der Patienten fungieren, eng zusammenarbeiten und pro Jahr in 280 Fällen Entscheidungen treffen.“ Generell appellierte der Chefarzt an das Verantwortungsbewusstsein, das in Sachen eigener Gesundheit bei Männern jedoch zu selten vorhanden sei. Seinen PSA-Wert bestimmen zu lassen, mache aber alleine dann Sinn, wenn der Patient nicht nur wissen wolle, ob er an Prostatakrebs erkrankt sei, sondern auch bereit sei, daraus Konsequenzen abzuleiten.

Genetisch vorbelasteten Patienten, deren Risiko etwa doppelt so hoch ist, an Prostatakrebs zu erkranken, als bei nicht vorbelasteten Menschen, empfiehlt Professor Dr. Joachim Steffens ein jährliches PSA-Screening. „Wobei klar sein muss, dass der PSA-Wert nur bei Menschen unter 55 Jahren unverfälscht ermittelt werden kann. Deshalb halte ich es für richtig, seinen Wert einmal vor dem 50. Geburtstag feststellen zu lassen. Liegt dieser Richtwert für zukünftige Untersuchungen unter Eins, reicht es, die nächste Untersuchung in fünf Jahren vornehmen zu lassen.“ Sei der Wert zwischen 1,5 und 2,9 angesiedelt, solle in zwei Jahren wieder nachgeschaut werden. „Wird ein Wert von drei oder höher ermittelt, schrillen die Alarmglocken“, so der Urologe. Entscheidend sei immer, den jüngsten Wert mit den vorherigen zu vergleichen. „Eine Verdoppelung des Wertes innerhalb eines Jahres ist ebenso ein deutliches Alarmzeichen“, unterstrich der Medinziner, der zum Ende seiner Ausführungen noch einmal auf die Bedeutung des PSA-Wertes hinwies. „Wir haben derzeit nichts besseres.“

Zum Abschluss des Thementages griff Bernhard Reimer, Leiter der Prostata-Selbsthilfegruppe Eschweiler, der im vergangenen Jahr mit Robert Tillmann diese Veranstaltung ins Leben gerufen hatte, zum Mikrofon: „Unser Ziel ist es, mit diesen Thementagen zu erreichen, dass sich von Prostatakrebs betroffene Männer bereiterklären, sich zu öffnen und über die Krankheit zu reden. Wir wollen Männer und ihre Angehörigen unterstützen, Entscheidungen zu treffen.“

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