Radarfallen Blitzen Freisteller

„Praise the Lord“: Vier junge Leute bereiten Musik-Gottesdienste vor

Von: Julia Meuser
Letzte Aktualisierung:
5113607.jpg
Praise the Lord – lobet den Herrn! Unter diesem Motto setzen junge Christen neue Akzente in Gottesdienstfeiern von St. Peter und Paul. Zum Beispiel am kommenden Sonntagabend.
5113603.jpg
Wollen mit „Praise the Lord“-Gottesdiensten mehr junge Leute zur Kirche bewegen: Mareike Wedekin, Tobias Schwamborn, Anna Houben und Celeste Schoenen (von links). Foto: Julia Meuser

Eschweiler. „Kirche ist altmodisch. Die Jugend verliert zunehmend ihr Interesse an der Kirche, sei es durch die meist kritischen Schlagzeilen in den Medien, oder auch die fehlende Akzeptanz seitens der Kirche bei vielen Aspekten. Kirche ist einfach uncool geworden“, bringt Anna ihre Ansicht auf den Punkt. Und damit steht sie nicht alleine da.

Ihre drei Mitstreiter nicken, aber trotzdem: einfach nur da sitzen und nichts tun möchte man auch nicht. Stattdessen will man sich engagieren, Kirche von innen heraus gestalten und damit auch andere Jugendliche ansprechen.

Aus diesem Grund organisieren Anna Houben, Celeste Schoenen, Tobias Schwamborn und Mareike Wedekin nun schon zum vierten Mal den Gottesdienst „Praise the Lord“. „Prinzipiell ist das eine ganz normale Sonntagabendmesse, jedoch durch einen Chor, eigens verfasste Texte oder auch der Agape im Anschluss, modern gestaltet“, versuchen die Vier ihr Projekt zu beschreiben. Musikalisch werden sie dieses Mal von dem „Mustard seed faith choir“ unterstützt, einem Gospelchor aus Aachen, bekannt für moderne US-amerikanische Black Gospel Musik. Seit etwa zwei Monaten treffen sie sich jetzt schon je zwei Stunden in der Woche, um diesen Gottesdienst auf die Beine zu stellen. Das grobe Gerüst des Gottesdienstes stehe seit dem ersten „Praise the Lord“-Gottesdienst, aber die Gestaltung sei immer wieder neu.

Ein eingespieltes Team

Doch was bewegt und motiviert diese Jugendlichen, sich in der Kirche zu engagieren und dafür oft auch Unverständnis zu ernten? Wer versteckt sich hinter „Praise the lord“?

Anna Houben ist mit 16 Jahren das Küken der Gruppe. Sie geht auf die Bischöfliche Liebfrauenschule und macht im nächsten Jahr ihr Abitur. „In meiner Freizeit treibe ich gerne Sport, am liebsten Leichtathletik, oder gehe joggen. Zusätzlich helfe ich bei der Organisation der Messdiener. Um auf Ausflügen die Messdiener betreuen zu können, habe ich auch schon einen einwöchigen Betreuungskurs gemacht. Selbstverständlich bin ich dabei auch selbst als Messdienerin aktiv.“

„Autorin“ der Runde ist Celeste Schoenen. „Wir besprechen die verschiedenen Aspekte, die zum Beispiel in den Fürbitten erwähnt werden sollten, und Celeste fängt einfach an zu schreiben. Meistens brauchen wir es dann nur noch absegnen. Das erleichtert vieles und spart Zeit“, schmunzeln die Andern. Celeste, 18 Jahre alt, macht derzeit ihr Abitur an der Bischöflichen Liebfrauenschule, leitet zusätzlich zwei Kinderturngruppen und ist Messdienerleiterin. Wenn dann noch Zeit bleibe, treffe sie sich mit Freunden, sie gehe feiern, treibe aber auch gerne Sport.

Auch Mareike Wedekin, 19 Jahre alt, steckt derzeit im Abistress. „Meine Freizeit besteht im Moment aus Lernen“, gesteht sie. „Sonst mache ich gerne Sport oder lese. Ich bin ebenfalls Messdienerin und helfe bei der Firmvorbereitung und bei der Organisation der Osternacht.“

Dwer 19-jährige Tobias Schwamborn ist indes für die Technik zuständig. Der Elektroniker für Betriebstechnik engagiert sich in seiner Freizeit im THW und ist zusätzlich Messdiener. Ebenfalls ist er in diversen Jugendkreisen aktiv, so bei der Vorbereitung der Osternacht, aber auch der Firmung.

Die Organisation liegt jedoch nicht nur in den Händen der Jugendlichen, denn sie werden tatkräftig von Thomas Mertes und Martina Gruppe unterstützt. „Wir sind ein eingespieltes Team und ergänzen uns prima“, sagen die vier Jugendlichen. „Thomas und Martina ebnen uns dabei den Weg. Sie sind quasi Mutter und Vater der Gruppe.“

In diesen Stunden der Vorbereitung wird jedoch nicht nur über den anstehenden Gottesdienst gesprochen. „Wir sprechen auch über aktuelle Themen der Kirche, wie das Zölibat, Aufarbeitung von Missbrauchsfällen, den Papstrücktritt und vieles mehr. Wir schweifen jedes Mal ab, aber das ist einfach typisch für die Gruppe“, lachen sie, und Celeste fügt hinzu „Eigentlich könnten wir drei Stunden früher fertig sein.“

Aber gerade darauf legen die Jugendlichen viel Wert: den Austausch zwischen Jugendlichen und Erwachsenen, auch über ernstere Themen. „Meistens ist das sogar für die Erwachsenen noch lehrreich“, sagt Thomas Mertes.

Die Reaktion anderer Jugendlichen auf die ehrenamtliche Arbeit der vier Jugendlichen in Bereich Kirche trifft jedoch meist auf Unverständnis. „Sehr viele reden über die Kirche, um eine Meinung zu haben, lassen sich dabei jedoch von Medien beeinflussen. Die Wenigsten machen sich ein eigenes Bild. Oft kriegt man das Gefühl, dass es niemanden mehr gibt, der sich dazu bekennt, Teil der Kirche zu sein“, berichten sie. „Kirche ist mit vielen Vorurteilen behaftet, so dass für viele Jugendliche andere Sachen einfach cooler sind als Kirche.“ Die meisten sind auf der Suche nach einer „Ersatzreligion“.

„Wenn ich mich von Menschen verabschiede und sage: Ich gehe jetzt gleich noch zur Kirche. Dann kommt meistens irgendein blöder Spruch und sofort beginnt eine Diskussion, wie blöd Kirche doch ist. Weil ich keine Lust habe, jedes Mal zu diskutieren, sage ich deshalb meistens nur noch: Ich muss dann jetzt weg. Dann werden meistens wenigstens keine blöden Fragen gestellt“, erzählt Celeste.

Hobby, das man nicht erwähnt

Diese Erfahrung musste bisher jeder der Jugendlichen machen. Die meisten würden dann geschockt reagieren und fragen „Wie, du bist kirchlich aktiv?!“ Anscheinend ist das jedoch nicht nur ein Thema in der Jugendzeit. Auch Erwachsene wissen über diese Phänomen zu berichten. „Wenn man in einer Gruppe zusammensitzt, überlegt man schon vorher, ob man sich outen solle, oder besser nicht. Meistens sind dann auch noch andere in der Gruppe, die dasselbe Problem haben und sich nicht trauen. Es ist schade, dass man sich mittlerweile dafür rechtfertigen muss, aktives Mitglied der Kirche zu sein“, sagt Thomas Mertes. Und weiter: Meistens wird man sofort in eine Schublade gesteckt, man ist „langweilig“ oder auch „spießig“. In der Kirche aktiv zu sein, ist einfach ein Hobby, das man nicht erwähnt. Da sind sich alle einig.

Um darauf aufmerksam zu machen, soll nun ein neues Projekt auf die Beine gestellt werden: da viele Jugendliche und junge Erwachsene ähnlich denken, soll nun das Ziel sein, aktiv auf diese zu zugehen. Gemeinsam könne man sich engagieren, in der Kirche was bewegen, und das über Glaubensrichtungen hinweg. Jeder Jugendliche soll sich dabei angesprochen fühlen, auch die, die nicht aktiver Teil einer Gemeinde sind.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert