Eschweiler - Polizei will Einbrechern Riegel vorschieben

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Polizei will Einbrechern Riegel vorschieben

Von: Christina Handschuhmacher
Letzte Aktualisierung:
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Ein paar Sekunden nur und schon ist die Terrassentür auf: Die Beamten des Kriminalkommissariat 44 haben sich deshalb das Ziel gesetzt, Einbrechern einen Riegel vorzuschieben.

Eschweiler. Es gibt Menschen, die empfinden Ekel beim Gedanken daran, dass jemand in ihrer Unterwäsche, ihren Kleidern, ihren Schubladen gewühlt hat. Sie waschen alles mehrfach; manche Dinge schmeißen sie weg. Andere werden das permanente Gefühl der Unsicherheit im eigenen Zuhause nicht mehr los.

Es dauert Wochen, manchmal Monate bis sie wieder durchschlafen können. Andere leiden noch Jahre nach dem Einbruch unter Angstzuständen. Und dann gibt es die, die es nicht mehr aushalten in dem, was einmal ihr Zuhause war. Sie kündigen den Mietvertrag oder verkaufen Haus oder Wohnung und ziehen weg.

„Der emotionale Schaden, der bei einem Einbruch entsteht, ist wesentlich höher als der materielle“, sagt dann auch Kriminalhauptkommissar Manfred Beier vom Kriminalkommissariat 44 der Polizei Aachen, das für Kriminalprävention und Opferschutz zuständig ist. In diesen Tagen sind Beier und seine Kollegen mit ihrem Info-Mobil in der Städteregion unterwegs. „Riegel vor!“ heißt die landesweite Kampagne, an der sich auch die Polizei Aachen beteiligt.

Das am Freitag in der Marienstraße geparkte Polizeiauto ist kaum zu übersehen: „Achtung! Warnung! Einbrecher zur Tageszeit aktiv“ steht in riesigen schwarzen und roten Buchstaben auf dem Fahrzeug. Die Polizeibeamten vom Kriminalkommissariat 44 sind gezielt in die Eschweiler Innenstadt gekommen: Genau wie in den Städten Aachen und Stolberg hat die Polizei auch hier in den vergangenen Wochen verstärkt Einbrüche registriert.

Normalerweise, erzählt Beier, seien die Einbrecher vor allem in den Wintermonaten aktiv. Dann, wenn die frühe Dunkelheit ihnen Schutz bietet. „Umso überraschter sind wir, dass die Zahlen auch bundesweit in den letzten Wochen massiv angestiegen sind“, sagt der 55-Jährige.

Für das Jahr 2013 gibt es naturgemäß noch keine Zahlen – im Jahr 2012 zählte die Polizei 1818 Einbrüche in der Städteregion Aachen, die damit deutlich unter dem Landesschnitt lag. Dennoch: die Aufklärungsquote ist gering. Nur jeder zehnte Wohnungseinbruch wird aufgeklärt.

Deshalb wollen Manfred Beier und seine Kollegen die Menschen für das Thema Einbruch sensibilisieren. Gemeinsam den Einbrechern einen Riegel vorschieben, ist Beiers Motto. „Wir sind beim Thema Einbruch auf die Hilfe der Bürger angewiesen“, sagt der Kriminalhauptkommissar. Schon ein ungutes Bauchgefühl reiche aus, um die Polizei zu informieren. Fährt ein Auto mit einem fremden Kennzeichen ständig die Straße rauf und runter? Geht auf dem Grundstück des Nachbarn das Licht an, obwohl man gerade gesehen hat, dass die ganze Familie mit dem Auto weggefahren ist? „Der wachsame Nachbar ist ein großer Feind des Einbrechers“, sagt Beier.

Wer sich nicht auf die Aufmerksamkeit der Nachbarn verlassen will, kann auch selbst einiges tun, um sich vor Einbrüchen zu schützen: „Es ist wichtig, Anwesenheit vorzutäuschen“, weiß Beier. Zum Beispiel indem mittels einer Zeitschaltuhr zu bestimmten Uhrzeiten das Licht im Haus angeht. Auch die Rollläden sollte man nicht permanent unten lassen. „Vertrocknete Blumen, seit Wochen nicht gemähter Rasen – es gibt einiges, woran Einbrecher erkennen können, dass niemand zu Hause ist.“

Und natürlich sollte man es potenziellen Einbrechern auch nicht extra leicht machen. Gekippte Fenster, nicht abgeschlossene Haustüren oder Kletterhilfen im Garten wie Leitern oder Gartenmöbel seien für Einbrecher geradezu Einladungen, ins Haus einzusteigen. Auch von Verabschiedungen in den Urlaub auf dem Anrufbeantworter oder in sozialen Netzwerken wie Facebook rät Beier dringend ab: „Deutlicher kann man nicht offen mitteilen, dass in der nächsten Zeit niemand zu Hause ist.“

Stattdessen gilt: „Nutzen Sie die technischen Möglichkeiten, die es heute gibt“, appelliert Beier an die Bürger.

Das heißt: Fenster und Türen mit Sicherheitstechnik nachrüsten, Alarmanlagen einbauen lassen. Beier würde sich wünschen, dass es etwa bei Neubauten nicht nur darum geht, Fenster und Türen unter dem Aspekt der Energieeffizienz einzubauen, sondern auch möglichst einbruchssicher zu gestalten.

Dass diese Maßnahmen Wirkung zeigen, lässt sich an der Statistik ablesen. Denn eine positive Zahl hat Beier dann doch noch: „Mittlerweile bleiben 40 Prozent der Einbrüche im Versuchsstadium stecken.“

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