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„Politsatire 3” im Kulturzentrum Talbahnhof

Von: kaba
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Boten mit „Politsatire 3” ein großartiges Programm: Andreas Thiel und Les Papillon. Foto: Katja Bach

Eschweiler. Satire einmal auf anderem Niveau, das war es was Andreas Thiel und Les Papillon am Samstag auf der Talbahnhofbühne präsentierten.

In ausgeglichener Abwechslung von Politsatire und Musikcento begeisterten die drei Schweizer das Publikum, auch wenn es nicht die vielleicht erwarteten lauten Lacher gab. Das lag in keiner Weise daran, dass es nicht komisch war, was Thiel da auf die Bühne brachte, sondern ganz schlicht am Schweizer Humor, wie er auch gleich zu Beginn seines Auftritts erklärte. In den ersten Minuten unterrichtete er die Gäste nämlich über die Unterschiede des deutschen, österreichischen und schweizer Humors. Während es in Deutschland etwa üblich ist, dass man gerne laut lacht, ist das bei den Österreichern schon weniger der Fall und die Schweizer, so Thiel, lachen gar nicht gerne laut, sondern werden lieber zum Denken angeregt und amüsieren sich über Andeutungen und Doppeldeutigkeiten.

Und so war es dann auch am Samstag nicht der Fall, dass Thiel große Pointen verlauten ließ, sondern viele kleine, vielleicht auch gut versteckte Andeutungen machte. Das tat der Stimmung jedoch keinen Abbruch, denn das deutsche Publikum stellte sich schnell auf diese Art ein und allerseits sah man nach wenigen Minuten bereits die ersten Schmunzler und weil Lachen ja nicht verboten, sondern vielleicht nur nicht so leicht war, hörte man der Menge dennoch an, dass sie die doppelten Böden in Thiels Aussagen erkannt hatten. Da diese Art der Satire den Intellekt des Publikums sehr stark fordert, habe es sich in der Schweiz bewehrt, den Abend immer wieder durch Musik aufzulockern, weshalb Thiel seit ca. sieben Jahren mit Les Papillon unterwegs ist.

Die beiden Künstler ebenfalls aus der Schweiz, machen zwar etwas Ähnliches wie Thiel, jedoch erkennt man bei ihnen sofort, worum es geht. Michael Giertz und Giovanni Reber nehmen nämlich viele verschiedene Musikstücke komplett auseinander und setzen sie zu eigenen Kompositionen wieder zusammen. Das Besondere: das neu entstandene Stück kann zu einem Oberthema zusammengefasst werden. So präsentierten sie zum Beispiel im Talbahnhof ein Stück, das man mit dem Thema Geld zusammenfassen könnte und das unverblümt eine Anspielung auf die Griechen war, über die Thiel Minuten vorher gesprochen hatte.

Mit einer unglaublichen Leidenschaft spielten sie so ein Ensemble aus dem man unter anderem „Money, Money, Money” von Abba oder das Volkslied „Taler, Taler du musst wandern” heraushören konnte. Auch die anderen Stücke, die Les Papillon zum Besten gaben, ließen eine unglaubliche Emotion spüren, denn die beiden Künstler waren ganz in ihre Werke versunken.

Mit ausgeprägter Gestik und Mimik sowie einer exzellenten Interaktion untereinander zogen sie die Besucher in ihren Bann, sorgten für Lacher oder für Gänsehaut. Von den sanftesten Tönen bis zu aggressiver Lautstärke war alles dabei. Ein gelungener Kontrast zu Thiel, der die Zuschauer danach immer wieder zurück in die Realität holte und sich erneut über Kriegspolitik, Regierungen oder die Religionen ausließ. So gab er in Form eines Selbstdialogs einen Einblick in die Neutralität der Schweizer Armee, bot den deutschen fünf Schweizer Politiker im Tausch für Außenminister ?.. an oder erläuterte auf recht bemerkenswerte Weise, dass der Papst der Nachfolger Jesu sei.

„Vor ca. 2000 Jahren schleppte sich ein vom Volk gepeinigter [etliche nähere Erläuterungen]Mann mit einem Kreuz blutend einen Berg hinauf, um zu sterben. Heute hebt sich ein wohlgenährter weißer in Spitzenhemdchen [ebenfalls etliche nähere Erläuterungen] aus seinem Papamobil, ein kleines Holzkreuz um und behauptet er sei der Nachfolger Jesu!”.

Aber auch die Muslime und Juden sowie Regierungsbeschlüsse und Volksabstimmungen bekamen ihr Fett weg. Eine greifbare Essenz war dabei schwer auszumachen, aber auch das hatte Thiel zu Beginn angekündigt, denn „Es geht um Atheismus. Atheismus hat, wenn man es genau betrachtet, keinen Sinn. Also da auch dieser Abend dann an sich eigentlich keinen Sinn hat, handelt es sich wohl um Kunst”. Das kann man so stehen lassen oder auch, frei nach Schweizer Humor, auf einen doppelten Boden untersuchen. Was auch immer die Eschweiler mit Thiels Aussagen gemacht haben, war es doch ein interessanter Abend. Satire mal auf andere Art und auch wenn die drei Schweizer eher selten nach Deutschland reisen, wird man sich vielleicht noch einmal im Talbahnhof sehen können.
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