Eschweiler - Pionierarbeit für die Tiefseeforschung

CHIO-Header

Pionierarbeit für die Tiefseeforschung

Von: Jörg Abels
Letzte Aktualisierung:
u_boot4_xxx
Noch existiert das U-Boot nur auf dem Plan von Kurt Ensmann, Geschäftsführer der Gebrüder Quast GmbH & Co. KG, die in 2011 endgültig nach Eschweiler übersiedelt. Von September bis Januar soll der Druckkörper in Pier gefertigt werden. Foto: Jörg Abels

Eschweiler. In der chemischen Industrie gehört die Firma Gebrüder Quast GmbH & Co. KG seit Jahrzehnten weltweit zu den ersten Adressen, wenn es um den Bau tonnenschwerer Wärmetauscher, Verdampferanlagen und Destillationskolonnen geht, die auch schon mal eine Länge von bis zu 50 Meter und einen Durchmesser von bis zu 4,50 Meter erreichen.

Jetzt hat der mittelständische Apparate- und Anlagenbauer aber ein ganz neues Tätigkeitsfeld für sich entdeckt, den U-Boot-Bau. „Wir fertigen für eine in der Tiefseeforschung tätige Stiftung den Druckkörper für ein bemanntes U-Boot, das eine Tauchtiefe von bis zu 1000 Meter erreichen soll”, erklärt Geschäftsführer Kurt Ensmann.

Für die Tiefseeforscher soll sich mit dem U-Boot aus Pier eine ganz neue Welt erschließen. „Mit ihrem bisherigen Boot ist in 500 Metern Tiefe Schluss”, erklärt Ensmann. In dem sechs Meter langen Tauchboot, das einen Durchmesser von anderthalb Meter haben wird, sollen drei Personen Platz finden, die in der absoluten Dunkelheit der Tiefsee mithilfe von Lichtstrahlern bislang unbekanntes Leben auf Film bannen wollen.

Mit einem Roboterarm soll auch die Möglichkeit zur Entnahme von Proben geschaffen werden.

Für den Metallbauspezialisten ist der U-Boot-Bau eine ganz neue Herausforderung. „Zwar ist die Verarbeitung der Metalle mit unseren bisherigen Projekten vergleichbar”, betont der Geschäftsführer, diesmal lastet der Druck aber nicht von innen, sondern von außen auf der Konstruktion.

Und das nicht zu knapp. Ensmann spricht von tausenden Tonnen, denen der Druckkörper standhalten muss. „Die konstruierte Geometrie in den sehr engen Toleranzen zu realisieren”, sei deshalb auch die größte Herausforderung, die auf seine Mitarbeiter wartet, betont Ensmann.

Seit Herbst 2008 arbeitet das Unternehmen in einem Projektteam mit dem Germanischen Lloyd an den U-Boot-Plänen. Die Hamburger überwachen Schiffsneubauten in Deutschland und erteilen die für den Bau benötigen Zertifikate.

Der Germanische Lloyd war es auch, der den Kontakt zwischen den Tiefseeforschern der Stiftung und den Metallbau-Profis herstellte, nachdem große deutsche Werften abgewunken hatten. Ein intensiver Austausch mit der Stiftung folgte. Denn für den U-Boot-Bau sei absolutes Vertrauen in die Fähigkeiten des Partners notwendig, macht Ensmann darauf aufmerksam, dass die Konstruktion zwar noch einer Außendruckprüfung unterzogen wird.

„Der letzte Test aber muss vom Menschen selbst gemacht werden.” Eine Tauchtiefe von bis zu 1000 Meter könne nicht mehr simuliert werden. Und das Boot ist frei fahrend. Eine Verbindung zur Oberfläche für den Notfall wird es nicht geben.

Im September wollen die Pierer Anlagenbauer mit dem Bau beginnen, im Januar soll der Druckkörper fertig sein und geprüft werden, ehe er zu seinem Einsatzort auf die Azoren gebracht und mit den noch erforderlichen Einbauten sowie der Elektrik ausgestattet wird.

Zwar sieht die Gebrüder Quast GmbH & Co. KG, die bis 2011 tagebaubedingt nach Eschweiler umsiedelt, ihre Zukunft auch weiterhin im Bereich der chemischen Industrie, hofft aber mit dem U-Boot als Referenzenobjekt einen Fuß in den zukunftsträchtigen Markt der Tiefseeforschung setzen zu können.

Ensmann spricht den Bereich der medizinischen Grundlagenforschung an, aber auch den Abbau von Bodenschätzen. Zukunftsmärkte, für die sicher noch das eine oder andere tiefseetaugliche U-Boot benötigt wird.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert