Pilgern nach Kevelaer: Balsam für Seelen und wunde Füße

Von: Julia Meuser
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Zahlreiche Eschweiler Gläubig
Zahlreiche Eschweiler Gläubige nahmen an der Prozession zur Kerzenkapelle in Kevelaer teil. Foto: Julia Meuser

Eschweiler. Die Pfarrkirche St. Antonius in Kevelaer ist festlich geschmückt, die Gläubigen rücken auf den Sitzbänken zusammen, damit auch wirklich jeder einen Sitzplatz bekommt. Denn Sitzen, die Beine und Füße auch nur wenige Minuten auszuruhen, ist ein wertvolles Gut geworden.

Die Orgel erklingt und die Messdiener betreten mit sieben Pfarrern die Kirche. Der Gottesdienst beginnt. Unter dem Motto „Du hast bei Gott Gnade gefunden!” dreht sich heute, wie auch in den vergangenen und kommenden Tagen, alles um Maria, die Trösterin der Betrübten.

Im Anschluss der feierlichen Messe findet eine Prozession zu der Gnadenkapelle statt: Ein sechseckiger Kuppelbau, an einer Seite eine große Fensteröffnung, durch die man das Gnadenbild betrachten kann. Pilger können so nicht nur von innen einen Blick auf das Bild der Mutter Gottes werfen, sondern auch von draußen. Danach verstreut sich die Menge, um wenige Stunden später gemeinsam den Kreuzweg anzutreten. Der Haupttag der Kevelaer-Wallfahrt lud zum Entspannen ein.

Am Sonntag machten sich die insgesamt 145 Pilger gemeinsam mit dem Präses Pfarrer Dr. Andreas Frick auf den Weg. Auch mit dabei: Pfarrer Christoph Graaff, Krankenhausseelsorger des St.-Antonius-Hospitals Eschweiler und Pfarrer Frank Hendriks, der vielen Inde­städtern noch als Diakon in Erinnerung geblieben ist. Nach der Heiligen Messe traten sie den 105 Kilometer langen Weg gemeinsam an. Über Aldenhoven und Rurdorf gelangten sie schließlich gegen 17.30 Uhr an ihrem ersten Tagesziel, Houverath.

Der nächste Tag führte die Pilger nach einer Pause in Dilkrath nach Hinsbeck. Dort feierten sie um 19 Uhr die Abendmesse in der Pfarrkirche St. Peter. Am Dienstag erreichten sie endlich Kevelaer. Nach dem Morgengebet kehrten sie schließlich am Nachmittag in der Kerzenkapelle in Kevelaer ein. Abends traf man sich und feierte Pilgerjubilare. So nahm Margret Badenheuer bereits zum 25. Mal die Strecke in Angriff. Pfarrer Dr. Andreas Frick berichtete in seiner Predigt am nächsten Morgen schmunzelnd: „Sie mussten sicher früh aufstehen, liebe Kevelaer-Besucher, doch unsere Pilger sind letzte Nacht erst sehr spät ins Bett gegangen. Da gleicht sich das wieder aus.”

Nach der Heiligen Messe hatte man Zeit, bevor wenige Stunden später der Kreuzweg begann. Was tun mit der freien Zeit? Die meisten gingen jedoch zunächst entweder in das Hotel „Goldener Schwan”, in das „Bühnenhaus” oder auch in das Priesterhaus. Was all diese Orte gemeinsam haben? Dort saß jeweils eine Fußpflegerin und versorgte die wunden Füße der Pilger. „Bei diesem schwülen Wetter ist es besonders schlimm”, klagte Anita Hendricks, eine der fünf Fußpflegerinnen. Am Montagabend in Hinsbeck war die Nachfrage so groß, dass eine große Warteschlange fast bis hinaus auf die Straße führte. „Um alle zu versorgen, haben wir zu fünft eine ganze Stunde gebraucht!” Ihr Tipp: Am besten sollten die Pilger Gelturnschuh in ein oder sogar zwei Nummern größer sowie Strümpfe ohne Nähte tragen.

Trotz aller Schmerzen und Strapazen: die meisten Pilger sind „Wiederholungstäter”. „So eine Fußwallfahrt schweißt einfach zusammen”, meinte Domkapitular Pfarrer Peter Müllenborn. Insgesamt 17 Jahre wirkte er in Eschweiler, bis er schließlich am 6. Mai 2007 seinen Abschied feierte. Seitdem lebt er in Schleiden. Seine Zeit in Eschweiler wird er dennoch immer in Erinnerung behalten und nicht nur das: Er verspürt sogar ein wenig Heimweh. „Da ist es ganz schön, hier in Kevelaer wieder ein paar bekannte Gesichter zu sehen, denn: Ganz Eschweiler ist heute schließlich in Kevelaer!”, lachte er.

Und da hatte er nicht ganz Unrecht: Am Hauptag waren nämlich neben den 145 Pilgern auch fast 400 Besucher mit Bussen extra aus Eschweiler angereist. Auch Pfarrer Dr. Andreas Frick, seit Mai 2007 Leiter der Gemeinden Eschweiler-Mitte, war begeistert. Er nimmt in diesem Jahr zum sechsten Mal an der Fußwallfahrt teil. Stolz ist er auf die hohe Anzahl von Jugendlichen. „Viele Kinder warten schon sehnsüchtig darauf, dass sie endlich mitgehen dürfen, denn für die Teilnahme muss man mindestens neun Jahre alt sein.” Über 40 Jugendliche nehmen diesmal teil.

Neben Pfarrer Christoph Graaff und Pfarrer Frank Hendricks wurde Pfarrer Dr. Andreas Frick noch von weiteren Geistlichen unterstützt: Ralph Osnowski, Pfarrer in Dürwiß, Peter Pütz, ehemaliger Kaplan in Eschweiler, und der ehemalige Dechant Josef Wienand reisten extra nach Kevelaer, um am Mittwochmorgen die Messe zu feiern. Auch an Pfarrer Thomas Faltyn, der lange Zeit als Kaplan in Eschweiler wirkte, erinnern sich viele der Pilger gerne.

Am Donnerstag brachten die Eschweiler Pilger den „Heiligen Kranz”, der seit Sonntag ihren Weg begleitet, zur Gnadenkapelle in Kevelaer. Am Samstagmorgen, so der Vorsitzende der Kevelaer-Bruderschaft, Franz-Josef Dittrich, wird die Gruppe einen neuen Kranz erhalten. Mit diesem werden sie dann nach Eschweiler zurückkehren. Ein Pilger wird ihn am Ende behalten dürfen.

Die Kevelaer-Bruderschaft wurde bereits im Jahre 1901 gegründet. Der Kölner Erzbischof Hubert Simar setzte sie am 5. August 1901 unter dem Titel „Maria, Trösterin der Betrübten” ein.

Während der Weltkriege fand die Wallfahrt von Eschweiler nach Kevelaer mehrmals nicht statt. Doch ins Vergessen geriet sie nie: so fuhr ab dem Jahre 1924 auch der erste Sonderzug von Eschweiler nach Kevelaer. Und auch die erste Bahnwallfahrt nach dem Kriege wurde bereits im Jahre 1946 mit etwa 600 Pilger veranstaltet.

Auch die Fußwallfahrt blühte auf. Im ersten Wallfahrtsjahr nach dem Zweiten Weltkrieg, in 1948, machten sich 70 Gläubige auf. Heute sind es insgesamt 145 Pilger, die an der 278. Fußwallfahrt teilnehmen.

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