Ob Angola oder Aachen: Aids betrifft weiter jeden

Von: thd
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Die Klasse hat zwar gedacht, s
Die Klasse hat zwar gedacht, sie wüsste schon das Wichtigste für Aids und HIV. Wie der Pandemie aber tatkräftig entgegen getreten werden kann, haben sie durch den missio Aids-Truck erfahren. Foto: Theres Dickmeis

Eschweiler. Auf dem Boden liegt eine Weltkarte. Darum stehen Schlagwörter, die den Schülern spontan einfallen: Bildung, Blut, Diskriminierung, Tabuthema, Ungeschützter Geschlechtsverkehr. Dass die Rate der HIV-Infizierten in Afrika am höchsten ist, wussten die Schüler.

Dass sie aber tatsächlich 22 Millionen beträgt, wussten sie nicht. Und schon keiner hat daran gedacht, dass die meisten Aids-Opfer auch Waisen hinterlassen, deren Zahl genau so groß ist wie die der Einwohner von Österreich und der Schweiz. In den Gesichtern liest Lehrerin Elisabeth Neukamp viel Interesse - aber auch Betroffenheit und Schockierung. Der missio-Aids-Truck verfehlt seine Wirkung am Berufskolleg Eschweiler nicht und macht vielen Schülern deutlich, dass das Thema Aids jeden betrifft. Mit Aufklärung, Bildern und Geschichten informiert Lisa-Marie Schulz mit ihrem Team und bespricht gleichzeitig auch das dringendste Problem des afrikanischen Kontinents offen mit Schülern und Lehrern.

Der missio Aids-Truck konfrontiert die Jugendlichen multimedial und erlebnisorientiert und tourt noch bis heute durch das Bistum Aachen. Der Arbeitskreis Aids Aachen, der sich aus Vertretern der katholischen Hilfswerke missio, Misereor, dem Kindermissionswerk sowie dem bischöflichen Vertretern für den Bereich HIV und Aids und der Aids-Hilfe in Aachen zusammensetzt, lud den Truck bereits zum 6. Male ins Bistum ein.

Im 21 Meter langen Lkwnehmen die Jugendlichen an einer Reise nach Afrika teil. An Beispielen eines Jungen aus Südafrika und eines Mädchen aus Uganda bekommen sie Einblicke und müssen, begleitet von den bewegenden Schicksalen, von einem Raum zum Nächsten marschieren. Dort wird ihnen gezeigt, wie afrikanische Altersgenossen mit den Folgen leben müssen und wie sie der Krankheit entgegentreten können. Außerdem steht eine afrikanische Gesundheitsstation einer deutschen Arztpraxis entgegen, sodass der Unterschied zwischen den zwei Kontinenten einmal mehr verdeutlicht wird. Im Gedächtnisraum wurde es vielen Schülern schwer um das Herz. Auf kleinen Kärtchen haben Angehörige Wünsche und Trauerbeiträge verfasst, da sie alle jemanden durch Aids verloren haben. Die Schüler sehen, dass ein kleines Mädchen um ihre Großeltern trauert und ein Junge um seinen besten Freund und dass die Infektion keine Frage der Nationalität ist. „Egal, ob wir in Angola oder Aachen leben, in Mosambik oder München”, steht im Truck geschrieben. „Aids betrifft jeden.” Der Besuch des Teams schließt persönliche Gespräche ein.

Nachdem die Schüler den Truck erkundet haben, wird ihnen noch einmal erklärt, dass sich Aids unter anderem durch ungeschützten Geschlechtsverkehr überträgt. In einer anschließenden Auswertung wichen die multimedial- und erlebnisorientierten Beiträge dann harten Fakten, die jeden einmal mehr zum Nachdenken brachten. Von 73.000 Infizierten wissen 14.000 nicht, dass sie dieses Virus haben und verbreiten es weiter. Und da es immer noch kein Gegenmittel gibt, versuchte Lisa-Marie Schulz die Schüler weiter zu sensibilisieren: „Durch einen Test könnt ihr euch sicher sein, dass ihr beim Geschlechtsverkehr keine Menschen gefährdet. Auch wenn ihr euch sicher fühlt, ist blindes Vertrauen nicht immer der richtige Weg.”

Die Hoffnung, den ein oder anderen ernsthaft erreicht zu haben, hat auch Lehrerin Elisabeth Neukamp. „Klassen und Lehrer konnten auf freiwilliger Ba sis an dem Projekt teilnehmen. Die Gespräche mit einer Fachfrau wie Schulz erreichen meistens mehr bei den jungen Erwachsenen, als das Thema im Unterricht anzusprechen”, sagte die Pädagogin mit dem Hintergrund eine Klausur über die biologischen Teil zu schreiben. „Dadurch erhoffe ich mir, dass sich die Schüler ernsthaft mit dem Thema auseinander setzten.” Auch Schulleiter Manfred Hahnen sieht den missio-Truck als wichtigen Schritt. „Wir sind die größte Schule in der Städteregion mit 2842 Schülern. Als ,Bündelschule haben wir ein breites Feld an Berufen und Schülern und darunter gibt es Gruppen, die noch nicht so aufgeklärt sind, wie andere”, erläuterte der Direktor.

Und nicht nur die Schüler im Truck beschäftigen sich mit dem Thema. Die Schüler, die am Truck vorbeigehen werden durch ein sekündliches Klacken aufmerksam, das alle zwölf Sekunden durch einen lauten Ton unterbrochen wird. Dieses Geräusch bleibt hoffentlich allen lange in Erinnerung, denn alle zwölf Sekunden infiziert sich jemand neues mit dem Virus - nicht nur in Afrika.
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