Nur von giftigem Getier hält der „Exoten-Chef” nichts

Von: sh
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Hund und Katze hat doch jeder: Schlangen als Haustiere werden immer beliebter. Allerdings: Wer keine Erfahrungen mit Reptilien hat, sollte sich vor einem Kauf sehr gründlich informieren. Foto: Stephan Herrmann

Eschweiler. „Schatz, bringst du bitte eine Tiefkühlpizza aus dem Gefrierschrank mit?” „In welchem Fach liegt die denn?” „Direkt neben den gefrorenen Mäusen.” Ja, solche Gespräche werden in deutschen Haushalten wirklich geführt.

Denn während Mensch den heimischen Fernsehabend mit kulinarischen Leckereien von Bofrost & Co. beginnt, wartet auch die Familienschlange auf ihre Nahrung.

„Bei uns liegen die eingeschweißten tiefgefrorenen Mäuse zwar normalerweise in einem separaten Fach, aber ja, es ist auch schon mal vorgekommen, dass sie neben der Pizza lagen”, gibt Michael Schaub zu.

Der Züchter hatte wie viele Gleichgesinnte seine Reptilien-Reisetasche gepackt und war an diesem Wochenende nach Eschweiler gekommen, genauer gesagt: in die Dürwisser Festhalle.

Dort lockte am Sonntag die „Internationale Exotikmessse” (ExoMe) hunderte Schlangen- und Spinnenfans an. International und exotisch war hier weniger die Schaulustigen-Schar, dafür aber die ausgestellten, und vor allem auch zum Verkauf dargebotenen Tiere.

„Es ist der Reiz des Außergewöhnlichen”, weiß Veranstalter Georg H. Hohmann. In der Region aufgewachsen, zog es ihn aus familiären Gründen vor 20 Jahren in den Osten der Republik nach Dessau. Den Kontakt zur Heimat hat er nicht verloren.

Und nun kommt er, so lautet sein Versprechen, wieder regelmäßig in den Westzipfel. Denn die 1. ExoMe mit Reptilienbörse in Dürwiß soll beileibe nicht die letzte gewesen sein. Der Erfolg gibt ihm Recht. Bereits um kurz nach 10 Uhr bildet sich am Eingang eine kleine (Menschen-)Schlange. Mit Kind und Kegel kommen die Leute.

„Viele Familien mit Kindern nutzen unsere Veranstaltung auch als Zoobesuch”, schätzt Hohmann 30 Prozent der Besucher als reine Reptilien-Schauer.

Die anderen wollen neben „Schauen und Staunen” auch „Tauschen, Informieren und Kaufen”. Das kündigte das Werbeplakat im Vorfeld an. Und wer noch eine exotische Spinne oder Schnecke, eine windige Schlange oder einen kleinen Gecko für daheim suchte, wurde fündig.

Eines, darauf legt Organisator Hohmann viel Wert, gebe es bei seinen Börsen allerdings nicht: giftige Tiere. „Das halte ich für unverantwortlich und daher gehört es hier nicht hin”, weiß er allerdings, dass es dafür einen, auch rechtlich nicht grundsätzlich verbotenen, Markt in der Bundesrepublik gibt.

Schlangen werden recht alt

In Dürwiß herrscht dagegen Familienflair. Viele Kinder bestaunen die Exoten aus fremden Ländern. Wobei die Reptilien eigentlich alle „deutsche Staatsbürger” sind, denn geboren und aufgewachsen sind sie bei heimischen Züchtern. Apropos Wachsen: „Man sollte beim Kauf einer Schlange oder eines Leguans in jedem Fall bedenken, dass diese im ausgewachsenen Zustand das Terrarium im Wohnzimmer sprengen können”, warnt Hohmann vor allzu kurzentschlossenen Käufen. Daher gilt immer: Vorher informieren und erst dann kaufen.

Und auch die Lebenserwartung vieler Tiere sollte man nicht unterschätzen: „Bei guter Pflege sind 20 Jahre für eine Schlange kein Problem”, weist Michael Schaub, der auch als Veranstalter der Reptilienbörse Lohmar tätig ist, auf die Langlebigkeit von Natter & Co. hin.

Die Angebotspalette in der Festhalle kann sich derweil sehen lassen: Neben Reptilien, Amphibien und Insekten gibt es Zubehör in allen Farben und Formen, Terrarien und Pflanzen. „Alles was man braucht”, so Hohmann. Für die Zukunft schwebt ihm vor, den Bereich Aquaristik ebenfalls in das ExoMe-Angebot zu integrieren.

Dann soll es vielleicht auch die „Mäuse auf Eis” geben. Denn am Sonntag fehlte das gefrorene Schlangenfutter noch, dass es - ganz „convenience food” - in den passenden Größen als Pinkys (Babys), Fuzzis (Kinder), Springer (Jugendliche) und Adulte (Erwachsene) gibt. „Babyschlange gleich Babymaus”, bringt es der Kölner Michael Schaub auf den Speiseplan-Punkt.

Der Rest ist ein spannender Gang vorbei an Spinnen, Schnecken, Schlangen, ein Blick auf Wasseragame und Stabheuschrecken. Danach geht´s ab nach Hause. Das Mittagessen wartet. Es gibt Tiefkühlpizza.
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