Notschlafstelle für Jugendliche: für viele die letzte Bleibe

Von: Andreas Röchter
Letzte Aktualisierung:
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Auch wenn die Verzweiflung groß ist, Jugendliche werden vom Kooperationsprojekt „Notschlafstelle” des Hauses St. Josef Eschweiler und des Agnesheims Stolberg nicht alleine gelassen. Foto: imago

Eschweiler. Seit einem halben Jahr läuft nun unter der Überschrift „Prämie 84” das Kooperationsprojekt „Notschlafstelle” des Hauses St. Josef Eschweiler und des Agnesheims Stolberg.

In ihm bieten beide Einrichtungen Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren, die durch andere Angebote der Jugendhilfe nicht mehr erreicht werden, eine Übernachtungsgelegenheit, die sich in der Stolberger Prämienstraße 84 befindet. Jetzt legte Robert Wagner, der stellvertetende Leiter des Hauses St. Josef, einen ersten Erfahrungsbericht vor.

„Die Entscheidung, dieses Projekt zu starten, hat sich als richtig erwiesen. Inhaltlich haben wir gute Erfahrungen gemacht”, zog Robert Wagner ein grundsätzlich positives Fazit. Die Wirtschaftlichkeit sei jedoch noch nicht durchgehend gegeben.

Im März ausgelastet

Neun Jugendliche können die Einrichtung jeweils zwischen 19 und 9 Uhr nutzen. „Im März waren wir ziemlich ausgelastet, im Januar lag der Durchschnitt bei 5,8 Übernachtungen. 6,3 Übernachtungen brauchen wir, um schwarze Zahlen zu schreiben”, so der Diplom-Pädagoge, der aber von der Notwendigkeit des Projekts überzeugt ist. „Wir treffen hier auf Jugendliche, die wir kennen. Viele haben bereits zahlreiche Aufnahmen in anderen Einrichtungen hinter sich”, so Robert Wagner, der ausdrücklich darauf hinwies, dass nicht nur Jugendliche aus Eschweiler und Stolberg das Angebot nutzen, sondern junge Menschen aus der gesamten Städteregion sowie den Kreisen Düren, Geilenkirchen und Heinsberg die Prämienstraße als Anlaufstelle sehen. „Obwohl viele dieser Jugendlichen sich selbst als nicht gruppenfähig betrachten, ist die Sehnsucht, die Bedürftigkeit nach Zuwendung groß. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir von jungen Menschen reden, die keine Anlaufstelle mehr haben”, machte Robert Wagner deutlich.

In die gleiche Kerbe schlägt Jugendamtsleiterin Gabi Brettnacher: „Mit diesem Projekt zeigen wir Jugendlichen, dass wir sie nicht alleine lassen, dass wir sie nicht unter die Brücke schicken.” So haben die Mitarbeiter des Jugendamts Eschweiler auch mehr der für eine Übernachtung in der Prämienstraße notwendigen Berechtigungsscheine ausgestellt, als bisher vorgelegt wurden. „Viele Klienten finden dann doch noch Unterschlupf bei Freunden”, begründet Gabi Brettnacher diese Entwicklung.

Zwei Betreuer vor Ort

Großen Anteil am bisher gelungenen Projekt haben laut Robert Wagner die Mitarbeiter beider Einrichtungen. „Es sind immer zwei Betreuer vor Ort, wovon einer die Nacht über wach bleibt, während der andere Bereitschaftsdienst leistet”, berichtete der stellvertretende Leiter des Hauses St. Josef jetzt den Mitgliedern des Jugendhilfeausschusses. Bemerkenswert sei trotz der größtenteils sehr schwierigen Lebenslage der Jugendlichen deren Motivation. „Die Hälfte unserer Klienten verfolgt schulische Ziele oder ist auf dem zweiten Arbeitsmarkt tätig.”

Klar sei allerdings auch, dass die Anlaufstelle in Stolberg-Münsterbusch für die Jugendlichen nicht zum Lebensraum werden, sondern nur ein vorübergehender „Wohnort” sein soll. So ist die Aufenthaltsdauer von 19 bis 9 Uhr beschränkt. Für die Tagesverpflegung können die Jugendlichen ein Lunchpaket mitnehmen. Im Haus selbst erhalten sie neben einer Schlafgelegenheit eine warme Mahlzeit sowie die Möglichkeit zu duschen. „Die Mitarbeiter stehen natürlich für Gespräche zur Verfügung”, betonte Robert Wagner. „Die Einrichtung einer Notschlafstelle hat sich gelohnt. Jetzt gilt es, innerhalb des Gesamtkonzepts nachzusteuern, damit das Projekt auch finanziell auf die Beine kommt”, so sein Ausblick.
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