Notfall-Vordruck: Per Fax wird die Feuerwehr alarmiert

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
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Notruf für gehörlose Menschen: Wer nicht sprechen oder hören kann, kann per Notruf-Telefax die Feuerwehr alarmieren. Die Vordrucke gibt es im Internet. Foto: Sarah Maria Berners

Eschweiler. Brennt es, rufen wir die 112 und erklären, was passiert ist. Wer die Polizei sprechen will, wählt kurz die 110 - sei es bei einem Unfall, einer Schlägerei oder einem Einbruch. Und der Notarzt ist ebenfalls problemlos erreichbar. Ein Telefon ist immer in der Nähe, das Handy sowieso. Alles kein Problem? Nicht für alle.

Gehörlose Menschen und Menschen, die nicht sprechen können, haben es bedeutend schwerer, wenn sie in Notsituationen auf sich aufmerksam machen wollen. Sie können nicht einfach eine der Nummern wählen, um Hilfe zu rufen.

Deswegen hat der Schwerhörigenbund sich vor einigen Jahren für das Notfall-Telefax stark gemacht. Und das gibt es auch in Eschweiler. Auf der Internetseite der Feuerwehr können sich behinderte Menschen oder deren Angehörige das „Notruf-Telefax” herunterladen, das ihnen im entscheidenden Moment helfen soll.

So zum Beispiel einer gehörlosen Mitarbeiterin der Caritas-Werkstätte, deren Eltern ihr beigebracht haben, wie sie in einem Notfall das Faxgerät bedienen soll. Die Vorlage liegt in der Schublade.

Selten genutzt

Allerdings ist das Notruf-Fax, wie Nachfragen unserer Zeitung zeigen, nicht bei allen behinderten Menschen beziehungsweise deren Vertretern bekannt. Bei der Eschweiler Feuerwehr ist ein solches Fax bisher noch nie eingegangen, und auch in den Standorten der Leitstellen in Simmerath und Aachen kommen die Notruf-Telefaxe nach Feuerwehrangaben nur äußerst selten an.

Einige der dienstältesten Wehrleute haben es allenfalls zwei oder dreimal gesehen. „Viele behinderte Menschen leben in Gemeinschaften oder bei ihren Familien. Dort sind sie umsorgt und betreut, so dass in Notfällen meist die Angehörigen zum Telefonhörer greifen”, sagt Josef Melchior, stellvertretender Leiter der Leitstelle der Städteregion. Das bestätigen auch diejenigen, die im Alltag mit Behinderten arbeiten.

Nicht für alle

„Menschen, die sehr stark geistig behindert sind, sind auch nicht unbedingt in der Lage, die Fax-Vorlage auszufüllen oder zu versenden”, sagt Dorota Okwieka, Caritas-Sozialarbeiterin in Eschweiler. „Bei uns im Betreuten-Wohnen sind die Menschen in der Lage, den ânormalen´ Notruf zu wählen und zu äußern, was gerade passiert ist”, sagt Marie-Theres Mohnen, ebenfalls Caritas-Mitarbeiterin. Anders sehe das zum Teil in Wohnheimen aus. Gehörlosen und schwerhörigen Menschen, die die kognitiven Voraussetzungen mitbringen, könnte das Fax durchaus dienlich sein.

Auf diese kognitiven Vorraussetzungen und auf das andere Sprachverständnis gehörloser Menschen sind die Macher des Notfall-Faxes eingegangen. „Es ist wichtig, dass in einer Notfall-Telefax-Vorlage die Bildsprache integriert wird”, heißt es beim Deutschen Schwerhörigenbund. So wird auf dem Vordruck überwiegend mit Symbolen gearbeitet.

Die Betroffenen können ankreuzen, ob sie gehörlos sind, nicht sprechen können oder anderweitige Behinderungen haben. Alles wird mit Symbolen erläutert. Die Nutzer müssen nur noch ein Kreuzchen machen. Zusätzlich befinden sich auf der Fax-Vorlage Symbole für Feuer, Notarzt, Unfall, Einbruch, Schlägerei.

Die Felder, in denen Name, Adresse, Etage und die eigene Faxnummer eingetragen werden müssen, können zuvor von Angehörigen ausgefüllt werde. So können die für die Rettungskräfte wichtigen W-Fragen - also wer, was, wo - beantwortet werden.

Nicht überall gibt es die 112

Eine deutschland- oder gar europaweit einheitliche Nummer gibt es für die Notruf-Faxe allerdings nicht. Behindertenverbände, allen voran der Schwerhörigenbund, haben lange dafür plädiert, dass die Nummern für die Faxe genauso wie die Notruftelefonnummer für Anrufe einheitlich gestaltet werden.

Noch gilt die 112 als einheitliche Notfallnummer nicht überall. Aber in immer mehr Orten finden behinderte Menschen dort per Fax Hilfe.

Die Leitstelle in Aachen zum Beispiel ist über diese Nummer zu erreichen. Die Leitstelle für den Altkreis Aachen und auch die Eschweiler Feuerwehr müssen über eine andere Nummer angewählt werden. Wer sein Fax in die Simmerather Leitstelle schickt, löst dort einen rote Alarm-Lampe aus, so dass die dort sitzenden Wehrleute sofort über den Eingang informiert werden.

„Dann wird eine Rückmeldung gesendet, dass Hilfe sofort kommt”, erklärt Melchior. Die Feuerwehr kontaktiere dann sofort die Polizei oder den Notarzt. In Eschweiler landen die Notfall-Telefaxe im normalen Faxeingang. „Aber dort ist immer jemand anwesend”, betont Wehrmann Udo Poquet.

Aber was macht ein gehörloser Mensch, wenn ihm unterwegs etwas passiert? Für diese Situation ist noch keine Ideallösung gefunden. Eine einheitliche SMS-Notrufnummer gibt es in Deutschland noch nicht. Derzeit sind viele Polizeileitstellen nur über den Umweg Feuerwehr zu erreichen. In Pilotprojekten werden andere Möglichkeiten jedoch getestet.
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