Eschweiler - Nostalgische Anekdoten mit Chris Howland

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Nostalgische Anekdoten mit Chris Howland

Von: jope
Letzte Aktualisierung:
Nostalgie im Talbahnhof: Chris
Nostalgie im Talbahnhof: Chris Howland war einer der ersten Radio-Reporter, die an einem frühen Morgen des Jahres 1948 die Geburtstagsstunde der „guten alten D-Mark” verkündeten. Foto: Joachim Peters.

Eschweiler. Wir schreiben das Jahr 1948. Es ist ein ungemütlicher Tag im noch weitgehend kriegszerstörten Hamburg. Da hält der Jeep eines 20-jährigen britischen Soldaten, der sich wie sein Kumpel und Beifahrer mit zwei Gin-Tonic etwas Mut angetrunken hat, vor dem Sender des damaligen Nordwest-Deutschen Rundfunks (NWDR).

Nachdem er im Schnellkurs das journalistische wie technische Handwerk bei BBC London gelernt und dann zu einem britischen Soldatensender nach Deutschland entsandt worden war, möchte er sich neuen Herausforderungen stellen.

Er spricht unaufgefordert beim Musikredakteur vor. Der ist gleich von dem jungen Mann namens Chris Howland und seiner Idee einer Hit-Sendung angetan. Der Beginn einer Radio-Legende ist gelegt.

Kultsendung

Davon, seinem späteren Werdegang, aber auch von seiner oft traurigen Kindheit in Internaten, berichtete die Legende jetzt im voll besetzten Kulturzentrum Talbahnhof höchstpersönlich: Chris Howland, inzwischen unglaubliche 83 Jahre alt, und doch irgendwie „wie immer”. Auf jeden Fall so, wie man ihn - sofern man die Gnade der frühen Geburt im Nachkriegs-Deutschland hat - kennt.

Der Moderator der früheren Kultsendung „Studio B” stellte seine in Buchform gefassten Lebenserinnerungen - Titel „Yes, Sir!” vor: quirlig, hemdsärmelig, bei allem Selbstbewusstsein mit einer sanften Prise britischen Understatements. Ja, was waren das für Zeiten! Zunächst hatte Howland englischsprachige Musik den Deutschen nahegebracht. Die lechzten wegen der vorherigen Deutschtümelei der braunen Machthaber geradezu nach „neuen Tönen”.

Später, eben im „Studio B”, tummelten sich bei Chris alle die, deren Musik und Gesichter eine erste Fernseh-Generation wie die Muttermilch in sich aufsog: Ralph Bendix, Bibi Jones, Conny Froboess, Lale Andersen („sehr lieb, ein Star ohne Allüren”), Paul Kuhn („ein musikalisches Multi-Talent”), Rex Gildo („ich glaube nicht an Selbstmord dieses sympathischen Menschen, das war ein Unfall”) und selbst der spätere Opernsänger René Kollo, der sozusagen genbedingt mit der „leichten Muse” begann.

Beim Nennen dieser Namen hebt sich die Stimme von Chris Howland, strahlt er die Besucher an. Heinz Erhardt mochte er besonders: „Ein ganz feiner Mensch, mit dem ich gerne geplaudert habe und auf der Bühne stand”.

Doch der Plauderabend mit Chris Howland ist mehr als eine onkelhafte Aufzählung für die Jüngeren nach dem Motto „Meine Sendungen, meine Preise, meine Freunde”. Sehr nachdenklich war der in Deutschland heimisch gewordene Brite schon bei der Schilderung seiner Kindheit.

Nach Ehebruch und dadurch bedingter Arbeitslosigkeit des Vaters führte die notwendige Erwerbsarbeit der Mutter zu einer jähen Wendung seiner Kindheit hin zu einem bisweilen engen und freudlosen Internatsleben.

Auch die Kehrseiten des „Show-Biz” hat Howland einige Male am eigenen Leibe erfahren. Beim NWDR in Hamburg wurde er - vielleicht weil er für seine Chefs zu beliebt geworden war (?) - gefeuert. Seine Sendung „Vorsicht Kamera” beim späteren Norddeutschen Rundfunk, so etwas wie eine Vorläuferin von „Verstehen Sie Spaß”, wurde aus dem Programm genommen.

„Da hatte Adenauers Vize-Kanzler, na wie hieß der Kerl noch... ach ja, Erich Mende seine Hand im Spiel”, verwies er auf die damals schon stattfindende politische Einflussnahme auf Sendungen.

Simple Antwort

Schließlich gab es für das Publikum eine Antwort auf die „Fragen aller Fragen”: Wie wurde aus Chris Howland „Mister Pumpernickel”? Die fiel so simpel aus, wie sie für den spontanen Einfallsreichtum des früheren Schellak-Plattenkönigs in vielen Berufs- und Lebenslagen steht. Der Radiomoderator spricht zwar zu vielen (im Äther), aber er sieht dabei nur eine einzige Person (im Studio): den Aufnahmeleiter.

Ist der gut gelaunt oder verhält er sich neutral, macht die Arbeit des Moderators Spaß oder ist zumindest keinen Stimmungs-Störungen ausgesetzt. Nun arbeitete Chris Howland aber beim WDR in Köln, wo er nach dem „Aus” in Hamburg angeheuert hatte, im Angesicht eines miesepetrigen „Muff-Muff”.

Um diesen aufzuheitern und aus der Reserve zu locken, verabschiedete sich Howland aus einer Sendung unerwartet mit dem Abspann: „Bis zum nächsten Mal, Euer Heinrich Pumpernickel”. Der Aufnahme-Leiter blieb in seiner humorlosen Gesichtsstarre.

Das Publikum indes war derart angetan von dem Schabernack, dass der Name „Pumpernickel” Chris Howlands Markenzeichen wurde. Man kann ihm zu diesem Einfall wie zu einem gelungenen Leben nur gratulieren mit: „Yes, Sir!”
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