Noroviren: Station des St.-Antonius-Hospitals tagelang isoliert

Von: Patrick Nowicki
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Das Schild kann zur Erleichterung vom Ärztlichen Direktor Professor Dr. Christian Karl (links) und Chefarzt Professor Dr. Uwe Janssens (rechts) weggepackt werden. Fälle mit Norovirus-Erkrankungen führten zur Isolierung der Station 3b im St.-Antonius-Hospital. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Das Szenario schreckt ab: Eine Station im Krankenhaus wird wegen Infektionsgefahr isoliert, Besucher dürfen nur kurz in die Krankenzimmer und zudem nur mit Schutzanzügen hinein. Doch diese Maßnahmen sind wichtig und sinnvoll. Schuld sind immer häufiger Noroviren, die unangenehmen und heftigen Brech-Durchfall verursachen.

Bei vorher gesunden Menschen klingt die Krankheit meistens ohne Komplikationen ab. Aber in Krankenhäusern, wo Patienten oft schon geschwächt sind, birgt das Virus eine große Gefahr. „Wir tun deswegen alles dafür, dass sich die Infektion im Haus nicht weiter ausbreitet”, betont Professor Dr. Uwe Janssens, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Kardiologie.

Einen 100-prozentigen Schutz gegen die aggressiven Erreger gibt es jedoch nicht. Erst recht nicht in einer großen Einrichtung wie ein Krankenhaus, wo täglich hunderte Menschen ein- und ausgehen. Allerdings kann man das Risiko, sich zu infizieren, deutlich einschränken. Die an dem Virus erkrankten Patienten zu isolieren, ist für das St.-Antonius-Hospital die einzig effektive, aber auch aufwändige und kostspielige Lösung. Bis zum 10. Januar galt dies für einen Bereich der Station 3b. Mit Erfolg: Am 20. Dezember war der erste Patient mit den klassischen Symptomen aufgefallen, das Virus breitete sich danach nicht auf andere Stationen aus.

Für die Hygienefachschwester Beate Metterhausen löst der Noroviren-Alarm im Eschweiler Hospital Hektik aus, schließlich breitet sich die Krankheit rasant aus. Schon zehn Partikel reichen, um die Krankheit bis zu 50 Stunden später ausbrechen zu lassen. In dieser Zeit sind die Menschen äußerlich gesund, tragen den Erreger aber schon weiter. Jeder, der Kontakt hat, kann sich anstecken: In einem Krankenhaus gilt dies also auch für das Pflegepersonal. Da sich das Virus ständig verändert, gibt es aktuell keinen wirkungsvollen Impfstoff. Und selbst Menschen, die einmal befallen war, sind nicht immun.

Somit ändert sich auch für das Pflegepersonal der Tagesablauf: Handschuhe und Schutzanzüge sind zu tragen, selbst das Desinfektionsmittel wird gewechselt, weil sich Noroviren besonders hartnäckig zeigen. In Station 3b wurde zudem eine zusätzliche Tür eingezogen. Dies hat gleich mehrere Gründe: „Zum einen dürfen nicht zu viele Betten ausfallen, weil wir die Versorgung der Patienten sicherstellen wollen”, sagt Professor Dr. Uwe Janssens. Zum anderen ist es wesentlich schwieriger, einen großen Bereich unter besondere Hygienevorschriften zu setzen.

Seit einigen Tagen herrscht Ruhe an der Noroviren-Front im Krankenhaus, was auch den Ärztlichen Direktor Professor Dr. Christian Karl aufatmen lässt, schließlich sind andere Krankenhäuser - auch in der Region - in die Schlagzeilen geraten, weil das Norovirus kaum zu stoppen war. „Wir haben aber schon bemerkt, dass die Zahl der Fälle in den vergangenen Jahren zugenommen hat”, so der Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe. Zwar tritt der Erreger auch in Sommermonaten auf, allerdings dann vereinzelt. Von Oktober bis März ist jedoch größte Aufmerksamkeit gefordert.

Wichtige Regeln

Ein am Norovirus Erkrankter ist nicht zwingend ein Fall für das Krankenhaus. Im Normalfall reicht es, zu Hause das Bett zu hüten. Dann gelten allerdings für die Angehörigen wichtige Regeln: „Den direkten Kontakt sollte man vermeiden und Mundschutz sowie Handschuhe tragen”, rät Beate Metterhausen. Die sanitären Einrichtungen und Flächen mit häufigem Kontakt wie Handläufe und Türklinken müssen regelmäßig desinfiziert werden. Der Kontakt mit Erbrochenem muss vermieden werden. Wäsche, die dadurch beschmutzt wurde, muss bei 95 Grad gewaschen werden. Das sich das Virus auch auf Lebensmitteln befinden kann, sollte man Speisen immer ganz durchgaren.

Im Mittelpunkt steht bei aller Hygiene immer wieder die Reinigung der Hände. An den Fluren der Station 3 im St.-Antonius-Hospital hängen Spender mit Desinfektionsmitteln an der Wand, die nicht nur vom Personal, sondern auch von den Besuchern benutzt werden sollen. „Bisher ist es so, dass wir bei Angehörigen von betroffenen Patienten auf Verständnis stießen, wenn wir die Station isolieren mussten”, berichtet Professor Dr. Uwe Janssens. Deswegen sucht man weiter den offenen Dialog, wenn Noroviren festgestellt werden. Denn alle Schutzmaßnahmen können nicht ausschließen, dass wieder ein Infektionsfall auftritt.

Noch Tage nach der Krankheit ansteckend

Noroviren wurden erstmals 1972 durch elektronenmikroskopische Untersuchungen entdeckt. Sie sind weltweit verbreitet und treten ausschließlich beim Menschen auf.

Die Viren werden über Stuhl oder Erbrochenes ausgeschieden und werden hauptsächlich von Mensch zu Mensch übertragen. Eine Impfung existiert noch nicht, so dass bei einer Behandlung lediglich der Verlust von Elektrolyten und Flüssigkeit ausgeglichen wird. Noch Tage nach der Erkrankung besteht Ansteckungsgefahr.

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