Eschweiler - Nina Hagen lässt die Kirchenwände erzittern

Nina Hagen lässt die Kirchenwände erzittern

Von: ran
Letzte Aktualisierung:
Von zahlreichen Fans umkreist,
Von zahlreichen Fans umkreist, schrieb Nina Hagen kurz nach ihrem fast zweistündigen Konzert geduldig Autogramme. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Schon der Aufdruck ihres Oberteils zeigt deutlich die Richtung an: „War is over” ist dort zu lesen. „Der Krieg ist vorbei!” Ihren Frieden mit Jesus hat Nina Hagen jedenfalls gemacht.

So begrüßt sie ihr Publikum am Mittwochabend in der restlos gefüllten Dreieinigkeitskirche „im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes.” Dann folgt im Rahmen des Kulturfestivals der Städteregion ein fast zweistündiger Parforceritt durch die Welt der Folk-, der Blues- und der Gospelmusik. Angefangen von Solomon Burkes „None of us are free”, über eine beeindruckende Version des Depeche Mode-Klassikers „Personal Jesus” bis hin zum ins deutsche übersetzte „Sweet, Sweet Song of Salvation” von Larry Norman, der als „Süßer Song der Errettung” daherkommt.

Dazwischen streut die Pop-Diva immer wieder Friedensbotschaften ein, die wohl jeder unterschreiben kann. „Wir Menschen brauchen Freunde, keine Feinde.” Von Zustimmung bis Irritation reichen die Reaktionen auf ihre politischen Statements. Eines wird deutlich: Ihren Frieden mit der Politik und den Politikern hat Nina Hagen nicht gemacht.

Den eindeutig besten Eindruck hinterlässt Nina Hagen, wenn sie in ihrer Musik aufgeht. Unterstützt durch Gitarrist Werner Poland, Bassist Michael Ryan und Keyboarder Fred Sauer, die zurückhaltend, aber dennoch präsent agieren, interpretiert sie unter anderem gefühlvoll „His hand in mine” von Elvis Presley und erntet frenetischen Applaus und ein zahlreich gerauntes „Schön”. Sie zitiert Theodor Fontane, Berthold Brecht und unterstützt spitzbübisch Larry Normans musikalisch gestellte Frage „Why should the devil have all the good music?” mit der eigenwilligen Übersetzung „Ich lass mir auch vom Teufel den Rock´n´Roll nicht stibitzen”. Und sie bittet den Schöpfer um Hilfe für einen, der im Film „7 Zwerge - Männer allein im Wald” ihren Sohn spielte. „Ich hoffe, der liebe Gott bringt auch Mario Barth wider runter zu uns.”

Dann stimmt sie voller Kraft und Energie das „Ave Maria” an und sorgt damit wohl bei zahlreichen Zuhörern für Gänsehaut. Standing Ovations folgen, bevor Nina Hagen auch bei ihren Zugaben musikalisch überzeugt. Das „Sometime I ring up Heaven” darf man wohl wörtlich nehmen. Mit „We shall overcome”, dem Lied schlechthin der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, das zahlreiche Konzertbesucher mitsingen, findet ein wirklich außergewöhnliches Konzert sein Ende.

Doch Nina Hagen gönnt sich nur eine kurze Pause. Dann kehrt sie in die Dreieinigkeitskirche zurück und schreibt fleißig Autogramme, steht für Fotos bereit und verabschiedet einen Fan sogar mit einem Küsschen.

„Ich bin nicht unbedingt ein Fan von Nina Hagen. Aber sie ist eine authentische Person, ein echter Typ und damit anders als viele andere. Und ihre Musik hat mich beeindruckt”, blickt Konzertbesucherin Gisela Gillessen auf eine gelungenen Abend zurück. Gleiches gilt für Waltraud Reuter: „Ihre Power, ihre Kraft, ihre Einstellung sind bemerkenswert”, so das Urteil der Indestädterin. Etwas zwiespältiger äußert sich Jennifer Moll: „Sie ist musikalisch stark. Ich finde auch gut, dass sie anders ist. Aber manches ist vielleicht doch etwas zu viel des Guten.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert