Eschweiler - Nichtraucherschutzgesetz: Kein Qualm, weniger Gäste

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Nichtraucherschutzgesetz: Kein Qualm, weniger Gäste

Von: Sonja Essers
Letzte Aktualisierung:
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Diese Bilder gehören in Kneipen der Vergangenheit an. Die Wirte sind damit nicht zufrieden. Foto: stock/biky

Eschweiler. Vor einem Jahr ist das Nichtraucherschutzgesetz in Kraft getreten. Damals bangten Wirte vor rückläufigen Gäste- und Umsatzzahlen. Doch was ist davon wirklich eingetreten? Haben sich die Befürchtungen der Gastronomen bewahrheitet oder gab es nur viel Rauch um nichts?

Ordnungsamtsleiter Edmund Müller zieht nach einem Jahr Rauchverbot eine positive Bilanz. „Das Gesetz hat sich in Eschweiler bewährt“, sagt er. Beschwerden habe es nur vereinzelt gegeben und auch Bußgelder mussten die Mitarbeiter des Ordnungsamtes bisher noch nicht kassieren.

Doch Müller weiß, dass es geteilte Auffassungen über das Gesetz und dessen Durchsetzung gibt. „Es gibt mit Sicherheit Gaststätten, die darunter leiden, aber auch manche, die von den Nichtrauchern wiederentdeckt worden sind.“ Gerade bei den Veranstaltungen in der Karnevalssession sei es von vielen Gästen als äußerst angenehm empfunden worden, dass im Saal nicht geraucht wurde.

15 Prozent weniger Gäste

Ottmar Krauthausen ist ganz anderer Meinung. „Meine Befürchtungen sind zum größten Teil eingetreten“, meint der Pächter der Weisweiler Festhalle und verweist auf sinkende Gäste- und die damit verbundenen geringeren Umsatzzahlen. Er ist sich sicher: „Auf den Veranstaltungen waren rund 15 Prozent weniger Gäste, als noch in den Jahren zuvor.“ Ob das nur am Nichtraucherschutzgesetz liege, könne er nicht sagen. Auf jeden Fall spiele es eine große Rolle.

Um den Rauchern trotzdem einen schönen Abend zu bereiten, legte sich der Gastronom richtig ins Zeug. Im Raucherzelt vor der Festhalle konnten die Besucher auch im Regen geschützt qualmen. So entstanden für den Wirt Zusatzkosten in Höhe von 500 Euro. Mehr Einnahmen konnte er dadurch jedoch nicht verzeichnen. Ganz im Gegenteil. „Wenn die Leute rausgehen, dann rauchen sie meistens gleich zwei Zigaretten hintereinander und in dieser Zeit verzehren sie natürlich nichts.“

Es gibt aber auch andere Stimmen. So gibt es Karnevalsgesellschaften, die in diesem Jahr sogar mehr Gäste bei ihren Sitzungen hatten.

Das hätte auch Andreas Weber gerne. Der Inhaber der Gaststätte Autermann in Bohl weiß: „Richtig starke Raucher stehen lange auf der Straße.“ Während man sich draußen in Ruhe unterhält, werden die Zapfhähne in der Kneipe in dieser Zeit meist nicht beansprucht. Angewiesen ist Weber auf den Gaststättenbetrieb nicht. Er arbeitet als Bäcker und führt das Lokal nebenbei.

Darüber ist er gerade in der heutigen Zeit froh. „Ich muss zum Glück nicht von der Wirtschaft leben“, meint er. Einer, der um seine Existenz bangte, war Gastronom Mike Sauerbier. Seine Vermieterin störte sich an den Gästen, die vor der Türe standen und rauchten. Sauerbier erhielt die Kündigung, hat im März jedoch ein neues Lokal übernommen. Er ist sich sicher: „Für uns Wirte ist das eine Existenzfrage, wir müssen um jeden Gast kämpfen.“

Auch die Mitglieder des Mai-clubs Röhe mussten sich vor ihrer Veranstaltung am Mittwochabend mit dem Nichtraucherschutzgesetz auseinandersetzen. „Wir hatten uns darauf vorbereitet, dass wir bei Regen Raucherzelte aufstellen“, sagt Daniel Asara, Vorsitzender des Maiclubs. Doch soweit kam es nicht, der Regen blieb aus. Schließlich hätte dies für die Mitglieder noch mehr Aufwand bedeutet.

Durfte im vergangenen Jahr noch drinnen geraucht werden, so hatte dies nun ein Ende. Brav sammelten sich die Raucher vor dem Festzelt. Asara machte dabei eine besondere Entdeckung. „Es gab richtige Stoßzeiten, in denen die Besucher zu mehreren das Zelt verließen, um zu rauchen. Da sah das Zelt schon etwas leer aus.“ Wegen der Lautstärke vor dem Zelt habe es allerdings keine Probleme gegeben.

Dass dies nicht selbstverständlich ist, weiß Marc Lersch. Der Vorsitzende des Eschweiler Wirtevereins meint: „Viele Kollegen haben Probleme mit den Nachbarn, weil die Raucher vor der Türe stehen.“ Im Haus Lersch hat man für die Gäste „Äu‘s Raucherparadies“ geschaffen, doch längst nicht jede Gaststätte hat dafür geeignete Räume. Trotzdem qualmen die Besucher auch vor dem Haupteingang auf der Dürener Straße. Dass zwischen 20 und 30 Leute auf der Straße stehen, sei heute an der Tagesordnung. „Heute wird draußen gequatscht und gelacht und wenn man etwas getrunken hat, ist man nicht unbedingt leise“, sagt Lersch.

Ordnungsamtlsleiter Edmund Müller weiß jedoch zu berichten, dass es bisher diesbezüglich „keine entsprechende Beschwerdelage“ gegeben habe. Dass die Gäste sich jedoch vermehrt vor der Türe aufhalten, sei auch ein Grund für die sinkenden Umsatzzahlen, wie Lersch betont: „Wenn man lange vor der Türe steht, dann trinkt man nicht viel.“

Das Nichtraucherschutzgesetz wirke sich jedoch nicht nur auf die Anzahl der Gäste, sondern auch auf deren Verweildauer aus. „Mittlerweile bleiben viele Gäste einfach nicht mehr so lange da. Wenn dauernd jemand aufsteht, um zu rauchen, dann ist die Stimmung schnell weg.“ Das bestätigt auch Krauthausen. „Das gesellige Leben ist einfach rückläufiger geworden. Wenn man zu Viert Karten spielt und immer wieder einer aufsteht, um zu rauchen, dann hat man da irgendwann keine Lust mehr.“ In seiner Gaststätte seien die Umsätze im vergangenen Jahr um rund 15 Prozent gesunken.

Doch nicht nur Kartenspiele werden regelmäßig unterbrochen. „Durch die ganze Raucherei findet man auf den Kegelbahnen nie richtig ins Spiel rein“, sagt Weber. Doch nicht nur den Gastronomen schaden die sinkenden Gästezahlen. Lersch verweist noch auf ein weiteres Problem. „Man sollte die Gespräche, die in den Gaststätten stattfinden auf keinen Fall unterschätzen.“ Schließlich seien die gerade für alleinstehende Menschen oft eine Art Therapie.

Weniger Bier verkauft

Dass das Biergeschäft im vergangenen Jahr zurückgegangen ist, zeigt auch die aktuelle Umfrage des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) NRW. Stolze 81 Prozent der Gastronomen in Nordrhein-Westfalen klagen über Umsatzeinbußen. Bei 63 Prozent der Befragten liegen diese sogar über zehn Prozent. „Das ist schon eine Hausnummer“, meint Lersch. Delio Duarte, Inhaber des Hauses Flatten, ist sich sicher: „Ich habe Gäste, die seit dem Rauchverbot gar nicht mehr kommen, aber neue Gäste dazugewonnen habe ich nicht.“ Das kann auch Krauthausen bestätigen: „Ich habe keinen einzigen Nichtraucher als Gast dazugewonnen, dafür aber viele Raucher verloren.“

Und auch Marc Lersch, der der Meinung ist, dass sich dieses Thema auch nach einem Jahr noch nicht in Rauch aufgelöst hat, meint: „Wir als Wirte müssen einfach Kompromisse eingehen, sonst verlieren wir unsere Existenz.“ Eine Konsequenz hat der Vorsitzende des Wirtevereins bereits gezogen. Mittlerweile beschäftigt er einen Angestellten am Abend weniger.

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