Eschweiler - Neujahrsempfang: Pessimismus hat noch nie eine Krise gemeistert

Neujahrsempfang: Pessimismus hat noch nie eine Krise gemeistert

Von: Rudolf Müller
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Optimistisch trotz aller Probleme: Gastgeber Rudi Bertram (rechts) und Dr. Jochen Bräutigam, der als Vorstandsvorsitzender der Sparkasse über die Finanzmarktkrise und ihre Konsequenzen sprach.

Eschweiler. Hart ins Gericht mit dem „ungezügelten Turbokapitalismus” einer „Kaste, deren zerstörerische Gier keine Grenzen kennt”, ging Bürgermeister Rudi Bertram in seiner Neujahresansprache vor rund 400 geladenen Gästen im Ratssaal.

Seine Ausführungen zum globalen Zusammenbruch der Finanzmärkte stießen immer wieder auf den Beifall des Publikums. Parallel zum Kurs der Aktien sei nun auch das Ansehen derer gesunken, die „in Kündigungsschutz, Mitbestimmung und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall nicht mehr zeitgemäße Marterwerkzeuge und Hindernisse auf dem Weg zu einem hemmungslosen Raubtierkapitalismus sahen”.

Banker, so Bertram, „haben zurzeit oft das Ansehen wie Hütchenspieler”, und schränkt aus gutem Grund ein: „Ich teile diese Auffassung nicht in Gänze.”

Applaus gab es auch, als der Bürgermeister konstatierte: „Von Selbstheilungskräften des von Ackermännern, Henkels und Sinns ach so gelobten entfesselten Marktes keine Spur! Heute, mitten in der Krise, stellen wir fest: Was vom Markt angerichtet wurde, muss jetzt vom Staat gerichtet werden. Ohne einen funktionierenden starken Staat wird es auch in Zukunft keine funktionierende, am Menschen orientierte soziale Marktwirtschaft geben.”

Eschweiler sei keine Insel der Seligen, und so gingen auch die Krisen nicht an der Indestadt und ihren Bürgern vorbei. Der Wirtschaftsabschwung mache sich bei Unternehmen, im Handel, bei Handwerk und Gewerbe - auch mit Konsequenzen für den Arbeitsmarkt - bemerkbar.

Dennoch gehe er das Jahr 2009 mit Optimismus und Zuversicht an, betonte Bertram. „Dies ist kein Zweckoptimismus, weil ich als Bürgermeister qua Amt dazu verpflichtet wäre, gute Stimmung zu machen. Nein, es ist meine Überzeugung. Die Stadt ist in den vergangenen zehn Jahren gut aufgestellt worden, und ich weiß, dass die Eschweiler Bürgerinnen und Bürger den gemeinsamen Willen und die Kraft haben, schwierige Zeiten in Solidarität zu meistern und auch Eschweilers Entwicklung voranzutreiben.”

Die Senkung der Arbeitslosenquote von 16,4 Prozent auf 9,4 Prozent im November 2008 sei dafür ein gutes Beispiel. „Hinter diesem Rückgang um sieben Prozent, hinter dieser Zahl stehen Menschen, die wieder einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz fanden, wieder ein eigenes Einkommen erzielen und eine Perspektive haben. Hierfür werde ich - gerade jetzt - weiter kämpfen!”

Die Stadt - Rat und Verwaltung - werde mit den Schwerpunkten Betreuung und Bildung sowie Stadtentwicklung und Beschäftigung ihren Beitrag zur Weiterentwicklung Eschweilers leisten. Als Beispiele listete Bertram den Ausbau des vorschulischen Kinderbetreuungsangebotes und des Ganztagsangebots an Grundschulen ebenso auf wie den Millionen teuren Ausbau von Willi-Fährmann-Schule und Städtischem Gymnasium, die Innenstadtsanierung und die Wirtschaftsförderung. „Öffentliche Aufträge, die heute Arbeits- und Ausbildungsplätze in Eschweiler oder der Städteregion erhalten bzw. neu schaffen, verhindern, dass morgen Bürger auf Sozialleistungen angewiesen sind.”

Mit der Finanzmarktkrise und ihren Kosequenzen befasste sich auch Dr. Jochen Bräutigam, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Aachen, in seiner Ansprache. Er ging zunächst auf die Entstehung der Krise ein, die sich in der Folge von leichtsinnig vergebenen Krediten, einbrechenden Immobilienpreisen und Kreditausfällen als eine Vertrauenskrise der Banken untereinander zeigte: „Keine Bank wusste, welche Leichen die andere im Keller hatte.”

„In der aktuellen Krise hat sich sehr deutlich gezeigt, dass das blinde Streben der Kreditwirtschaft auf maximale kurzfristige Gewinne zu Lasten einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Geschäftspolitik geht”, betonte Bräutigam. „Dort, wo Rendite nicht mehr Ergebnis erfolgreichen wirtschaftlichen Handelns ist, sondern Gefahr läuft, zum reinen Selbstzweck zu verkommen, droht die Realwirtschaft zur Geisel der Kapitalmärkte zu werden.”

Bräutigam plädierte eindringlich für die Beibehaltung des Drei-Säulen-Modells aus Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Privatbanken in Deutschland, da dies sich auch in der Krise bewährt habe. Was die Sparkassen betreffe, so müssten sich weder Privatkunden noch Kommunen Sorgen machen. Ihr Geld sei sicher - und auch von einer „Kreditklemme” könne keine Rede sein. Bräutigam: „Die Einlagen unserer Kunden sind vollkommen sicher! Und sichergestellt ist auch, dass wir auch in Zukunft erhebliche Mittel zur Unterstützung von Jugend, Sport, Kultur und sozialen Institutionen zur Verfügung stellen können.” Ähnliches gelte für die Kreditgenossenschaften. Fazit: „Die Sparkasse bleibt verlässlicher Partner des Mittelstandes!”
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