Neues Hotel bringt Glanz ins Bahnhofsumfeld

Von: Rudolf Müller
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„Hotel Pension 24“ ist der schlichte Name des Hotels und Bistros, das sich hinter der Fassade des völlig erneuerten Gebäudekomplexes an der Eisenbahnstraße 24 findet. Foto: Rudolf Müller
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Inhaber Mustafa Gündüz und Leiterin Stefanie Hoven freut nicht zuletzt, dass auch die Nachbarschaft am Hauptbahnhof ihre Häuser optisch kräftig aufpoliert. Foto: Rudolf Müller
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Im Mittelpunkt des Bistros ein langer Tisch, an dem die Leute schon fast zwangsläufig ins Gespräch kommen sollen. Foto: Rudolf Müller
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Keine typische Kneipe mit Thekenbetrieb, sondern ein Bistro für „bodenständige, nette Menschen, die gerne etwas trinken, aber ihre Grenzen kennen.“ Foto: Rudolf Müller
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Rundum wurden und werden immer mehr Häuser auf Hochglanz gebracht. Das ganze Viertel und damit ganz Eschweiler profitiert von der neuen Visitenkarte der Stadt. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Eschweilers Hauptbahnhof kann sich sehen lassen. Das über Jahre verkommende Gemäuer, das per Bahn anreisenden Besuchern der Indestadt einen miesen Willkommenseindruck vermittelte und sie mit dem selben Eindruck von Schäbigkeit wieder verabschiedete, ist längst zu einem Schmuckstück geworden. Jetzt zieht das Umfeld nach: Das Bahnhofsviertel bekommt neuen Glanz.

Das hat nicht zuletzt mit einem Mann zu tun, der seit Jahrzehnten Schlaglichter in die Gastronomie-Szene der Region setzt: Mustafa Gündüz. Der gelernte Bäcker und Konditor ist seit fast 30 Jahren im Geschäft, führte und führt mehrere Lokale in der Pontstraße ebenso wie zum Beispiel den „Brander Stier“ und das „Forckenbeck“ am Uniklinikum, das sein Sohn Firat leitet.

Begonnen hat alles 1984 mit einem Speiselokal an der Trierer Straße in Aachen: Mustafa Gündüz, Spitzname Nikolaus, eröffnete den ersten Nikolaus-Grill, dem viele weitere folgen sollten. Auch die „Mister Nik“-Restaurants, die Gündüz‘ Frau Süheyla gemeinsam mit Tochter Mehtap führt, haben ihren Namen vom Spitznamen des Familienoberhaupts. Nicht nur Mustafa Gündüz‘ Werdegang zeigt, dass er einiges vom Geschäft versteht: Sohn und Tochter haben ihre Ausbildung im Quellenhof absolviert.

Ungebetene Bewohner

Schon vor Jahren war Gündüz auf ein Objekt gestoßen, das er erwarb, ohne so recht zu wissen, was damit auf ihn zukam: das Gebäude Eisenbahnstraße 24, der einstige „Eschweiler Hof“ unmittelbar gegenüber dem Hauptbahnhof. Ursprünglich ein Hotel, verfiel das Gemäuer in den vergangenen Jahren zusehends. Bis 2004 beherbergte es noch eine Gaststätte mit Saal – das Vereinslokal der damaligen KG „Grüne Funken“. Später versuchte ein Kiosk hier sein Glück – mit magerem Erfolg. Das Haus, das eigentlich eine Visitenkarte der Indestadt sein sollte, wurde zur Ruine, in der ungebetene „Mieter“ für Ärger sorgten: Drogenabhängige, Obdachlose, die hier als „Hausbesetzer“ eingezogen waren.

An eine Sanierung war zunächst nicht zu denken. Mustafa Gündüz: „Hier lebten Großfamilien mit völlig verwahrlosten Kindern.“ In einem völlig verwahrlosten, vermüllten Haus. Gündüz: „Zwischenzeitlich habe ich einmal die Böden und Wände erneuern lassen – nach einem Monat war wieder alles versaut. Die Leute hatten sich einfach unter dieser Adresse bei der Stadt angemeldet, und ich hatte enorme Probleme, sie hier raus zu kriegen.“ Einsätze von Polizei und Ordnungsamt häuften sich. „Es hat zwei Jahre gedauert, bis das Haus endlich geräumt war“, sagt Mustafa Gündüz.

Von dem, was jahrelang Nachbarn auf die Palme brachte und Reisenden den Eindruck vermittelte, um Eschweiler einen weiten Bogen schlagen zu müssen, ist heute nichts geblieben. Gegenüber dem Bahnhof lädt ein schmuckes Hotel und Bistro Reisende wie Einheimische zur Einkehr ein. Aus dem Schandfleck vergangener Jahre ist ein Schmuckstück geworden, das das Bahnhofsviertel veredelt.

Zwei Jahre lang hat Mustafa Gündüz das dreistöckige Gebäude renovieren, umbauen, neu gestalten lassen. Wer hier durch die Tür tritt, erkennt das Haus nicht wieder: Eine großzügig gestaltete Eingangshalle mit künstlerisch aufwendig gestalteter Theke und ebenso außergewöhnlichen wie attraktiven Holzmöbeln, ergänzt durch ausgesuchte Antiquitäten, empfängt den Gast und zeugt von der Liebe der Hausherren zum Detail. Auf knapp 500 Quadratmetern Nutzfläche bietet das helle und freundliche Hotel, das den schlichten Namen „Hotel Pension 24“ trägt, 16 Zimmer, acht Doppel- und acht Einzelzimmer.

Hinzu kommt ein Tagungsraum, eine Terrasse, ein großer Innenhof mit Parkplätzen und eine Monteurswohnung mit Wohnzimmer, Küche, vier Schlafzimmern und zwei Bädern in einem Neubau im Hof. Niederländische Künstler haben die Theke, die die Bosporus-Brücke als Brückenschlag zwischen Asien und Europa zeigt, sowie die hölzernen Möbel und die Stuck-Applikationen in den Fluren designt.

„Herrin“ des Hauses ist Stefanie Hoven. Die junge Frau aus Aachen hat zunächst im Vertrieb eines Mobilfunkanbieters gearbeitet, ehe sie im südfranzösischen Carcassonne zwei Jahre lang die gut betuchten Feriengäste eines Châteaus betreute. „Ich war der gute Geist des Schlosses“, sagt sie. „Jeder konnte jederzeit mit allen Anliegen zu mir kommen. Und das soll hier nicht anders sein.“

Ein Platz zum Plaudern

Gemeint sind damit nicht nur die künftigen Gäste des Hotels, das in Kürze auch auf mehreren Internet-Buchungsportalen zu finden ist und bereits jetzt Nachfragen von Unternehmen in der Region hat. Unternehmen, die immer wieder mal Zimmer für Besucher und Mitarbeiter benötigen. Stefanie Hoven meint vor allem die Besucher des Bistros: „Das ist vor allem für die Indestädter gedacht, denen wir hier einen Treffpunkt in harmonischer Atmosphäre bieten wollen.“

Keine typische Kneipe mit Thekenbetrieb, sondern ein Bistro für „bodenständige, nette Menschen, die gerne etwas trinken, aber ihre Grenzen kennen.“ Menschen, die Stefanie Hoven gerne zusammenbringen möchte. „Deshalb haben wir im Mittelpunkt des Bistros auch diesen langen Tisch. An dem kommen die Leute schon fast zwangsläufig ins Gespräch. Eine kleine Speisekarte mit saisonalen Spezialitäten wie Federweißer und Flammkuchen gibt es ebenso wie einen Flügel: ein Zeichen dafür, dass hier künftig auch Konzertabende geplant sind. Den Anfang macht „Bottelneck“: Das bekannte Gitarrenduo aus Düren spielt am morgigen Samstag ab 20 Uhr zur Eröffnungsfeier auf – bei freiem Eintritt. Ein Fest zum St.-Martins-Tag soll folgen.

Stefanie Hoven: „Seit der Eröffnung des Hotels am 14. September sind wir mit Detailarbeiten beschäftigt und nicht aus dem Bauobjekt rausgekommen. Jetzt wird‘s Zeit, dass wir die Eschweiler einmal kennenlernen. Unsere Nachbarn kennen wir natürlich bereits; die sind sehr nett.“ Und froh, dass der Schandfleck einem Prunkstück Platz gemacht hat.

Ein Prunkstück mit Auswirkungen: Rundum wurden und werden immer mehr Häuser auf Hochglanz gebracht. Das ganze Viertel und damit ganz Eschweiler profitiert von der neuen Visitenkarte der Stadt.

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