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Neue Schilder für den Pfad um den See

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
Letzte Aktualisierung:
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So, das klebt! Dieter Lazny montiert eine der beiden Tafeln am Findling, der an den Ort Langendorf erinnert. Franz Wings und Jürgen von Wolff helfen. Foto: Ebbecke-Bückendorf
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Der Historische Pfad ist ein 15 Kilometer langer Wanderweg, der zu den Standorten abgebaggerter Dörfer im Dürener Land führt. Das Faltblatt mit der Wanderanleitung wurde soeben neu gedruckt, beim Familientag am Sonntag am Blausteinsee wurde es bereits angeboten. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler-Dürwiß. Metalldiebe haben im vorigen Jahr am Historischen Pfad rund um den Blausteinsee alle Bronzeschilder gestohlen, die an abgebaggerte Dörfer erinnert haben.

Eine private Initiative sorgte nun für neue Schilder – diebstahlsicher und von geringem Materialwert. Am Donnerstag wurden sie montiert. Es wird noch einen offiziellen Übergabetermin im Juni mit Vertretern der Gemeinde Aldenhoven und der Stadt Eschweiler geben.

Im Juni des vorigen Jahres war die erste der Bronzetafeln verschwunden, jene, die an den Ort Laurenzberg erinnert. Die mit vier dicken Bolzen im Stein verankerte Platte war mit Hammer und Meißel heraus gestemmt worden. Materialwert: gerade mal 15 Euro. In den nächsten Monaten verschwand eine Platte nach der anderen. Sogar dünne Messingtafeln wurden aus den Findlingen heraus gemeißelt. „Eine Schande“ fanden viele Spaziergänger und Radler diesen Vandalismus.

Besonders betroffen reagierten jene Eschweiler Bürger, die aus den abgebaggerten Orten stammen, wie der gebürtige Langendorfer Franz Wings, der als Mitglied des Fördervereins Gedächtniskapelle Kirchspiel Lohn den Historischen Pfad mit entworfen und betreut hat.

„Das ist doch wirklich eine Schande“ war auch die Reaktion von Jürgen von Wolff, der beim Radwandern auf die Spuren der Metalldiebstähle stieß. Er hatte die Idee, über die Lokale Agenda 21 Finanzmittel für neue Schilder zur Verfügung zu stellen. Die Lokale Agenda hat sich viele Jahre lang für nachhaltige Projekte in Eschweiler eingesetzt, sie soll demnächst aufgelöst werden.

Franz Wings reagierte begeistert, als er den Vorschlag der Lokalen Agenda 21 hörte: „Ich habe Hurra geschrien“. Der einstige Eschweiler Ratsherr, der in Dürwiß wohnt, war sofort dabei, er stellte Fotos von den verschwundenen Tafeln und Texte zur Verfügung. Die neuen Schilder sollten exakt die gleichen Texte erhalten wie die verschwundenen Vorbilder.

Mehrere der fünf Findlinge, die an die verschwundenen Dörfer erinnern, wiesen zwei Tafeln auf: eine größere aus Bronze, die an das Abbaggern durch die Rheinbraun erinnert, und eine kleinere Messingtafel mit Daten aus der Geschichte des Ortes. Beide wurden nun jeweils erneuert.

Die am Donnerstag montierten Tafeln sind aus einem Aluminium-Verbundmaterial: haltbar, verwitterungsbeständig, gut aussehend, aber von minimalem Materialwert, um nicht Metalldieben neuerlich Anreize zu schaffen. Die Texte wurden aufgedruckt. Hergestellt wurden sie von der Eschweiler Fachfirma Reklame Schumacher. Peter Schumacher und Dieter Laczny fuhren am Donnerstag von Stein zu Stein, um die neuen Tafeln genau dort zu montieren, wo bis vor wenigen Monaten die Bronzetafeln waren. Franz Wings und Jürgen von Wolff assistierten. Von Lürken ging es nach Langweiler, wo eine besonders große Platte montiert wurde.

Sie erinnert nicht nur an das Dorf, sondern auch an die frühere jüdische Landgemeinde Langweiler, die eine eigene Synagoge und eine Schule hatte, in die auch jüdische Kinder aus umliegenden Orten wie Kinzweiler und Hoengen zur Schule gingen. Obermerz, Laurenzberg und Langendorf waren die nächsten Stationen. Über jeden dieser Orte kann Franz Wings viel erzählen: „Obermerz hatte eine Besonderheit.

Der Ort gehörte politisch zur Gemeinde Langweiler, aber kirchlich zur Pfarre Laurenzberg.“ Besonders viel kann er natürlich über Langendorf sagen, denn dort war seine Heimat. Dort, wo heute der Gedenkplatz mit Bänken, Findling und Erinnerungstafeln ist, stand früher das Elternhaus der Mutter von Franz Wings, das Haus Müller. Und auch seine Frau Trude stammt aus Langendorf.

1999 war der Historische Pfad zu den abgebaggerten Dörfern im Dürwisser Land eingeweiht worden. Die Idee zu diesem rund 15 Kilometer langen Wanderweg hatte der Leiter des damaligen Amtes für Agrarordnung Aachen, Dieter Brall, der gemeinsam mit der Firma Rheinbraun für die Rekultivierung des früheren Tagebaus Zukunft-West verantwortlich war. Zu den Gedenkplätzen entlang des Historischen Pfades kamen die Anregungen von Simon Küpper (Geschichtsverein Eschweiler) und Josef Dickmeis (Förderverein Gedächtniskapelle Lohn). Finanziert wurden die Anlagen damals komplett von der Rheinbraun. Mit den Gedenksteinen sollen die Erinnerungen an die verschwundenen Orte weiter leben, versicherte der Dürwisser Pfarrer Ralph Osnowski bei der feierlichen Einweihung am 10. Juni 1999.

Seit dieser Zeit kümmern sich engagierte Bürger um die Instandhaltung des Historischen Pfades und seiner Anlagen. Neben Franz Wings sind das Josef Schmitz und Dieter Valk. Sie halten auch die Geschichte des Wanderwegs in Wort und Bild fest und haben in den vergangenen Wochen, gemeinsam mit Eberhard Büttgen vom Planungsamt der Stadt Eschweiler, ein neues Faltblatt erstellt, als kleinen Wanderführer über die 15 Kilometer zu den Standorten verschwundener, aber unvergessener Dörfer. Das neue Faltblatt mit einer Auflage von 1000 Exemplaren ist bei der Stadtverwaltung Eschweiler, im Rathaus von Aldenhoven und bei Franz Wings (Telefon 02403/52577) erhältlich. Beim Familientag am Blausteinsee am vergangenen Sonntag wurde das neue Faltblatt bereits angeboten.

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