Neue EU-Abgasnorm macht der Feuerwehr zu schaffen

Von: Tobias Röber
Letzte Aktualisierung:
7047354.jpg
Schweres Gerät ist in den Feuerwehrfahrzeugen derzeit recht bodennah untergebracht. Mit der Euro-6-Abgasnorm ist das nicht mehr ohne weiteres möglich, sagt Wachleiter Axel Johnen. Foto: Tobias Röber

Eschweiler. Axel Johnen kann die Panikmache vielerorts nicht verstehen. „Das Schlimmste, dass ich gelesen habe, war: Mit der Abgasnorm wolle man erreichen, dass es die Freiwillige Feuerwehr nicht mehr gebe.“

„Das ist Quatsch“, sagt der Leiter der Feuerwache Eschweiler und ergänzt: „Es war schon länger klar, was auf uns zukommt.“ Was auf die Feuerwehren und damit die Kommunen zukommt, sind höhere Kosten. Pro Wagen könne das bis zu 20.000 Euro ausmachen, sagt Johnen. Das gilt allerdings jetzt noch nicht. Für Feuerwehren & Co. gibt es eine Ausnahmeregelung bis Ende 2016.

Gemeint sind damit alle Fahrzeuge, die bis Ende 2016 für den Straßenverkehr zugelassen werden. Bei Feuerwehren dauert es ein wenig länger, bis das so weit ist, mit zwölf Monaten muss man da schon rechnen. Es können auch zwei Jahre werden.

Die Eschweiler Feuerwehr wird in diesem Jahr noch drei neue Fahrzeuge anschaffen. Mittwoch steht die technische Abnahme, die je nach Fahrzeug ein bis zwei Tage dauert, da jede Position einzeln abgenommen wird, eines neuen Hilfeleistungslöschfahrzeugs an. Rund 350.000 Euro kostet dieses. Ein neuer Krankenwagen für rund 120.000 Euro und ein neues sogenanntes Wechselladerfahrzeug, das um die 200.000 Euro kosten soll, werden ebenfalls noch in 2014 ausgeschrieben.

Die Mehrkosten für Wagen ab dem Jahr 2017 von bis zu 20.000 Euro verteilen sich je zur Hälfte auf das Fahrgestell und die Aufbauten. Nach der neuen Abgasnorm wird vor allem die Auspuffanlage an Gewicht und Volumen zulegen. Das hat Konsequenzen.

So wird stets bei jedem neuen Feuerwehrfahrzeug eine Gewichtsreserve einkalkuliert. Da ein Wagen 20 bis 25 Jahre halten soll, ist diese Reserve nötig, um Neuerungen einbauen zu können. Werden die Auspuffanlagen größer, gehe das zu Lasten der Geräteräume, sagt Johnen. Im Klartext: Die Feuerwehr muss sich überlegen, was an Geräten künftig dann nicht mehr mit auf den Wagen kann.

Zusätzliche Probleme ergeben sich bei den Drehleiterwagen, die von vier Stützen bei den Einsätzen getragen werden. Die vorderen Stützen befinden sich dann genau im Bereich der Euro-6-Abgasnorm-Anlage.

Größe ist geregelt

So manche Feuerwehr klagt darüber, dass die Wagen bald nicht mehr in die Gerätehäuser passen. Das stimme so nicht, sagt Johnen. Die maximal Größe der Feuerwehrautos ist selbstverständlich auch in einer Norm geregelt. Die Fahrzeuge dürfen maximal 2,55 Meter breit sein. Die Höhe der Wagen ist auf 3,30 Meter begrenzt. „Das war aber in den vergangenen zehn, 15 Jahren schon so“, sagt Axel Johnen.

Axel Johnen betont, dass es natürlich gut sei, wenn die Umwelt geschont werde. Was ihn an der Euro-6-Norm in Verbindung mit der Feuerwehr aber stört: Bei den Feuerwehrwagen bringen die neuen Geräte seiner Meinung nach wenig bis nichts, da eine bestimmte Temperatur erreicht werden muss, was aber erst ab größeren Strecken der Fall ist.

Die Eschweiler Feuerwehr legt aber fast ausschließlich kurze Strecken zurück. Die längsten Fahrten gehen bis zur Autobahnabfahrt in Düren, im Stadtgebiet sind bloß wenige Kilometer zurückzulegen. So hat ein noch zugelassenes, 25 Jahre altes Fahrzeug gerade einmal 16.000 Kilometer auf dem Tacho. Die 20.000 Euro, die ab 2017 mehr ausgegeben werden müssen, könne man gut für Ausrüstungsteile verwenden. So sind allein für den Wagen, der ab morgen abgenommen wird, 60.000 Euro für die Ausrüstung fällig.

Noch können die Wehren Fahrzeuge bestellen, die nach der Euro-5-Abgasnorm zugelassen sind. Ist die Frage, wie lange das noch geht. Speditionen etwa müssen schon jetzt die neue Norm befolgen. Ob es sich für Fahrgestellhersteller lohnt, „nur“ für die Feuerwehr noch auf Euro-5 zu setzen, bleibt abzuwarten.

Das Fazit von Axel Johnen: „Es kostet mehr, bringt nichts, und Verluste beim Reservegewicht müssen wir auch noch hinnehmen.“ Panik macht er aber keinesfalls.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert