Eschweiler - Nachbarschaftshilfe greift vor allem älteren Menschen unter die Arme

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Nachbarschaftshilfe greift vor allem älteren Menschen unter die Arme

Von: Sonja Essers
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Vor allem ältere Menschen greifen auf die Angebote der Nachbarschaftshilfe zurück. Als Dankeschön unternehmen die Ehrenamtler einmal im Jahr einen Ausflug.
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Vor allem ältere Menschen greifen auf die Angebote der Nachbarschaftshilfe zurück. Als Dankeschön unternehmen die Ehrenamtler einmal im Jahr einen Ausflug.

Eschweiler. Vor 20 Jahren wurde die Nachbarschafts in der Inde­stadt gegründet. Nur wenige Monate danach stieß auch Renate Peters dazu. Das Ehrenamt ist aus dem Leben der 69-Jährigen nicht mehr wegzudenken. Seit 2009 leitet sie die Nachbarschaftshilfe und kümmert sich um die Vermittlung der Ehrenamtler.

Sie sagt: „Unser Dankeschön ist die Freude in den Gesichtern der Menschen, wenn wir zu ihnen kommen.“

Frau Peters, in diesem Jahr feiert die Nachbarschaftshilfe ihr 20-jähriges Bestehen. Hand aufs Herz: Wie wichtig ist diese Institution heute noch?

Peters: Also eigentlich wäre unsere Einrichtung ja gar nicht nötig. Aber so wie es früher einmal war ist es heute leider nicht mehr.

Wie meinen Sie das?

Peters: Unter einem Nachbarn verstehe ich einen Menschen, der weiß, wer ich bin, wo ich bin und der natürlich auch weiß, wie es mir geht. Das ist heute aber ganz und gar nicht mehr so. Heute kennt man meistens noch nicht einmal die Leute, die direkt im Haus nebenan wohnen. Wenn man früher einen Nachbarn längere Zeit nicht gesehen hat, dann hat man bei ihm geklingelt und nachgefragt, ob auch alles in Ordnung ist. Das macht heute niemand mehr.

Und welche Aufgaben übernimmt die Nachbarschaftshilfe?

Peters: Wir versuchen, diese Lücke zu schließen, und bieten deshalb ganz verschiedene Tätigkeiten an. Unsere Helfer besuchen ältere Menschen oder erledigen Einkäufe. Wir bieten auch Hilfe in Schriftangelegenheiten an. Das heißt, dass wir den Leuten dabei helfen, Anträge zu stellen, zum Beispiel zur Gebührenbefreiung bei Medikamentenzuzahlungen. Wir helfen im kleinen Sinn.

Was kann man sich darunter vorstellen?

Peters: Wir wechseln schon mal eine Glühbirne aus, wenn sie kaputt ist, oder reparieren einen losen Stecker oder verlängern ein Kabel. Aber wir stehen nicht in Konkurrenz zu Firmen, und das ist auch sehr wichtig. Schließlich verdienen die damit ihr Geld. Auf der anderen Seite muss man natürlich auch sagen, dass keine Firma für eine kaputte Glühbirne rausfahren würde. Aber gerade für ältere Menschen ist diese Hilfe wichtig. Sie können vielleicht nicht mehr auf eine Leiter steigen und eine Birne auswechseln oder ihre Schränke sauber machen – dann helfen wir ihnen halt dabei.

An wen richtet sich Ihr Angebot? Ist es nur für ältere Menschen gedacht?

Peters: Nein. Die Nachbarschaftshilfe trifft auf alle Gruppen zu. Es gibt auch Alleinerziehende, die uns anrufen, weil sie Hilfe brauchen. Aber das ist wirklich ganz selten der Fall. Überwiegend kümmern wir uns tatsächlich um ältere Menschen, die meistens dann auch alleinstehend sind.

Um welche Hilfe wird am häufigsten von den Menschen gebeten?

Peters: Am häufigsten werden Einkaufshilfen benötigt, weil vielen einfach das Tragen der Taschen schwer fällt. Aber auch in diesem Bereich gibt es unterschiedliche Varianten. Manchmal müssen die Ehrenamtler sich einfach nur Listen abholen, auf denen dann steht, was eingekauft werden soll. Aber viele wollen auch mit ihnen einkaufen gehen oder Erledigungen, zum Beispiel bei Banken, machen.

Warum ist es den Menschen so wichtig, beim Einkauf mit dabei zu sein?

Peters: Ihnen sind einfach die sozialen Kontakte wichtig. Gerade für viele ältere Menschen ist der Einkauf ein Erlebnis. Sie kommen unter Menschen und treffen dann in der Stadt oder im Supermarkt Bekannte. Einige unserer Ehrenamtler unternehmen dann auch kleine Touren mit ihnen und gehen zum Beispiel mit ihnen im Stadtwald spazieren oder begleiten sie zu Arztterminen. Das richtet sich aber ganz nach der Nachfrage. Wir haben auch eine Dame, die jemanden suchte, der mit ihr Canasta spielt. Das ist alles möglich.

Auf wie viele Ehrenamtler kann die Nachbarschaftshilfe momentan zählen?

Peters: Zurzeit haben wir 30 Ehrenamtler, die die verschiedensten Aufgaben übernehmen. Auch die Einsätze variieren. Manche von ihnen sind ein Mal in der Woche unterwegs, manche mehrmals. Unsere Helfer sind überwiegend Rentner, Witwen oder Alleinstehende, die in ihrer Freizeit eine sinnvolle Beschäftigung suchen. Jüngere Leute haben wir eigentlich nicht in unseren Reihen, und wenn, dann sind sie meistens nur für eine kurze Zeit bei uns, zum Beispiel wenn sie auf einen Studienplatz warten.

Wie erklären Sie sich das?

Peters: Wer im Berufsleben steht oder zur Schule geht, für den ist es auch gar nicht möglich, so viel Zeit zu opfern. Trotzdem wäre es manchmal gut, wenn wir auch jüngere Helfer hätten.

Welche Aufgaben könnten die Jüngeren übernehmen?

Peters: Gerade bei den Einkäufen gibt es manchmal Probleme. Für jüngere Menschen ist es nicht so schwer, die Taschen auch bis in den dritten Stock zu tragen. Für uns ist das aber gar nicht so einfach. Manche meiner Helfer sagen mir, dass sie froh sind, wenn sie ihre eigenen Einkäufe nach Hause bekommen, dann können sie nicht auch noch für andere die schweren Taschen tragen. Ähnliche Probleme treten auf, wenn Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, gerne mal ausgefahren würden. Da sind auch schon kräftigere oder jüngere Personen gefragt.

Wie viele Menschen werden von Ihnen betreut?

Peters: Im Moment werden zwischen 80 und 90 Menschen von uns betreut. Da sind auch teilweise Leute bei, die wir schon seit Jahren begleiten.

Das klingt aber nicht nach einer großen Nachfrage.

Peters: Als ich vor 20 Jahren bei der Nachbarschaftshilfe anfing, habe ich gedacht, dass in einer Stadt mit fast 60000 Einwohnern das Telefon mit Sicherheit wie blöd klingeln würde. Aber das war und ist nicht so. Wenn man sich mal überlegt, wie viele Leute doch eigentlich Hilfe brauchen, dann kann das gar nicht sein.

Woran könnte das Ihrer Meinung nach liegen?

Peters: Am Anfang war unser Büro noch im Rathaus. Dann sind wir zur Marienstrasse umgezogen. Hier kennt die Besucher keiner und dementsprechend ist auch die Hemmschwelle niedriger. Aber trotzdem ist eine gewisse Scheu vorhanden, um Hilfe zu bitten. Manchmal bekomme ich Anrufe von Leuten, die mir sagen, dass ihre Nachbarn Hilfe brauchen. Und dann sage ich, dass sie sich nur bei uns melden müssen. Wir wollen uns niemandem aufdrängen.

Was muss man tun, wenn man bei Ihnen mitmachen möchte?

Peters: Wenn sich jemand bei uns meldet und mitmachen möchte, dann setze ich mich mit den Leuten vorher erst einmal zusammen. Der erste Eindruck muss einfach stimmen und das geht am Telefon nun mal nicht. Mit der Zeit entwickelt man dafür ein gutes Gespür. Aber man muss dafür Fingerspitzengefühl haben. Schließlich ist es ja auch eine große Vertrauenssache, wenn man zum Beispiel zu Personen geht, die alleinstehend sind. Voraussetzung ist auch Diskretion. Wenn man bei uns mitmachen möchte, dann kann man sich aussuchen, bei welchen Diensten man mitmachen möchte. Die blauen Flyer, worauf unser Angebot aufgeführt ist, liegt zum Teil auch bei Ärzten aus.

Können Sie dafür einige Beispiele nennen?

Peters: Man kann sich mit älteren Menschen unterhalten und sie besuchen oder die Einkäufe für sie erledigen. Wenn man sich für einen Bereich entschieden hat, dann wird man auch in diesem Bereich eingesetzt. Auch den zeitlichen Rahmen können die Helfer selbst bestimmen und dann vor Ort abklären. Man muss auch keine besonderen Fachkenntnisse vorweisen. Bei uns gibt es nur eine Voraussetzung und die ist, dass man dazu bereit ist, anderen Menschen zu helfen. Jedoch tägliche Einsätze sowie Putz-und Spüldienste werden allerdings nicht von uns gemacht.

Und wie lange dauert es, bis man zum ersten Mal eingesetzt wird?

Peters: Wenn sich neue Leute bei uns melden, dann dauert es auch schon mal etwas, bis sie eingesetzt werden. Das kommt ganz auf die Nachfrage an. Ich sage ihnen dann immer, dass ich sie nicht vergessen habe, sondern dass es zurzeit noch keinen Bedarf für ihr Angebot gibt. Sie kommen dann in unsere Kartei und sobald die entsprechende Nachfrage da ist, melden meine Kollegen – wir sind zu Viert im Büro, wo jeder seinen festen Bürotag hat – oder ich uns, um den Einsatz abzuklären.

Und wo wird man dann eingesetzt?

Peters: Wir führen eine Liste und habe alle Helfer nach ihren Ortsteilen aufgeteilt. So sehen wir, wer wo wohnt und wen wir bei Anfragen kontaktieren können. Man muss ja nicht Leute, die in Dürwiß wohnen, nach Weisweiler schicken, wenn es nicht unbedingt notwendig ist. Nicht alle unsere Helfer besitzen ein Auto, das schränkt dann die Einsätze auch etwas ein. Wenn es bei uns Engpässe gibt, können wir uns auch an das Sozialamt wenden, die manche Arbeiten dann für oder mit uns erledigen und immer ein offenes Ohr für uns haben. Wir sind ja eine Einrichtung der Stadt Eschweiler, bei der wir bei allen Problemen und Fragen jederzeit Gehör und Hilfe finden. Dafür möchte ich auch einmal Danke sagen.

Gibt es auch Menschen, die Ihre Dienste ausnutzen?

Peters: Die gibt es manchmal auch, aber selten. Unsere Ehrenamtler machen aber überwiegend positive Erfahrungen. Wenn Menschen die Dienste ausnutzen, dann merkt man das meistens schnell. Die meisten Leute, die wir betreuen sind aber wirklich sehr dankbar. Die Ehrenamtler sagen mir immer wieder, dass ein dankbarer Blick und ein gutes Wort für sie der größte Lohn sind. Darauf kann man doch aufbauen. Unser Dankeschön ist die Freude in den Gesichtern der Menschen, wenn wir zu ihnen kommen. Für die Ehrenamtler ist es einfach eine große Freude, anderen Menschen zu helfen.

Zum 20-jährigen Bestehen der Nachbarschaftshilfe haben Sie sich für die Helfer eine ganz besondere Überraschung einfallen lassen.

Peters: Genau. Als Dankeschön für unsere Ehrenamtler veranstalten wir jedes Jahr im Sommer einen Ausflug und im Dezember eine Weihnachtsfeier. Das sind immer kleine Highlights. Dabei ist dann Gelegenheit, sich untereinander auszutauschen. Das soll ja auch so sein. So war es bei unserem letzten Ausflug auch wieder.

Verraten Sie uns, was Sie unternommen haben?

Peters: Zu unserem 20-jährigen Bestehen haben wir einen ganz besonderen Ausflug unternommen. Wir sind mit einem Oldtimerbus nach Brüggen gefahren, wo uns ein tolles Buffet erwartete. Nach dem Essen hatten wir Zeit, uns den Ort zu Fuß anzusehen, um uns danach bei Kaffee und Kuchen wieder zu stärken, und danach stand eine eineinhalbstündige Tour mit einer Art alten Lok mit Salonwagen auf dem Programm. Wir haben viele Informationen über den Ort erhalten, und alle hatten sehr viel Spaß. Es war wirklich ein ausgefüllter, schöner Tag.

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