Nach 400 Jahren verlassen die Jesuiten Aachen

Von: Georg Dünnwald
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Das Kloster St. Alfons war ihr
Das Kloster St. Alfons war ihr Zuhause: Als es verkauft und zum Bürohaus umgebaut wurde, zogen die Aachener Jesuiten um in die Kirche St. Peter am Bushof. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Das wars dann! Die Jesuiten verlassen gegen Ende des Jahres Aachen. Damit geht eine mehr als 400-jährige Geschichte zu Ende und eine Ära ist vorbei.

Mit erzwungenen Unterbrechungen (Verbot des Ordens durch Papst Clemens XIV. von 1773 bis 1814 auf Druck der Könige von Frankreich, Spanien und Portugal; die Ausweisung aus dem Deutschen Reich von 1872 bis 1917 und die Vertreibung durch die Nazis von 1941 bis 1945) hielten sich Patres der Societas Jesu seit dem Ende des 16. Jahrhunderts in der Kaiserstadt auf. Jetzt hat der Provinzial entschieden, dass die Aachener Niederlassung geschlossen und die noch vier in Aachen wirkenden Jesuitenpatres abberufen werden.

1601 Kolleg gegründet

Die Ordensleute haben einiges bewirkt in dieser Stadt. So geht das Kaiser-Karls-Gymnasium beispielsweise auf die Gründung eines Jesuitenkollegs im Jahr 1601 zurück. Vor allem in der Bildung haben sich die Jesuiten hervorgetan, vor 400 Jahren ebenso wie heute. Aber auch der seelsorgerische Aspekt und volksnahe, oft missionarische Predigten waren besondere Arbeitsfelder der jesuitischen Regularkleriker.

Zu wenig Geld vom Bistum

Als Regularkleriker unterwerfen sich Jesuiten zwar den Regeln ihre Ordens, dazu gehören neben dem Gelübde der Armut, der Ehelosigkéit und des Gehorsams auch das Gelübde des unbedingten Gehorsams dem Papst gegenüber, sie tragen aber keine Ordenskleider und haben auch kein gemeinsames Chorgebet wie dies zum Beispiel bei den Benediktinern in Kornelimünster oder den Franziskanern in Vossenack der Fall ist.

Der 85-jährige Pater Johannes Günter Gerhartz ist erst seit drei Jahren in Aachen. Gemeinsam mit Hans-Theodor Mehring, dem Superior der Aachener Jesuitenniederlassung in der Jägerstraße, und Pater Josef Bill versieht er den priesterlichen Dienst in der Peterskirche am Bushof. Vierter im Bunde war bisher Pater Heinz-Walter Hammes, der im Uniklinikum die katholische Krankenhausseelsorge übernommen hatte.

Hammes ist jedoch seit Ende letzten Jahres nicht mehr am Uniklinikum tätig. Sein Einkommen fehlt dem Orden, für die seelsorgerische Tätigkeit an St. Peter lässt das Bistum zu wenig Geld springen. Deshalb hat Provinzial Pater Stefan Kiechle der deutschen Ordensprovinz, zu der alle Bundesländer und Dänemark und Schweden gehören, die Notbremse gezogen.

Statt sich Ende 2015 über eine Verlängerung des Vertrages zwischen dem Orden und dem Bistum zu unterhalten, hat Kiechle die Auflösung der Niederlassung verfügt. „Was schade ist”, kommentieren Gerhartz und Mehring im Gespräch mit den „Nachrichten”. Die beiden wissen, dass sie in Aachen eine Instituion sind.

„In St. Peter kann von montags bis freitags zwischen 11 und 12 Uhr gebeichtet werden. Ganz klassisch im Beichtstuhl, aber auch im Gespräch von Angesicht zu Angesicht”, erklärt Gerhartz. Immerhin, 1600 Menschen kommen Jahr für Jahr nach St. Peter, um zu beichten. „Deshalb ist es wichtig, in einem Gotteshaus zu agieren, das an zentraler Stelle in der Stadt steht.”

Die Menschen, die sich aussprechen und die sakramentale Absolution haben wollen, kämen aus allen Schichten. „Männer mehr als Frauen, Ältere mehr als Junge.” Mehring kümmert sich, wie auch Pater Bill, der zurzeit im Krankenhaus liegt, um die katholische Glaubensorientierung. „Der Erwachsenentaufe, der Firmung, der Aufnahme und der Wiederaufnahme in die katholische Kirche und natürlich auch Glaubensgespräche”, erläutert Pater Mehring.

Für die Mammutgemeinde Franziska von Aachen, zu der die ehemalige Pfarrei St. Peter gehört, ist der Dienst der Jesuiten Luxus, aber ein nahezu unersetzlicher. Denn die Jesuiten kümmern sich nur um das Sakramentale und die Seelsorge. Ureigenste Aufgaben von Priestern also. Aber dafür haben die Pfarrer, wie Franz Josef Radler, kaum mehr Zeit. Gemeinden mit mehreren Kirchengebäuden - Franziska von Aachen vereinte sieben Gemeinden - fressen die Pastöre mit Verwaltungsaufgaben beinahe auf. Deshalb ist Franz Josef Radlers Missmut nur allzu verständlich: „Ich bin sehr betroffen über die Entscheidung des Jesuitenprovinzials”, sagt er.

Dem Bistum und der Stadt geht durch den Wegzug der Jesuiten viel verloren.Seit 1962 haben sich die Patres stark gemacht für die Jugend. Sie waren Mitbegründer der Katholischen Studierenden Jugend Neudeutschland (KSJ/ND) und des Jugendwerks für internationale Zusammenarbeit. Sie legten den Grundstein für die Bleiberger Fabrik, sie waren und sind in der Schulseelsorge tätig. In der Erwachsenenbildung boten sie soziale Seminare und Exerzitien, und sie waren Mitarbeiter von Misereor und Missio. Wohin die Patres Ende des Jahres gehen werden, wissen sie noch nicht.
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