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Nach 32 Jahren zieht Kultkneipe Schneckes um

Von: Tobias Röber
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Corinna „Coco“ Bosselmann, Lisa Gruppe, Willi Meier und seine Frau Na sowie Ruth Pieters (von links) freuen sich auf die neue Herausforderung in der Schnellengasse. Foto: Tobias Röber

Eschweiler. Ein wenig Wehmut liegt im Blick Willi Meiers, wenn er sich im Schneckes umschaut. Seit 32 Jahren gibt es das kleine, gemütliche Lokal am oberen Ende der Grabenstraße. Noch dreimal öffnet Willi Meier dort die Tür für seine Gäste, zum letzten Mal an diesem Samstag.

Das Ende der Kultkneipe ist das aber keineswegs. Das Schneckes gibt es weiterhin. Willi Meier bleibt ebenso, wie die Kellnerinnen Ruth Pieters und Lisa Gruppe. Am kommenden Mittwoch öffnet das „neue“ Schneckes – und zwar im ehemaligen Annotobac.

„Natürlich!“, sagt Willi Meier auf die Frage, ob der Umzug schwerfällt. Gleichzeitig freut er sich aber auch auf die neue Herausforderung. Der Umzug hat vor allem mit dem Nichtraucherschutzgesetz zu tun. „Auch aus dem Bauch heraus habe ich das Gefühl, dass es nicht zumutbar ist, länger hier zu bleiben“, sagt Willi Meier und nennt ein Beispiel. So sei er während des Eschweiler Musicfestivals gegen vier Uhr nachts vor der Türe seines Lokals gewesen und habe dort 72 Raucher gezählt. Die meistens Nachbarn seien verständnisvoll, es habe jedoch auch schon massive Beschwerden gegeben. Nun steht also der Umzug an – in die Schnellengasse.

Zunächst hatte der fast 63-Jährige überlegt, ins City-Center zu ziehen. Willi Meier trug seine Pläne bei den Eigentümern vor und höret nichts mehr. Als er dann die Schilder „Zu verkaufen“ am Annotobac las, schlug er zu. Rund zehn Jahre steht die Kneipe inzwischen leer.

128 Quadratmeter stehen dort künftig zur Verfügung, der Gastraum hat derer 80. Das jetzige Schneckes hat ungefähr 70 Quadratmeter. Im neuen Schneckes wird es nicht viel Neues geben. Die urige Einrichtung zieht nämlich gleich mit um und dabei dürfen die Stammgäste mit anpacken. In der Nacht von Samstag auf Sonntag soll sich jeder Gast gegen 2 Uhr etwas schnappen und die paar Meter tragen. Es bleibt also Vieles, das das Schneckes seit 32 Jahren ausmacht. Eben dieses Gemütliche. Vor allem bleiben viele Erinnerungen. Etwa diese: Zu Zeiten von Bundeskanzler Gerhard Schröder hing ein Schild im Schneckes, auf dem stand: Herr Schröder, wir brauchen die 630 Mark. Es dauert nicht lange, bis sich die Türe öffnete, ein Mann mit den Worten herein kam und sagte: Guten Tag, mein Name ist Schröder. Er wollte seinen Deckel bezahlen... Es gab auch weniger Lustiges. So stand irgendwann ein Mann mit Messern im Schneckes und war der festen Überzeugung, „dass die mich hier auspeitschen wollen.“

Ein anderer Gast stand im Lokal, unterhielt sich und sagte aus dem Nichts: „Ich kann auch anders.“ Kaum hatte er das ausgesprochen, ging er durch die geschlossene Eingangstüre. Natürlich gab es in all den Jahren auch Anekdoten, die man so hier nicht schreiben kann/darf. Aber was soll‘s: Wer dabei war, hat in den kommenden Jahren noch genügend Gelegenheiten, diese im Schneckes aufzufrischen.

Zu den Anekdoten gehört selbstredend der Werdegang der Kneipe, die ursprünglich gar keine Kneipe war. Willi Meier öffnete vor 32 Jahren das Schneckenhaus. Es war ein Restaurant. Doch statt der Schneckenhäuschen und Froschschenkel wollten die Gäste lieber Bier und Würfelbecher und gaben so die Richtung vor. Willi Meier traf genau den Nerv einiger Schüler- und Studentengenerationen. Viele sind „ihrem“ Schneckes bis heute treu geblieben.

Auch das Personal ändert sich nicht. Willi Meier und seine Frau Na freuen sich ebenso auf das neue Lokal wie Ruth Pieters (seit sechs Jahren Kellnerin im Schneckes) und Lisa Gruppe (seit sechs Jahren) und Corinna „Coco“ Bosselmann, die bereits seit 22 Jahren Teil des Teams ist.

Im neuen Schneckes ist fast alles bereitet. Ordnungs-, Bau- und das Veterinäramt der Städteregion haben ihr Okay gegeben. Die Wände sind mit jeder Menge alter Zeitungen tapeziert und ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes hat bereits prophezeit, dass wahrscheinlich viele Gäste erst nach einer Weile von der Toilette wiederkehren. Statt irgendeiner Tapete wurden nämlich Donald-Duck-Hefte an die Wände geklebt.

Am kommenden Mittwoch, 28. Mai, 18 Uhr, öffnet Willi Meier das neue Schneckes.

Und wie lange macht Willi Meier noch? „Mit 65 soll Schluss sein“, sagt er. In zwei Jahren ist es so weit. Ruth Pieters und Lisa Gruppe sollen das Schneckes dann übernehmen. Vielleicht für die nächsten 32 Jahre...

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