Morgens Party, abends Christmette

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Christkinder
Wer am 24. Dezember Geburtstag hat, müssen sich durch die Feiertage durchbeißen. Foto: Collage: Hans-Gerd Classen

„Christkinder“ passend zu Weihnachten als Nussknacker – denn sie müssen sich durch die Feiertage wahrlich durchbeißen. Bruni Pchalek, Johannes Wings, Anna Mathibe, Edmund Berkele und Petra Seeger vereint aber nicht nur das „Outfit“ auf unserer Collage: Sie wurden alle am 24. Dezember, also an Heiligabend geboren.

Das Weisweiler Urgestein Bruni Pchalek, die in diesem Jahr ihr 63. Lebensjahr vollendet, ist mit dem Datum ihres Ehrentags zufrieden. Schließlich hätte es sie schlimmer treffen können. „Ich fände es schlimmer, wenn ich Rosenmontag Geburtstag hätte“, meint die Damenpräsidentin der KG Lätitia Blaue Funken Weisweiler. Schon als Kind habe sie sich mit ihrem besonderen Ehrentag gut anfreunden können. „Als Kind habe ich das nicht als schlimm empfunden. Es hat mich wirklich nicht gestört.“ Morgens wurde Geburtstag gefeiert, abends stand die Bescherung auf dem Programm. Das eine oder andere Mal ist sie jedoch auf ihren Namenstag ausgewichen. Das war aber gar nicht so einfach. „Ich heiße Brunhilde-Anna. Aber Brunhilde stand lange gar nicht im Kalender. Da meine Patentante auch Anna heißt, habe ich dann mit ihr zusammen am 26. Juli gefeiert.“ Mittlerweile ist auch der Name Brunhilde im Kalender vorhanden – Verlegt auf den 6. Oktober hat sie ihren Namenstag aber nicht. Als sich die Veranstaltungen im Sommer häuften, ging sie wieder dazu über, im Dezember zu feiern. „Meinen 50. habe ich zwischen den Tagen gefeiert und meinen 60. an Silvester“, erklärt sie. Doch wie läuft ein Geburtstag im Hause Pchalek ab? Morgens kommen Freunde und Bekannte, am Nachmittag die Familie. „Abends wird es dann langsam Weihnachten“, sagt Pchalek. Auch ihrer Tochter Silke gefällt das Geburtsdatum ihrer Mutter: „Auf dem Markt war ich Heiligmorgen nie, weil bei uns immer was los ist.“ Und was wünscht sich Brunhilde Pchalek? „Gesundheit, dass sich alle Menschen gut verstehen – und ein Enkelchen.“

Johannes Wings erblickte im Jahr 1962 das Licht der Welt und hat etwas ganz Besonderes zu erzählen, was an die Weihnachtsgeschichte erinnert: Ursprünglich sollte der 51-Jährige in der Indestadt das Licht der Welt erblicken, doch seine Eltern wurden vom Eschweiler Krankenhaus abgewiesen. Es war überfüllt. „Man hat meinen Eltern gesagt, dass sie in das Krankenhaus nach Langerwehe müssen“, sagt er. Seine Geschenke erhielt er als Kind stets am Vormittag des Heiligen Abend. Das ist auch heute noch so. „Morgens gab es die Geschenke zum Geburtstag und abends dann die Weihnachtsgeschenke“, erinnert sich der jüngste von drei Brüdern und nennt ein Beispiel: „Da gab es morgens die Lok und abends die passenden Anhänger dazu.“ Gefeiert wurde sein Geburtstag am Heiligen Abend allerdings nie. Seinen Ehrentag zelebrierte der Inde-städter als Kind an seinem Namenstag, dem 24. Juni. „Ich wurde katholisch erzogen, da hat es sich angeboten, meinen Namenstag zu nehmen.“ Als Wings älter wurde, war das jedoch kein Problem mehr. Eine Geburtstagsparty zwischen den Feiertagen und das Reinfeiern gehörten für ihn dazu. In diesem Jahr geht es ruhiger zu. Da kein runder Geburtstag ansteht, lädt er seine Familie zum Frühstück ein. „Danach gehen dann alle ihre Wege“, sagt der Indestädter. Außerdem: „Man hat mir oft gesagt, dass ich zu früh auf die Welt gekommen bin, weil ich unbedingt noch etwas von der Bescherung abbekommen wollte“, sagt er und fügt mit einem Lachen hinzu: „Böse Zungen behaupten außerdem, dass mein Vater gesagt hätte: Jetzt haben wir die Bescherung, als er mich zum ersten Mal gesehen hat.“ Das glaubt er aber nicht.

„Eigentlich finde ich das nicht so gut. Ich kann mich gar nicht richtig auf meinen Geburtstag freuen“, sagt Anna Mathibe. Sie feiert morgen ihren achten Geburtstag, wäre aber lieber an einem anderen Tag auf die Welt gekommen – wäre sie auch fast. Schließlich war ihre Mutter für den 15. Dezember ausgezählt. Doch der kleinen Anna gefiel es so gut, dass sie erst am Heiligen Abend auf die Welt kam. Gut findet sie dies nicht, denn an dem Tag könne sie nicht mit ihren Freunden feiern; Mutter Tanja kann das verstehen: „Wenn die Kinder noch klein sind, kriegen sie das noch nicht so mit, aber wenn man an Weihnachten Geburtstag hat, dann wird das immer ein bisschen stiefmütterlich behandelt.“ Deshalb findet die Geburtstagsparty der Kleinen entweder im Januar oder an ihrem Namenstag, dem 26. Juli, statt. Geschenke bekommt die Zweitklässlerin an ihrem Geburtstag in doppelter Ausfertigung. „Morgens feiern wir meinen Geburtstag und abends ist Bescherung“, beschreibt das Mädchen einen typischen Geburtstag, der mit einem Frühstück im Kreise der Familie beginnt. Am Nachmittag geht es in die Messe. Das sei zwar stressig, meint Mama Tanja, jedoch will die Alleinerziehende ihrer Tochter einen normalen Geburtstag ermöglichen. Dazu gehört neben einer Torte auch das richtige Geschenkpapier. „Ich achte schon darauf, dass ich ihre Geburtstagsgeschenke nicht in Weihnachtsgeschenkpapier einpacke“, verrät sie. Annas Freunde teilen die Meinung der Siebenjährigen nicht. „Die staunen immer und sagen zu mir: Du kriegst ja doppelt so viele Geschenke“, sagt sie und lacht. Anna ist die Einzige in der Familie, die am Heiligen Abend auf die Welt kam. Auch ihre kleine Schwester Sinajda feiert im Dezember Geburtstag, vor vier Tagen wurde sie drei Jahre alt. Momentan ist die Tante der Mädchen schwanger – sie ist für Januar ausgezählt. „Vielleicht wird es ja doch noch ein Dezember- oder ein Silvesterbaby.“ Tanja Mathibe ist sich sicher, dass sich die Einstellung ihrer Tochter noch ändern wird: „Wenn du älter bist, kannst du Heiligmorgen auf dem Markt feiern. Das wird dann aber bestimmt sehr teuer...“

Angesprochen auf seinen Geburtstermin meint Edmund Berkele: „Ja, ich bin ein Christkind.“ Unter seinem Spitznamen Edi ist er in ganz Eschweiler bekannt ist. Seinen Geburtstag feiert der 43-Jährige allerdings am 15. März. Warum? „Schließlich fing an diesem Tag für mich ein neues Leben an“, sagt der 43-Jährige. Als Dreijähriger kam Edi zu seinem Pflegevater Bernhard Hoffmann, zu dem er seit 41 Jahren ein sehr gutes und inniges Verhältnis hat. Zwar gratulieren Freunde und Familienmitglieder ihm morgen zu seinem Geburtstag, Geschenke gibt es dann allerdings erst im März. Für Edi ist das überhaupt kein Problem: Große Feiern und ausgefallene Wünsche sind sowieso nicht so sein Ding. „Ich wünsche mir ein langes Leben für meinen Pflegevater und seine Freundin“, sagt er. An Weihnachten freut sich der 43-Jährige, der seit 25 Jahren bei der Caritas tätig ist, auch ohne Geschenke ganz besonders. Schließlich könne er an den Feiertagen mal so richtig ausspannen und es sich gutgehen lassen. Immerhin ist der Indestädter nach der Arbeit immer unterwegs: Er macht Musik in der Behinderten-Band der Caritas, der „Rasselbande“, spielt Tischtennis und geht zum Reha-Sport. Außerdem hat es ihm die Gartenarbeit angetan, er funkt leidenschaftlich gerne und erkundet die Indestadt regelmäßig mit dem Fahrrad. Auch zeichnet er gerne. Natürlich dürfen regelmäßige Besuche bei seinem Pflegevater und dessen Lebensgefährtin Ursel Gerards nicht fehlen. Dort kommt an den Feiertagen die gesamte Familie zusammen. Vor allem auf ein Wiedersehen mit seinen beiden Geschwistern freut Edi sich sehr. „Wenn es Weihnachten mal nicht klappt, dann sehen wir uns immer am 15. März. An dem Tag feiert der Mann von meiner Schwester auch seinen Geburtstag“, sagt er. Am zweiten Weihnachtstag steht dann ein Essen mit seinen Mitbewohnern und Betreuern an. So kann auch an den Feiertagen keine Langeweile aufkommen.

Bei Petra Seeger gibt es in der Weihnachtszeit so einiges zu Feiern. Die Leiterin des Amtes für Schulen, Sport und Kultur der Stadt Eschweiler hat morgen Geburtstag, ihre Mutter hatte vier Tage vorher. Ihr Mann feiert am zweiten Weihnachtstag seinen Namenstag. Seeger ist mit dem Datum ihres Ehrentages mehr als zufrieden. „Ich finde das gar nicht schlimm. Es ist doch toll, dass immer alle frei haben.“ Als Kind wich die 46-Jährige mit ihrer Geburtstagsfeier zwar immer auf ihren Namenstag, den 29. Juni, aus, als junge Erwachsene lud sie ihre Freunde dann zu Frühstück und Umtrunk in ihre Wohnung ein. „Bei mir gaben sich die Leute die Klinke in die Hand. Das war ein bisschen so, wie das Frühschoppen in der Schnellengasse: einfach ungezwungen und nett“, erinnert sich die zweifache Mutter. Bis zu 40 Besucher kamen in ihre kleine Wohnung, ein Teil davon musste sogar auf den Balkon ausweichen. Dies hat sich allerdings geändert. „Seitdem die Kinder da sind, feier ich entweder rein oder nach“, sagt Seeger. Dieses Jahr lässt auch sie es ruhig angehen. Ein Frühstück mit Freundinnen steht nach den Feiertagen auf dem Programm. Der 24. Dezember gehört der Familie. Ihre Schützlinge freuen sich schon sehr auf den Geburtstag der Mama. Sie bastelten bereits fleißig: einmal für den Geburtstag und einmal für Weihnachten. Auch als Kind bekam Seeger zwei Mal Geschenke. „Ich fühlte mich nie benachteiligt“, sagt sie und nennt noch einen Vorteil, den ihr Geburtsdatum hat: „Jeder kann sich den Termin merken. Wenn meine Familie an Heiligabend denkt, dann kommt direkt: Ach, da hat die Petra Geburtstag.“

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